Samenkörner, Blüten und Obst: Früchteteppich in Sargenzell ist bis November Besuchermagnet

13. September 2017
Sargenzell

Es ist sozusagen die Verkündigung vom Fußboden: Seit dem Wochenende ist der 30. Früchteteppich für die Öffentlichkeit zugänglich. Noch bis November ist das Kunstwerk mit dem Motiv „Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus“ in der Sargenzeller Kirche zu sehen.

Von Sabine Burkardt und Hartmut Zimmermann

Seit der Eröffnung haben bereits einige Gäste ihre Runden um das sechs mal vier Meter große Kunstwerk gedreht und die exakten Linienführungen oder die gelungenen Schattierungen bewundert. Einige hielten auch einfach nur inne und schauten auf das farbenfrohe Gemälde aus Millionen Samenkörnern.

Es ist ein Motiv des Malers Leandro Bassano aus dem 16. Jahrhundert und zeigt eine wohlhabende Tischgesellschaft, die den armen und hilflosen Lazarus am rechten Bildrand keines Blickes würdigt.

Das Motiv könnte aktueller nicht sein: „Die einen leben in Saus und Braus, und die anderen gehen vor die Hunde. Jesus will mehr soziale Lebensqualität, an der alle teilhaben können, auch die am Rande Stehenden”, brachte Pfarrer Jürgen Gossler die Kernaussage des Motivs in seiner Rede bei der Eröffnung auf den Punkt. „Wenn wir nicht die Not der Menschen vor unserer Tür sehen, werden wir nicht glücklich sein”, schloss sich Pfarrer Peter Borta an.

Schon zum 30. Mal kann man in diesem Herbst in der Alten Kirche, in der 1984 der letzte Gottesdienst gefeiert worden ist, ein großformatiges, aus Körnern, Früchten und Blüten komponiertes Bild sehen. Seitdem ist der Früchteteppich zu einem Besuchermagnet geworden. Rund 60.000 Menschen schauten ihn im vergangenen Jahr an.

Aus der damals recht großen Teppichleger-Gruppe kristallisierte sich das Team um Ria Noll heraus, das von Jahr zu Jahr neue Erfahrungen sammelte, seine Techniken verfeinerte. „Der Anspruch an das, was man da tut, wächst mit der Zeit“, sagt die 70-Jährige. Längst ist das Legen des Teppichs eine ganz besondere Mannschaftsleistung. Wobei die Notwendigkeit, ganz viele der zig Arbeitsschritte liegend, kniend oder hockend auf dem Kirchenboden zu erledigen, den Kreis der Mitmachenden einschränkt.

Den mit der Gestaltung des Bildes und dessen Präsentation verbundenen Aufwand stemmt der Verein unentgeltlich: Der Eintritt ist auch in diesem Jahr wieder frei, jeder kann seine Fotos machen. Lediglich um eine Spende wird gebeten. „Wir tun das bewusst, um niemanden auszuschließen, der den Früchteteppich oder die andern Angebote sehen will“, erläutert Adolf Döring, der erste Vorsitzende des „Fördervereins Alte Kirche“.

Die Besucher der Alten Kirche zeigen sich jedoch erkenntlich: Bislang hat der Förderverein rund 335.000 Euro für soziale und karitative Zwecke weitergegeben.

Öffnungszeiten:

Der 30. Früchteteppich wird bis Mittwoch, 1. November, in der Alten Kirche in Sargenzell zu sehen sein.

Öffnungszeiten sind täglich von 9 bis 18 Uhr.

Gruppenanmeldungen nach Vereinbarung unter Telefon (06652) 7938591 oder bei der Tourist-Info (06652) 180195.