Im Tomatenbeet vergraben: Neue Wendung – verschwanden zwei Frauen?

21. April 2017
Grebenhain/Gießen

Einen genauen Blick auf die Konten der beteiligten Personen will der Vorsitzende Richter Dr. Johannes Nink werfen. Das betrifft das Konto der toten 81-Jährigen, aber auch die Konten der 75-jährigen Angeklagten aus Grebenhain und ihrer Tochter.

Am Donnerstag ging der Berufungsprozess weiter. Die 75-Jährige soll für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Urteil aus erster Instanz will sie nicht akzeptieren, ihre Verteidigerin fordert eine Bewährungsstrafe. Die Angeklagte hatte eine 81-jährige Frau, die bei ihr zur Pflege lebte, nach deren Tod im Jahr 2005 im Garten unter Tomaten begraben.

Nicht wegen des Geldes habe sie das Ableben allen Behörden verschwiegen, sondern weil sie in Panik geraten sei, beteuerte die Angeklagte immer wieder. Warum sie aber trotzdem die Renten- und Pflegegelder der alten Frau ausgab, will der Richter während der Berufung klären.

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Um 135.000 Euro soll eine 74-Jährige drei Versicherungen geprellt haben. Die Frau aus Grebenhain hatte eine tote Freundin im Garten vergraben - und anschließend deren Rente und Pflegegeld kassiert.

„Es ist ein komplexes Verfahren“, sagt Nink und interessiert sich sehr für die Bewegungen auf dem Konto der Toten, auf das die Angeklagte Zugriff hatte, aber auch für die Konten der 75-Jährigen und ihrer Tochter. Denn diese kam in den Genuss des unrechtmäßig beschafften Geldes, da vom Konto der Toten Geld für eine Ausbildung an einer Sprachenschule in Fulda abgezweigt wurden, insgesamt mehr als 6000 Euro.


Dem Gericht geht es auch darum, den Todeszeitraum einzugrenzen. Lag er im Januar oder um Ostern herum, woran sich die Angeklagte meint erinnern zu können? Die gerichtsmedizinische Untersuchung gibt hier keine genaueren Hinweise, zu stark verwest waren die Überreste. Ein Zeuge hatte das Ableben der 81-Jährigen auf das Wochenende vor dem 24. Januar 2005 datiert.

An dieser Stelle zeigt sich die Komplexität des Falles, denn zur selben Zeit verschwand eine Frau in Grebenhain von der Bildfläche, die mit der Angeklagten in Verbindung stand. Beide arbeiteten für dieselbe Frau. Die 47-Jährige Frau, die einst in einer Nacht- und Nebel-Aktion verschwand, um ihrer offenbar tablettenabhängigen Arbeitgeberin zu entkommen, lebt mittlerweile in Holland.

Unterschlupf in der Wohnung der Angeklagten

Zur großen Überraschung erklärt sie nun, dass die Angeklagte sie nicht nur montags zum Bahnhof gebracht habe, sondern sie sogar an dem fraglichen Wochenende in der Wohnung der Angeklagten Unterschlupf gefunden habe. Ihre Arbeitgeberin sollte nichts von der „Flucht“ erfahren.

Sie habe von der Seniorin an diesem Wochenende, an dem der andere Zeuge die alte Frau zuletzt lebend gesehen haben will, weder etwas gesehen noch gehört. Die Angeklagte unterstrich, dass die alte Frau da noch gelebt habe. Es geht am 26. April weiter. / sab

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Nachdem das Amtsgericht in Alsfeld sie vor einem Jahr wegen schweren, gewerbsmäßigen Betrugs in drei Fällen für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis schicken wollte, geht es der 75-Jährigen Angeklagten aus Grebenhain in dem seit heute laufenden Berufungsprozess vor dem Landgericht in Gießen darum, eine deutlich mildere Strafe zu erhalten.