Augenärztin: Als Tatwerkzeug kommt das Käsemesser in Betracht

20. Juni 2017
Hanau/Schlüchtern

Die Frage wie alt der Angeklagte im Augenstecherprozess wirklich ist – 20 oder 24 Jahre –, bleibt weiterhin offen. Unklar ist zudem wie stark das Augenlicht des Opfers bei der Attacke im Oktober 2016 wirklich beschädigt wurde.

Weder eine Augenärztin aus Würzburg noch eine Optikerin, die den Somalier untersucht hatten, konnten am vierten Prozesstag darüber Aufschluss geben. Eigenlich hätte an diesem Tag ein forensisches Altersbestimmungsgutachten darüber Aufschluss geben sollen, wie alt der Eritreer, der im Oktober einen 18-Jährigen in den Hals gestochen und ihm Augenlider und Ohren abgetrennt haben soll, denn nun wirklich ist.

Nur wurde der Angeklagte zur entsprechenden Untersuchung erst am vergangenen Mittwoch und nicht wie ursprünglich terminiert am Freitag zuvor vorgeführt. Also widmet sich die 2. Große Jugendkammer am Landgericht Hanau noch einmal ausführlich dem Opfer und seinen Verletzungen. Und die müssen außergewöhnlich heftig gewesen sein.

Lesen Sie hier mehr:

Kannibalismus und Flucht in die Schweiz: Neue Wendungen im Fall um brutale Gesichtsverstümmelung

Der Fall einer grausamen Gesichtsverstümmelung nimmt bizarre Züge an. Ein Polizeibeamter erhärtet mit seiner Aussage im Prozess um versuchten Mordes den Verdacht auf Kannibalismus. Ein heute 20-Jähriger hatte einen befreundeten Flüchtling in der Schlüchterner Obertorstraße brutal entstellt.

„Das war ein extrem schwerer Fall, das haben wir in dieser Form noch nie gesehen“, schildert eine Oberärztin der Uniklinik Würzburg ihre Eindrücke sowie die ihrer Kollegen – und darauf muss das Gericht vertrauen. Noch immer ist der Somalier verschwunden und wird in der Schweiz vermutet. Zwei große Operationen und 14 kleinere Eingriffe, allerdings ebenfalls unter Narkose, hätte der 18-Jährige in Würzburg über sich ergehen lassen müssen.

Schon die Verletzungen hätten dem Somalier nicht bei Bewusstsein zugefügt werden können. Am rechten Auge seine sowohl Ober- und Unterlid, am linken das Oberlid sauber abgetrennt worden. Beim Blick auf die Bilder der möglichen Tatwerkzeuge käme laut Oberärztin allenfalls das Käsemesser in Betracht. Die Verletzungen am Augapfel seien auch eher typisch für einen Faustschlag, erläuterte die Medizinerin und sprach von Bindehautablösungen an beiden Augen und einer Prellung des linken Sehorgans.

Mit welchem Beispiel die Augenärztin verdeutlicht, wie viel Sehkraft das Opfer noch hat, welche weiteren medizinischen Probleme sie bei ihm sieht und warum sich die Jugendgerichtshelferin überrascht angesichts der Täter-Opfer-Beziehung zeigte, lesen Sie am Dienstag in der gedruckten Ausgabe der Kinzigtal Nachrichten und der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper. / au

Lesen Sie hier mehr:

„Fast animalisch“: Experten analysieren brutale Gesichtsverstümmelung

Ein Streit um Geld unter zwei Flüchtlingen artet zu einem unfassbaren Gewaltexzess aus. Der Täter entstellt das Gesicht seines Opfers mit seinen Zähnen, mit Messern und einem Kugelschreiber. Es überlebt, aber erblindet. Ein Kriminalpsychologe vermutet, dass es um mehr als Geld ging.