Hilfe für den Eisvogel: Verein will „fliegenden Edelstein“ an unterer Kinzig retten

01. Oktober 2015
MAIN-KINZIG-KREIS

Mit finanzieller Unterstützung der Fraport AG und den notwendigen Genehmigungen ausgestattet, startet die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) noch in diesem Herbst ein neues Artenschutzprojekt zur Rettung des Eisvogels.

Wenn der „fliegende Edelstein“, wie der Eisvogel wegen seines bunten Gefieders oft genannt wird, im schnellen Flug über die Wasseroberfläche saust, ist fast immer auch sein schriller Ruf zu hören. Eisvögel sind das Symbol für saubere und naturnahe Gewässer, in deren steilen Uferwände sie ihre Brutröhren graben. Ein langsam fließender Bach oder Fluss mit reichem Fischbestand und guten Sichtverhältnissen ist der bevorzugte Lebensraum. Natürlich müssen auch geeignete „Ansitzwarten“ in Form von überhängenden Ästen oder Baumstämmchen vorhanden sein, denn Eisvögel ernähren sich hauptsächlich von Fischen, aber auch von Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebsen und Kaulquappen. Ihre Jagdmethode ist das Stoßtauchen. Von einer passenden Sitzwarte über dem Wasser wird der Beutestoß angesetzt.

Besonders interessant ist das Brutverhalten der kaum starengroßen Vögel, die nach EU-Recht streng geschützt sind. Als so genannte Erdhöhlenbrüter graben sie mit dem Schnabel eine fast ein Meter lange, leicht ansteigende Höhle in eine senkrechte Uferböschung, an deren Ende ein erweiterter Nestkessel liegt. Das Erdmaterial wird mit den kleinen Füßen ausgescharrt und bei der Rückwärtsbewegung mit dem Schwanz hinausgeschoben. Die Eier liegen auf dem bloßen Untergrund. Oft werden auch alte, noch intakte Bruthöhlen nach einer Säuberung wieder neu bezogen. Dabei ist es unwichtig, ob das Brutpaar oder ein anderes die Höhle angelegt hat. Für das Überleben der Art ist es nur wichtig, dass die Höhle hoch genug liegt und so vor dem nächsten Hochwasser geschützt ist. Zum Revier eines Eisvogels gehört eine etwa ein bis vier Kilometer lange Fließgewässerstrecke.

Nur noch selten Brutpaare an Unterlauf der Kinzig

Der Eisvogel lebt ganzjährig in Deutschland, bleibt auch im Winter in der Nähe seines Brutgewässers. In Hessen ist der Eisvogel laut Roter Liste „gefährdet“. Der Gesamtbestand wird nach Angaben von Experten auf 200 bis 600 Brutpaare geschätzt. Auch im Main-Kinzig-Kreis schwankt der Brutbestand stark. Während nach mehreren milden Wintern manchmal bis zu 20 Brutpaare im Kreisgebiet und im Stadtgebiet von Hanau überleben, zählten Ornithologen nach sehr harten Wintern regelmäßig weniger als fünf Brutpaare. An der Kinzig befinden sich Eisvogel-Brutplätze am Oberlauf bei Schlüchtern bis zum Mittellauf bei Langenselbold. Alarmierend: Im Unterlauf der Kinzig werden schon seit einigen Jahren nur noch ganz selten Brutpaare beobachtet.

Um die Population des Eisvogels an der unteren Kinzig von Erlensee bis Gelnhausen langfristig zu erhalten, beginnt die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung noch in diesem Herbst mit ihrem Artenschutzprogramm. Als erste, zielführende Maßnahme soll ein Konzept zur Verbesserung der Brutplatzsituation erstellt werden, das zum Teil aus dem Umweltfonds der Fraport AG finanziert wird. Mit der Gründung des Umweltfonds hat die Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt am Main bereits 1997 den Natur- und Umweltschutz außerhalb des Flughafen-Geländes in ihr Förderprogramm aufgenommen und seitdem mehr als 850 Projekte mit knapp 35 Millionen Euro gefördert. Neben Projekten zu Klimaschutz und Klimawandel werden insbesondere der Erhalt und die Weiterentwicklung der Biodiversität in der Rhein-Main-Region unterstützt. „Wir freuen uns, die GNA bei dem regionalen Artenschutzprojekt finanziell unterstützen zu können. Die Maßnahmen zur Förderung und Erhalt der Eisvogelpopulation im Main-Kinzig-Kreis sind wichtige Projekte, die unserer regionale Artenvielfalt zugutekommen. “, betont der Leiter des Umweltmanagements der Fraport AG, Wolfgang Scholze.

Artenschutz vom Wasser aus

Nach der Erfassung bereits vorhandener Brutröhren und der Kartierung bestehender Steilwände sollen geeignete Standorte für neue Steilwände entlang der Kinzig gesucht werden. Das alles geschieht vom Kanu aus. Ein besonderer Glücksfall für die GNA: Erfahrene Kanuten unter den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern arbeiten Hand in Hand mit den hauptamtlichen Gewässerökologen und unterstützen sie so bei ihrer schwierigen Tätigkeit. Nach den Kartierungen auf und entlang der Kinzig werden für jeden geeigneten Standort spezielle Maßnahmen erarbeitet, die zunächst in einem umsetzungsreifen Katalog münden. Damit nicht genug: Vorhandene Uferabbrüche an der Kinzig sollen schon im nächsten Jahr „freigeschnitten“ werden, geeignete Steilwände sollen dort, wo es möglich ist, neu angelegt werden. „Dazu ist es nötig, Machbarkeitsprüfungen durchzuführen, die Eigentümer der angrenzenden Flächen zu ermitteln und die Zufahrt für den Bagger zu klären.“ berichtet die erste Vorsitzende der GNA, Susanne Hufmann. „Auch stellt die Optimierung oder Anlage einer Steilwand jeweils ein eigenes Projekt dar, das zukünftig finanziert werden muss.“ / pm, sps