Bahnvertreter Domke: Variante VIII ist für Fernverkehr nicht akzeptabel

06. Dezember 2017
Jossgrund

Keine Protestrufe – stattdessen durchdrangen Simulationsgeräusche von Tunnelsprengungen die gespenstische Stille im Bürgersaal des Rathauses. Dort veranstaltete die Initiative Pro Spessart (IPS) einen Infoabend zum Projekt Aus-/Neubaustrecke Hanau – Fulda/Würzburg.

Von Birgit Sinsel

Der Einladung waren rund 550 Personen aus Jossgrund, Mernes, Marjoß, Sinntal und Sinngrund gefolgt, um ihr Interesse und die großen Befürchtungen über die Folgen, die der Streckenausbau mit sich bringt, zum Ausdruck zu bringen. „Dass der Saal so voll war, habe ich bisher noch nicht gesehen“, zeigte sich Rainer Schreiber, Jossgrunds Bürgermeister und Vorsitzender der IPS, überwältigt von der großen Resonanz, die die Beteiligung am kürzlich stattgefundenen Infonachmittag noch übertraf.

Auch Dr. Reinhard Domke von der DB Netz AG zeigte sich überrascht von der ungewöhnlich hohen Teilnehmerzahl, als er den Stand der Planungen darlegte. Untersuchungen zum Artenschutz, Schallgutachten, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und die Zugzahlenprognose 2030 seien Grundlagen, die für den Abschluss des Variantenvergleichs noch ausstünden.

Christian Behrendt vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ befürwortete, dass das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird, was im Projekt Stuttgart 21 nicht geschehen sei. Er äußerte sich allerdings kritisch zur Neubaustrecke durch den Spessart, die auf jeden Fall einen Umweg für den Güterverkehr bedeute.

„Der Großteil der nächtlichen Güterzüge wird über die alte Strecke fahren, weil es der kürzere Weg ist“, prognostizierte er. „Ich halte nichts von der ‚Mottgersspange‘, weil sie keinen Sinn macht“, erklärte Behrendt und plädierte dafür, in ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept für den Südkorridior zu investieren, denn Aschaffenburg wolle schließlich nicht abgehängt werden.

Mediator Diplom-Geograf Wulf Hahn erklärte, dass von Gutachtern bei den Varianten durch den Spessart der höchste Raumwiderstand festgestellt worden sei, weil dort das Netz der Schutzgüter sehr dicht sei. Für den Erdaushub aus dem Tunnelbau müssten über die Bauzeit 300.000 Lkws rollen.

Im Anschluss an die Vorträge stellten sich die Referenten eineinhalb Stunden lang den teils emotionalen Fragen und Wortmeldungen der Zuhörer. Die sogenannte Variante VIII sei für den Fernverkehr nicht akzeptabel, erklärte Domke auf Nachfrage. Beim Neubau der Varianten I oder II werde trotzdem eine Verbindung in den Süden gebaut werden müssen.

Nur die Variante III habe eine Südanbindung. Auf die Bedenken, dass die Variante I auf jeden Fall die Wasserversorgung gefährde, antwortete er, dass bei allen Varianten mehr oder weniger schwere Konflikte um die Schutzgüter zu erwarten seien. „Es wird uns nicht gelingen, eine Trasse durch einen Korridor zu finden, der alle Konflikte ausschließt“, so der Bahnvertreter.