Oberzell ist erstes Bergwinkel-Dorf, in dem Stolpersteine verlegt wurden

02. Juli 2017
Oberzell

Am Abend vor der Verlegung der sechs Stolpersteine im Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus fand eine Feierstunde im Oberzeller Bürgerhaus statt. „Oberzell kann stolz sein: Es ist das erste Dorf im Bergwinkel, in dem Stolpersteine verlegt werden“, sagte Ortsvorsteher Mike Richter.

Von Lisa-Marie Weitzel

Richter begrüßte die Gäste, allen voran diejenigen, die die Patenschaften für die sechs Stolpersteine à 120 Euro übernommen haben. Auch Erster Beigeordneter Ernst Heinbuch, in Vertretung für Bürgermeister Carsten Ullrich, beteuerte die Botschaft hinter diesem Ereignis. Die Stolpersteine stehen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sowie deren Familienschicksale und sollen für die weiteren Jahre eine Mahnung an jeden sein.

„Solche Schicksale dürfen nicht vergessen werden, damit so etwas nie wieder passiert“, meinte Heinbuch. Da es immer weniger Zeitzeugen gebe, wären die Stolpersteine das Symbol für weiterläufige Präsenz und um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Das Projekt Stolpersteine ist in Oberzell durch Hartmut Schmidt von der Initiative Stolpersteine Frankfurt ins Rollen gekommen. Bei einer Stolpersteinverlegung im Gedenken an die Familie Halberstadt im Mai in Nieder-Mockstadt, traf Schmidt dort Judith Halberstadt aus Israel. Sie bat ihn, die Stolpersteine im Gedenken an ihre Familie auch in Sinntal zu verlegen.

Oberzell ist erstes Bergwinkel-Dorf, in dem Stolpersteine verlegt wurden

Judith Halberstadt ist die Enkelin der einst in Oberzell wohnhaften Samuel und Thekla Aronsohn. Diese hatten vier Kinder: Adolf Abraham, Adele Adela, Judith sowie Frieda – Judith Halberstadts Mutter. Frieda Aronsohn floh 1939 nach England und heiratete Erwin Halberstadt, der aus Nieder-Mockstadt stammte. Von England aus floh das Ehepaar 1949 nach Israel – zusammen mit ihren drei Kindern Leonid, Gerson und Judith, die nun bei der Stolpersteinverlegung im Gedenken an ihre Großeltern, Tanten, Onkel und Mutter teilnahmen. Frieda Halberstadt starb 2005 in Israel.

Stolpersteine werden stets am letzten freigewählten Wohnort verlegt: Für die Familie Aronsohn war dies in der Sinntalstraße 34. Hier erinnern nun sechs zehn mal zehn Zentimeter große Steine mit Inschriften auf einer Messingplatte an Samuel, Thekla, Frieda, Adolf Abraham und Adele Aronsohn sowie an Judith Allmeyer (geborene Aronsohn).

Was Künstler Gunter Demnig, der „Erfinder“ der Stolpersteine, über seine Arbeit erzählte, sowie was Michael Kühlthau über die Geschichte der Oberzeller Juden berichtete und welchen Appell Reinhold Wolf von der evangelischen Kirchengemeinde Oberzell-Züntersbach formulierte, lesen Sie am Samstag in der ausführlicheren Berichterstattung zum Thema in der gedruckten Ausgabe der Kinzigtal Nachrichten sowie im E-Paper.