Bürgerschaftspreis: Ilse Gold ist mit 81 Jahren mit großer Freude in der Kirchengemeinde aktiv

20. Mai 2017
Steinau

Für Ilse Gold ist es selbstverständlich, sich um andere zu kümmern und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Häufig ist die 81-Jährige dafür in der Grimm-Stadt mit dem Fahrrad unterwegs.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Schuchardt

Wenn sie mit leuchtenden Augen über ihre Projekte spricht, ahnt man: Ihre vielen Ehrenämter im kirchlichen Bereich halten sie jung und sind weniger eine Belastung als vielmehr eine Freude. „Man muss für das Gute in der Welt kämpfen“, sagt Ilse Gold. Dieser Satz ist bezeichnend für die 81-jährige Steinauerin.

Ilse Gold hat den Ausgang des Zweiten Weltkriegs miterlebt und hat auch in den schweren Jahren, die danach folgten, nie ihr Gottvertrauen verloren. Als Älteste von drei Geschwistern musste sie von klein auf in der Landwirtschaft mitanpacken. Ihren Vater verlor sie im Krieg, als junge Ehefrau und Mutter war sie viele Jahre mit der Pflege von Familienangehörigen mehr als ausgelastet. Die Gemeinschaft in der Kirche und die Gebete haben ihr immer viel Kraft gegeben, sagt sie.

Ihr vielfältiges Engagement ist für sie etwas absolut Selbstverständliches. 37 Jahre lang war sie im Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Steinau-Seidenroth-Marborn tätig. Sie ist heute Kirchenälteste und trägt noch immer zum Gelingen zahlreicher Projekte bei. Seit mehr als 40 Jahren wirkt sie im Ökumenekreis der Steinauer Kirchen mit. Denn die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen ist ihr ein großes Anliegen.

Sie kümmert sich bei besonderen kirchlichen Anlässen um die Bewirtung der Gottesdienstbesucher, backt Kuchen und bringt Ideen ein, um nur einiges zu nennen. Sie wirkt am Bibelsonntag mit und gestaltet den Weltgebetstag der Frauen mit. Mit ihren 81 Jahren ist sie aktuell im Vorbereitungsteam für die „Nacht der Kirchen“ aktiv, die für August geplant ist. „Ich habe gar keine Zeit, über mein Alter nachzudenken“, sagt Ilse Gold und lacht.

Vieles, von dem, was sie beisteuert, ist nach außen nicht unbedingt sichtbar. Menschen wie Ilse Gold werden dringend gebraucht. Sie ist freundlich, offen, begeisterungs- und kritikfähig. All das sagen Menschen über sie, die sie gut kennen. Bei der Umsetzung der Projekte geht sie unerschrocken ans Werk.

Zwei Reisen haben bei ihr großen Eindruck hinterlassen: Zum einen der Besuch in Tansania, wohin sie 2004 mit dem früheren Steinauer Pfarrer Martin Müller-Lorch gereist ist. Dort wurden mit Spenden eine Solaranlage für ein Krankenhaus und ein Auto für den Kirchenkreis Maneromango angeschafft. Zu sehen, unter welch einfachen und auch schlechten Bedingungen die Menschen dort leben, hat sie sehr betroffen gemacht, wie sie erzählt.

Wenn sie könnte, würde Ilse Gold sicher nicht zögern und die ganze Welt retten. Aber sie weiß natürlich, dass sie das nicht kann. Also packt sie da an, wo es ihr möglich ist, um die Welt ein bisschen freundlicher zu machen. Das bedeutet auch, Menschen zum Lächeln zu bringen. Etwa die Senioren, die seit mehr als 30 Jahren regelmäßig zu den von ihr organisierten Gesprächskreisen kommen, um zu singen und eine schöne Zeit zu verbringen.

Manches Mal sind das Menschen, die kaum noch die eigenen vier Wände verlassen. Sie holt Ilse Gold aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft. Denn diese trägt und gibt Kraft, das weiß die Steinauerin. Hinzu kommt die Freude in den Augen der Anderen. Das ist es, was Ilse Gold anspornt und ihr die Gewissheit gibt: Es ist besser, etwas zu tun als untätig zu bleiben. Sie kümmert sich, weil dies etwas Notwendiges und damit auch Sinnvolles ist.

Eine weitere Reise, die ihr sehr nahe ging, hat sie mit ihrem Mann Bernhard einige Jahre vor seinem Tod an jenen Ort in Russland unternommen, an dem er mehrere Jahre als Kriegsgefangener lebte. „Es gab immer wieder Menschen, die sich für ihn eingesetzt haben“, sagt Ilse Gold. Die Steinauerin hilft seit einiger Zeit Flüchtlingsfamilien, hier Fuß zu fassen.

Dass es Menschen mit anderem Kulturkreis sind, spielt für sie keine Rolle: „Das sind meine Nächsten.“ Den Kinder hilft sie bei den Hausaufgaben und packt auch im interkulturellen Café Gänsewiese mit an. Wenn es warm genug ist, sitzt sie in ihrem Garten und genießt Sonne und Blumen. In solchen Momenten schöpft sie Kraft und kommt zur Ruhe. Zumindest für eine Weile.

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