„Augenstecher-Prozess“: Beide Seiten legen Revision ein

14. Juli 2017
Hanau/Schlüchtern

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Pflichtverteidiger des Angeklagten, der Hanauer Rechtsanwalt Ulrich Will, haben Revision im „Augenstecher-Prozess“ eingelegt. Das erklärte der Pressesprecher des Landgerichts Hanau, Andreas Weiß, gestern auf Anfrage der KN.

Die Begründung der entsprechenden Anträge erfolgt nach der schriftlichen Urteilsbegründung der Zweiten Großen Jugendkammer, die den Angeklagten am 29. Juni wegen versuchten Totschlags sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt hatte.

Während Pflichtverteidiger Ulrich Will bereits nach der Verhandlung angekündigt hatte, nach Rücksprache mit seinem Mandanten in Revision gehen zu wollen, hatte sich die Staatsanwaltschaft zunächst nicht zu ihren Absichten geäußert. Nachdem die Staatsanwaltschaft die mündliche Urteilsbegründung Revue hat passieren lassen, ist auch hier diese Entscheidung gefallen.

Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Dominik Mies, verwies auf die erhebliche Diskrepanz im Strafmaß und der rechtlichen Wertung. Die Anklagebehörde hatte den brutalen Angriff des Eritreers, der vermutlich Ende 20 und damit erheblich älter ist als angegeben, auf einen damals 18-jährigen Somalier als Mordversuch angesehen und eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Der Angeklagte hatte im Oktober seinem Freund mit Messern in den Hals gestochen und ihm Augenlider und Ohrmuscheln abgeschnitten. Warum, das blieb bis zum Schluss ungeklärt. / au