Osthessischer Unternehmer will Hünfelder Wella-Werk kaufen

21. August 2017
Hünfeld

Der Bad Salzschlirfer Unternehmer Marc Martin hat dem US-Konzern Coty sein Interesse bekundet, dessen Wella-Werk in Hünfeld mit 280 Beschäftigten zu kaufen. Coty hatte angekündigt, das Werk mit heute 380 Mitarbeitern im Sommer 2018 komplett zu schließen.

Bislang lehnt Coty das Übernahmeangebot ab. Unternehmer Marc Martin (49) hat Interesse, das Wella-Werk in Hünfeld weiterzuführen. Würde der jetzige Eigentümer Coty verkaufen, müsste das Werk nicht – wie von Coty geplant – im Sommer 2018 schließen. In einer ersten Reaktion hat Coty die Bitte Martins um Verkaufsgespräche abgelehnt.

Aus für 380 Mitarbeiter: Coty schließt seinen Standort in Hünfeld

Das Coty-Management hat sich nach langen Beratungen nun endgültig dazu entschieden, den Standort in Hünfeld zu schließen. Rund 380 Mitarbeiter sind von dieser Entscheidung betroffen. Scharfe Kritik daran äußerten die Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU) und Birgit Kömpel (SPD). Und auch Bürgermeister Stefan Schwenk (CDU) nahm zu der Entscheidung von Coty Stellung.

Martin hat bereits Unternehmen aus der Auto-Zuliefererbranche saniert. Der Konzern Coty hatte am 3. August mitgeteilt, dass der Standort sich nicht wirtschaftlich weiterführen lassen. Es gebe auch keinen Käufer, der das Werk übernehmen und weiterführen würde. Selbst das Angebot des Betriebsrats, 100 Arbeitsplätze abzubauen, konnte Coty nicht umstimmen.

Zwei Tage nach der Coty-Ankündigung wandte sich Marc Martin an Marius de Bruin, Senior Vice President bei Coty. Martin erklärte in einer 17 Seiten langen Präsentation sein Interesse, das Werk gemeinsam mit einem vermögenden Frankfurter Banker zu kaufen. Das neue Unternehmen würde 280 Mitarbeiter übernehmen und auch für die 100 Beschäftigten aufkommen, die in eine Auffanggesellschaft wechseln.

Scharfe Kritik an Coty für Werksschließung: Große Versammlung von rund 100 „Wellanern“

Der Betriebsrat und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) hatten zu einer Demonstration in Hünfeld aufgerufen. Auch der Erste Stadtrat Theo Flügel solidarisierte sich mit den Mitarbeitern.

Eine Bedingung Martins für den Kauf ist, dass Coty die Aufträge, die jetzt in Hünfeld abgewickelt werden, noch fünf Jahre dort ließe. Für Coty sei der Verkauf des Werkes wirtschaftlicher, als Abfindungen in zweistelliger Millionenhöhe an die Mitarbeiter zu zahlen und in Sachsen neu zu bauen. „Ich bin sicher, dass man das Werk wirtschaftlich führen kann.“ Die Mitarbeiter seien hochqualifiziert, die Maschinen modern.

Welche drei Schritte Martins Strategie im Falle der Übernahme enthält, viele Informationen zum Käufer, was der Betriebsrat und die Politik zu dem Angebot sagen und wie es jetzt weitergehen könnte, lesen Sie am Montag in unserer ausführlicheren Berichterstattung (inklusive eines Kommentars) zum Thema in der gedruckten Ausgabe der Fuldaer und der Hünfelder Zeitung sowie im E-Paper. / vn