Projekt findet Anklang bei Kommunen

Rathauschefs in ÜWAG-Überlegungen für Windpark Buchonia einbezogen

28. Juni 2013
Schlüchtern/ Sinntal

50 Millionen Euro will der Fuldaer Energieversorger ÜWAG in die Hand nehmen, um auf dem Höhenzug Breite First zwischen Vollmerz und Sterbfritz einen Windpark zu errichten. Von den betroffenen Bürgermeistern wurde die Ankündigung von ÜWAG-Alleinvorstand Günter Bury positiv aufgenommen.

Die Überlegungen der ÜWAG sind nicht neu. Bereits seit Frühjahr 2012 gibt es Kontakte in dieser Angelegenheit zwischen dem Unternehmen und den Rathäusern in Schlüchtern und Sterbfritz. "Im Bereich Schlinges zeichnet sich ein Projekt ab, bei dem wir uns mit der Gemeinde Sinntal abstimmen werden", ließ sich Schlüchterns Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) bereits Ende Juli 2012 in den KN zitieren. Einzelheiten verriet er damals ebensowenig wie sein Sinntaler Kollege Carsten Ullrich (SPD) oder Holger Lenz, Geschäftsführer der Grundeigentümerin Gerhard Raupach Güterverwaltung Ramholz.

Ullrich hat in seiner Gemeinde die Mitglieder des Gemeindevorstands und den Ältestenrat der Gemeindevertretung schon vor längerer Zeit in einer nichtöffentlichen Sitzung in die Überlegungen einbezogen. Vertreter der ÜWAG stellten den Kommunalpolitikern das Projekt "in Grundzügen vor". Etwas konkreter wurde dieses offenbar dann im April 2013. "Zu diesem Zeitpunkt gab es ein allgemeines Vorgespräch. Ein Antrag liegt noch nicht vor", hieß es gestern von dem für die Genehmigung zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt.

Die Zeit wurde offenbar auch genutzt, um die für ein Genehmigungsverfahren notwendigen Gutachten in Gang zu bringen. Die Frage zum Beispiel von nistenden Vögeln oder der Vogelzug müssen in einem avifaunistischen Gutachten über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr unter die Lupe genommen werden. Zudem soll die Windhöffigkeit mit Hilfe von Lasermessungen ermittelt worden sein. "Der Wind dort soll sehr gut sein. Teilweise knapp unter sieben Metern pro Sekunde", berichtet Falko Fritzsch. Eine Stellungnahme seitens der ÜWAG zum Windpark Buchonia war gestern nicht zu bekommen. "Ich halte das Projekt für sehr sinnvoll. Auch die Abstände zu den Dörfern stellen absolut kein Problem dar", gab Fritzsch weiter zu Protokoll. Es sei eine Überlegung wert, ob sich die Stadt selbst beteiligen werde. "Das muss aber erst ganz zum Schluss entschieden werden. Es gibt ja schon eine ganze Menge Energiegenossenschaften und ähnliche Modelle."

Profitieren werde Schlüchtern – in der Gemarkung Vollmerz werden drei der zehn geplanten Anlagen errichtet – eventuell auch über den naturschutzrechtlichen Ausgleich. Der Bürgermeister denkt in diesem Zusammenhang an den Verkauf von Öko-Punkten.

Zudem sei eine städtebauliche Vereinbarung mit der Nachbargemeinde Sinntal in Arbeit. In dieser soll etwa geregelt werden, wie die Gewerbesteuer aufgeteilt wird. Die ÜWAG will laut Pressemitteilung mit dem Grundeigentümer der benötigten 350 Hektar Waldfläche zwei Gesellschaften gründen: die Buchonia Wind GmbH & Co KG sowie die Buchonia Verwaltungs GmbH. Welche Kommune den Firmensitz erhalten wird, ist laut Fritzsch noch nicht klar. Dies sei aber nicht entscheidend, da die anfallende Gewerbesteuer aufgeteilt werde.

"Im Großen und Ganzen denke ich, werden wir Einigkeit erzielen", erklärt Sinntals Rathauschef Carsten Ullrich (SPD) zu dem Vertragsentwurf. In diesem würden auch Punkte wie die Wegenutzung oder Durchleitungsrechte für Kabel geregelt. "Mit Erstaunen" habe er aus den KN von der Ankündigung des ÜWAG-Chefs erfahren. Mit dem Unternehmen, das die Gemeinde "frühzeitig darüber informiert hat, dass es dieses Projekt geben soll" wolle er nun absprechen, wie die Öffentlichkeit informiert werden soll. "Die vorgesehene Fläche ist ziemlich weit von den Ortslagen entfernt. Der Windpark kollidiert auf keinen Fall mit diesen. Würden die Windräder in Schlüchtern gebaut, sähe man sie genauso. Da macht es keinen Unterschied, wenn wir sie über die Gemarkungsgrenze holen."

Grobe Kenntnis darüber, dass in dem Waldgebiet zwischen Breiter First und Alter Burgberg ein Windpark in Planung sei, hatte auch der Vollmerzer Ortsvorsteher Bruno Friedrich. "Im Ortsbeirat haben wir nur locker darüber diskutiert. Es gab keine kritischen Stimmen. Dieser Standort stellt für Ramholz, Hinkelhof und Vollmerz mit Sicherheit keine Belästigung dar", lautet seine Einschätzung.