Pläne für neue Hausarztpraxis vor dem Aus?

22. Juni 2014
steinau

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat die Ansiedlung einer Ärztin in Steinau verhindert, obwohl die Verlegung des Vertragsarztsitzes vom Zulassungsausschuss bereits genehmigt war. Dies geht aus einer Mitteilung der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Müller und Bürgermeister Walter Strauch (SPD) hervor.

In einem Gespräch mit Bürgermeister Strauch kritisiert die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Müller die Kassenärztliche Vereinigung scharf: „In aller Regelmäßigkeit kommen Vertreter der Kommunen auf mich zu, weil es Probleme mit der KV und bei der Hausarztversorgung gibt. Wie bei der Verlegung des hausärztlichen Notdienstes von Sinntal nach Schlüchtern zeigt auch das Beispiel Steinau, dass die KV für die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung auf dem Land nicht mehr geeignet ist.“

Die Allgemeinmedizinerin Sonja Herrmann will, die bislang in der Gemeinschaftspraxis im Lebensbaum in Sterbfritz praktiziert hat, ab Januar 2015 eine Hausarztpraxis in Steinau eröffnen.

Drei Gründe für Einspruch

Wie Strauch erklärt, habe die KV als Grund für den Einspruch drei Gründe angegeben: Zum einen weise der Mittelbereich Schlüchtern (dazu gehören Schlüchtern, Sinntal und Steinau) einen Versorgungsgrad von 100,33 Prozent auf. „100 Prozent heißt für die KV, dass weder eine Unterversorgung noch eine Überversorgung von Hausärzten in der Region gegeben ist. Somit darf es laut ihnen keine Änderung geben. Die Wahrheit lautet jedoch, dass in Steinau auf 4200 Menschen ein Arzt kommt, was einem Versorgungsgrad von 40 Prozent entspricht. Das erwähnt die KV mit keiner Silbe in ihrer Begründung“, ärgert sich Strauch.

Als weitere Gründe nenne die Kassenärztliche Vereinigung, dass sich die vertragsärztliche Versorgung in Sinntal und im Mittelbereich Schlüchtern durch eine Verlegung verschlechtere.

„Eine Nachfolge in Sinntal war für die Ärztin bereits organisiert. Diesen Punkt hat die KV in der Begründung gar nicht erst aufgenommen. Zum anderen soll mir mal jemand das Wunder erklären, wie eine Verschlechterung der hausärztlichen Versorgung im Mittelbereich stattfinden soll, wenn eine Ärztin innerhalb desselben Mittelbereiches umzieht“, so Strauch.

Bettina Müller will sich nun noch einmal an die KV wenden, um vielleicht doch noch eine Verlegung des Vertragsarztsitzes zu ermöglichen. Dennoch bleibt sie bei ihrer Forderung, den Einfluss der Kassenärztlichen Vereinigung in Zukunft bei der haus- und fachärztlichen Versorgungsplanung zu beschränken.

„Die KV plant nur am Reißbrett und hat keine Ahnung von der tatsächlichen Situation vor Ort. Das beginnt doch schon bei der Einteilung der Mittelbereiche. Es gibt nicht einmal eine Aufsicht, die der KV auf die Finger schaut. Angesichts der Änderungen und Probleme, die in Zukunft auf den ländlichen Raum zukommen, brauchen wir eine kommunal angesiedelte Planungsstelle für die ärztliche Versorgung vor Ort“, so die Gesundheitspolitikerin. / sab

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