Vermieterin erwürgt: Beschuldigter soll eingewiesen werden – auf unbestimmte Zeit?

16. April 2018
Hanau

Weil er Mitte Oktober seine Vermieterin an der Westbahnhofstraße erwürgt haben soll, steht ein 43-Jähriger ab dem 17. April vor dem Hanauer Landgericht. Der Fall ist deshalb spektakulär, weil die Polizei den Tatverdächtigen bereits vor der Entdeckung des Verbrechens gefasst hatte.

„Der Mann ist nach unseren bisherigen Erkenntnissen für die Allgemeinheit gefährlich“, begründet Staatsanwalt Markus Jung den Antrag vor der 1. Großen Strafkammer. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Kriminalpolizei kam es in dem Mehrfamilienhaus zu dem Streit.

„Wir gehen davon aus, dass es am 20. Oktober zwischen 18 und 22 Uhr zu einer Auseinandersetzung zwischen beiden gekommen ist“, so Jung, der erstmals auch die Beziehung zwischen Opfer und dem mutmaßlichen Täter erläuterte: Der 43-Jährige soll Mieter gewesen sein. Während des Streits soll der Mann die 65-jährige Vermieterin erwürgt haben. Anschließend habe er die Tote abgedeckt und sei aus dem Haus geflüchtet.

Nur wenige Stunden später griffen Streifenbeamte den 43-Jährigen an diesem Sonntagabend auf. Der Mann, der einen verwirrten Eindruck machte, war von Passanten am Dörnigheimer Mainufer entdeckt worden: Er saß nackt auf einer Parkbank. Auf Weisung der Justiz wurde er vorläufig in die Psychiatrie eingeliefert.

Erst am darauffolgenden Tag wurde das Verbrechen entdeckt. Die 65-Jährige, die in Frankfurt als Filialleiterin gearbeitet hatte, war am Montagmorgen von ihren Kollegen als vermisst gemeldet worden. Kurz darauf entdeckte die Polizei die Leiche in der Wohnung.

DNA-Spuren am Hals des Opfers

Im Umfeld stießen die Ermittler dann auf den Namen des mutmaßlichen Täters, der Mieter in dem Haus war. Doch die Kriminalisten fanden noch andere Indizien: DNA-Spuren am Hals des Opfers sollen von dem Beschuldigten stammen, so der Staatsanwalt. Völlig im Dunkeln bleibt unterdessen das Motiv für die grausame Tat, weil es offenbar keine Zeugen gibt.

„Der Mann hat bislang geschwiegen“, so Jung. Er verwies darauf, dass es sich in diesem Fall nicht um ein reguläres Strafverfahren handele, bei dem sonst Anklage wegen Mordes oder Totschlags erhoben worden wäre. Bei dem 43-Jährigen liege vermutlich eine „Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen“ vor, weshalb er unfähig sei, das Unrecht des Verbrechens zu erkennen.

Daher könne er nach dem Gesetz nicht bestraft werden. Allerdings gebe es in solchen Fällen harte Maßregeln, weil die Anklagebehörde den Mann weiter als gefährlich einstuft: „Wir haben daher die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt – auf unbestimmte Zeit“, so Jung.

Neben der Klärung des Falls wird in dem Verfahren am Landgericht daher vor allem die Aussage eines psychiatrischen Gutachters von entscheidender Bedeutung sein. Die Verhandlung beginnt am Dienstag, 17. April, um 9 Uhr vor der 1. Großen Strafkammer. / thb