Sinntaler Bürgermeister vorab keine „grundsätzliche Zustimmung“ zum Erdkabel

15. November 2015
Region

Statt auf Masten über der Erde soll die Stromautobahn „Suedlink“ künftig vor allem unterirdisch Windenergie von der See nach Süddeutschland transportieren. Damit ist eine wichtige Forderung von Bürgerinitiativen erfüllt. Dies ist aber kein Automatismus für eine Trassenführung durch das Kinzigtal, betonen Vertreter von Landkreis und Gemeinde Sinntal.

Im Oktober hatte das Bundeskabinett einen „allgemeinen Erdkabelvorrang für Gleichstromverbindungen“ beschlossen. Der Gesetzentwurf sieht vor, Suedlink möglichst geradlinig zwischen den Netzverknüpfungspunkten zu planen. Ob durch diese Maßgabe das Kreisgebiet überhaupt berührt wird, lässt sich seriös derzeit nicht sagen. Wegen des Vorrangs für das Erdkabel muss die Trasse auf jeden Fall komplett neu geplant werden, heißt es in einer Mitteilung des Landkreise-Bündnisses und des Netzbetreibers Tennet. In diesem Bündnis („Hamelner Erklärung“) haben sich 22 Landkreise, darunter der Main-Kinzig-Kreis, zusammengeschlossen, durch deren Gebiet die Trasse verlaufen könnte.

Tennet und das Bündnis haben sich diese Woche darauf verständigt, sich bei der Neuplanung abzustimmen. Diese „kooperative Planung“ soll zu einer höheren Akzeptanz und zur Beschleunigung der Planung beitragen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Gleichzeitig erklären die Partner, dass sie hinter dem Erdkabelvorrang stehen. Allerdings müsse nun das Gesetzgebungsverfahren schnell abgeschlossen werden. Denn Verzögerungen würden nur der Akzeptanz der neuen Regelung schaden.

„Keien grundsätzliche Zustimmung für Erdkabel“

„Unser Zusammenschluss hat die energiewirtschaftliche Notwendigkeit von Suedlink nicht in Frage gestellt“, betont Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels, Sprecher des Landkreisbündnisses. Die Planung von Korridoren müsse aber, „damit wir sie akzeptieren können, für uns nachvollziehbar sein und Mitwirkungsmöglichkeiten bieten. Wir werden uns die Neuplanungen daher sehr genau anschauen“, verkündet Bartels.

Dieser Punkt ist auch den regionalen Akteuren im Main-Kinzig-Kreis wichtig. Sowohl die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler als auch der Sinntaler Bürgermeister Carsten Ullrich (beide SPD) betonen, wie wichtig „eine frühzeitige Beteiligung in einem transparenten, ergebnisoffenen, seriösen und nachvollziehbaren Verfahren mit klar definierten Kriterien“ ist. Die „ideologisch gefärbten Werbeveranstaltungen von Tennet, wie sie im vergangenen Jahr stattgefunden haben, werden wir auch weiterhin nicht akzeptieren“, stellt Ullrich klar.

Trotz der generellen Unterstützung für das Erdkabel gibt es für den Sinntaler Bürgermeister keinen Automatismus: „Auch der Erdverkabelung in Sinntal werden wir vorab keine grundsätzliche Zustimmung geben.“ Ullrich liegt am Herzen, dass frühzeitig über die einzelnen Planungsschritte informiert wird, „und das nicht nur mit dem Landkreisbündnis, sondern vor allen Dingen mit den einzelnen Kommunen“. Die Neuplanung müsse „transparent und nachvollziehbar“ erfolgen und die Entscheidungen „einer kritischen fachlichen Überprüfung auf Faktenbasis standhalten“.

„Mehr Vorteile als Nachteile“

Vizelandrätin Susanne Simmler hält das Landkreisbündnis für einen Erfolg: Die Kooperation habe sich bewährt. Dazu zähle, dass neu geplant werden müsse und dass die Erdverkabelung Vorrang erhalte. Dies sei „ein erheblicher Fortschritt“. Die unterirdische Variante bietet laut Simmler „mehr Vorteile als Nachteile. Insofern ist es richtig, diese Technik vorrangig einzusetzen“. Für Simmler hat sich daran gezeigt, dass „sich die fachliche Auseinandersetzung“ auch lohnt.

Simmler kündigte an, dass man die weiteren Schritte genau verfolgen und darauf bestehen werde, „dass unsere Interessen angemessen berücksichtigt werden“. An Spekulationen über den Trassenverlauf will sie sich nicht beteiligen. Dieser hänge im Wesentlichen davon ab, „welche Raumwiderstände oder Schutzgüter betroffen“ seien. Der Vizelandrätin liegt am Herzen, dass sich die betroffenen Landkreise „keineswegs gegeneinander ausspielen lassen, sondern lieber gemeinsam ihre Position stärken“. / ag