Tag der Deutschen Einheit auf Point Alpha: Schriftsteller Alexander Osang erinnert sich

04. Oktober 2016
Point Alpha

Von unserem Redaktionmitglied Victoria Weber

Es war keine gewöhnliche, feierliche Festrede, die Alexander Osang hielt. Und doch fesselte er am Sonntag mit seiner „ersten Rede zum Tag der Deutschen Einheit“ die Gäste in der Fahrzeughalle im US-Camp. Der Schriftsteller, der in Ost-Berlin aufwuchs, empfand keine Sehnsucht nach einem wiedervereinigten Deutschland. „Vielleicht, weil ich es nie kennengelernt habe. Als ich geboren wurde, stand die Mauer bereits“, sagte der 54-Jährige.

Von der Wiedervereinigung vor 26 Jahren berichtete er als Journalist. Osang begrüßte die Einheit nicht: „Ich wusste: Es ist vorbei.“ Bei ihm entstand aber auch die Erkenntnis: „Ich würde schreiben können, was ich sah, fühlte und dachte. Und ich würde die Welt sehen, bevor ich Rentner war.“ Von West-Berlin war Osang enttäuscht. „Das hatte ich mir aufregender vorgestellt. Ich hatte New York erwartet und betrat Charlottenburg.“

Doch allmählich machte sich Freude breit bei ihm als Journalisten. „Wir gehörten niemanden mehr, konnten machen, was wir wollten, was einige lähmte und andere beflügelte. Es war ein rauschhafter Zustand. Alles, was wir erlebten, schien so wichtig zu sein, dass man es aufschreibt und druckt.“ Nach dem Mauerfall hat Osang viel erlebt. „Es waren tolle 26 Jahre. Aufregender, bunter als die ersten 26 Jahre davor. Ich bin zufrieden und dankbar.“

Für die musikalische Umrahmung sorgte das Polizeimusikkorps Thüringen unter der Leitung von André Weyh, das zum Abschluss die Nationalhymne der USA und von Deutschland spielte. Vor dem Festakt wurden auf dem Gelände Kränze für die Opfer der deutschen Teilung niedergelegt.