Point-Alpha-Preis für Wolf Biermann – Gedenken an Helmut Kohl

18. Juni 2017
Rasdorf

„Dass dieser Wolf Biermann, so lange er seiner Sinne und seiner Stimme mächtig bleibt, jemals seine Schnauze halten wird, halte ich weder für wahrscheinlich – noch für wünschenswert!“ Bundestagspräsident Norbert Lammerts Lob für den Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann, den neuen Träger des Point-Alpha-Preises, war ebenso direkt wie herzlich.

Cargando reproductor ...

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Am Samstagnachmittag erhielt der 80-Jährige Biermann die Auszeichnung in einer Feierstunde in der ehemaligen Fahrzeughalter der US-Armee auf Point Alpha. Mehr als 1000 Menschen waren gekommen, um den prominenten Preisträger und den namhaften Laudator zu erleben.

Die Auszeichnung, die mit 25.000 Euro dotiert ist, wurde zum zehnten Mal vergeben. Als der Point-Alpha-Preis 2005 erstmals vergeben worden war, wurden der am Freitag gestorbene Altbundeskanzler Helmut Kohl, George Bush sen. und Michail Gorbatschow ausgezeichnet. Alle Redner nahmen Bezug auf Kohls historische Leistung bei der Wiedervereinigung.

„Eine Auszeichnung wie der Pont-Alpha-Preis, der für Verdienste und die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit vergeben wird, könnte es ohne die Leistung Kohls nach 1989 gar nicht geben“, unterstrich Lammert. Zuvor hatte auch die Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Einheit, Thüringens frühere Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, an Kohl erinnert. Die Festversammlung erhob sich zum stillen Gedenken.

Die Auszeichnung für Biermann gelte der Macht des Wortes und dem Mut, nicht zu schweigen, wenn reden gefragt sei, sagte Lieberknecht. Lammert lobte den Liedermacher für dessen Mut zum Widerspruch. Dieser Haltung sei der Geehrte auch nach seiner Zwangsausbürgerung aus der DDR. Treu geblieben. Das sei gut und wichtig: „Auch und gerade eine Demokratie braucht Widerspruch – und sie braucht ihn dann am meisten, wenn sie am sichersten glaubt, darauf verzichten zu können.“

Biermann nahm die Ehrung – „Ich musste ich mich erst mal im Internet erkundigen, was das für ein Preis ist, aber den lasse ich mit von Ihnen, Frau Lieberknecht, gerne anhängen!“ – unter großem Beifall entgegen. Sein Dank war besonders klangvoll: Ein kleines Konzert mit Stücken und Gedichten, deren Entstehung bis in die Zeit des Mauerbaus zurückreichten und deutlich machten, warum die SED-Machthaber wenig Freude an diesem anders gläubigen Genossen hatten, schloss sich an.

Mit Biermanns „Hit“, dem Lied „Ermutigung“, das inzwischen Einzug ins Gesangbuch der schwedischen Lutheraner gefunden hat, setzte der Preisträger den Schlusspunkt, bevor die Feier traditionell mit „Einigkeit und Recht und Freiheit“ endete.