Mietnomaden als neue Spezies: Ex-Vermieter aus der Region packt aus

10. September 2017
Schlüchtern

Über eine unliebsame Spezies informiert Thorsten Fiedler seine Leser, wenn er über das Thema „Der Nomade im Speck“ schreibt. Hinter dieser Wortschöpfung verbirgt sich der Begriff des Mietnomaden, der so lebt, wie die sprichwörtliche Made im Speck.

Fiedler beschreibt auf amüsante Art seine Erfahrungen, die er während seiner zehn Jahre als Vermieter eines Mehrfamilienhauses in Schlüchtern gesammelt hat. Dabei sind die Erlebnisse mit jenen Mietern, die der Horror für jeden Vermieter sind, an für sich nicht zum Lachen. Ohne gehörige Portion Ironie, so sagt Fiedler, hätte er diese Zeit aber wohl nicht überstanden.

Mietnomaden als neue Spezies: Ex-Vermieter aus der Region packt aus

Kann viel berichten: Ex-Vermieter Thorsten Fiedler. / Foto: Monika Müller

Nun hat er diese Erfahrungen als Realsatire auf den Buchmarkt gebracht und freut sich über die große Nachfrage nach seinem Buch. Das Thema Mietnomaden hat offenbar einen Nerv getroffen. „Zunächst denkst du als Vermieter: Toll, meine Wohnungen sind voll belegt. Leider mit Müll, Unrat und Gerümpel, wie sich bald herausstellt. So wird aus der frisch sanierten und gestrichenen Wohnung ein 50 Quadratmeter Katzenklo“, erklärt Fiedler.

So aberwitzig die Geschichten in seinem Buch auch seien, so wahr seien sie gleichzeitig. Fiedler hat in jenen Jahren bitteres Lehrgeld als Vermieter gezahlt. Denn in diesen zehn Jahren sei es immer wieder vorgekommen, dass Mieter über einen langen Zeitraum einfach keine Miete gezahlt hätten. Er erlebte Messies, welche die frisch sanierte Wohnung vollmüllten, für Überschwemmungen sorgten, den Fußboden als Grill nutzten und überdies noch ihren Vermieter auf Schmerzensgeld und eine Haushaltshilfe verklagten.

Obwohl die Begebenheiten recht abstrus daherkommen, schwört Fiedler, dass sie der Wahrheit entsprechen. So war die Arbeit an seinem Buch eine Art Therapie für den Leiter eines kleinen Unternehmens in Friedberg gewesen. „Entweder, ich hätte mir einen Strick genommen oder ein Buch geschrieben“, sagt Fiedler rückblickend über jene harte Zeit, in der er als Vermieter keinen Cent Miete gesehen habe, stattdessen aber viel „Mietleid“ geerntet habe.

„Als Vermieter, der einen Mietnomaden beherbergt, bist du faktisch zwangsenteignet. Volles Pflichtenheft bei völliger Rechtlosigkeit. Plötzlich setzt sich dein Bekanntenkreis neu zusammen und besteht fortan aus: Gerichtsvollziehern, Polizei, Feuerwehr, Anwälten, Mitarbeitern des Amts, Schädlingsbekämpfern und vielleicht sogar dem Insolvenzverwalter“, sagt Fiedler.

Seine Mietnomaden hätten den Himmel auf Erden gehabt, nämlich schönste Wohnungen zum Nulltarif. Sein Buch sei jedoch bewusst kein Ratgeber für andere Vermieter, obwohl diese sich sicherlich sehr gut darin wiederfinden könnten. In seinem Buch schildert Fiedler, wie er bei einem Besuch in Schlüchtern mit seiner Frau auf das Kaufangebot aufmerksam wurde und in eine „Kapitalanleger-Euphorie“ verfallen sei. Sprich: Er stellte erst nach dem übereilten Kauf fest, das in das Gebäude aus den 1950er Jahren lange Zeit gar nicht investiert worden war und die Kaltmieten bei durchschnittlich 100 Euro lagen.

Hier spricht Fiedler von einer „Kapitalverbrennungsmaschinerie“, die unstoppbar in Gang gesetzt worden sei. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse hatte er sich zuvor nicht eingehende genug informiert. Mittlerweile ist Fiedler klüger und froh, das Haus wieder verkauft zu haben. Nach Schlüchtern komme er trotz dieser Erlebnisse immer wieder gern, da er hier ein Ferienhaus habe. / sab