Direktkandidaten geben sich angriffslustig, aber fair: Wahlforum der Kinzigtal Nachrichten

13. September 2017
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Schlüchtern

Die Direktkandidaten für die Bundestagswahl im hiesigen Wahlkreis 175 haben sich am Montagabend, 11. September, beim KN-Wahlforum in der Schlüchterner Stadthalle den Fragen unserer Zeitung gestellt und miteinander diskutiert. Somit gewährten sie den knapp 300 Gästen einen Eindruck davon, wer denn da in knapp zwei Wochen eigentlich zur Wahl steht.

Von Sabine Schuchardt und Daniel Krenzer

Bettina Müller (SPD), Matthias Zach (Grüne), Ulrich Majunke (Freie Wähler), Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP, Direktkandidat im Wahlkreis Hanau, in Vertretung des erkrankten Pierre Kurth), Dr. Peter Tauber (CDU), Dirk Methfessel (Linke) und Mariana Harder-Kühnel (AfD) stellten sich sowohl den Fragen der KN-Redakteure als auch den Fragen der Gäste.

Schon die Eröffnungsfrage der von KN-Redaktionsleiter Alexander Gies und KN-Redakteur Hanns Szczepanek moderierten Runde nutzte Bettina Müller von der SPD, um die AfD und deren anwesende Kandidatin Mariana Harder-Kühnel zu attackieren. Ob Müller sich angesichts gesunkener Umfragewerte ihrer Partei persönlich um den Wiedereinzug in den Bundestag sorge, beantwortete sie angriffslustig: „Ich komme gar nicht dazu, mich darum zu sorgen. Es gibt derzeit wichtigere Dinge, und zwar gemeinsam Überzeugungsarbeit zu leisten und zu verhindern, dass Rechtspopulisten in den Bundestag einziehen“, sagte sie – und bezeichnete die AfD als „NPD im Schafspelz“.

Harder-Kühnel verteidigte Äußerungen wie die vom AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland („Frau Özoguz entsorgen“), denn die Integrationsbeauftragte habe Deutsche als Kulturlose hingestellt. „Im Wahlkampf sind auch einmal härtere Äußerungen erlaubt“, stellte die hessische Spitzenkandidatin ihrer Partei fest.

Es entspann sich eine längere Diskussion unter den Teilnehmern der Podiumsdiskussion, bis sowohl Matthias Zach (Grüne), Ulrich Majunke (Freie Wähler) und Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP) in ähnlichen Worten feststellten, dass Gaulands Äußerung zwar unschön gewesen sei, es aber weitaus wichtigere Themen als dieses zu besprechen gäbe. Und um diese Themen ging es dann nach dem etwas hektischen Start mit Zwischenrufen aus dem Publikum auch umso umfangreicher.

Dr. Peter Tauber (CDU) betonte, dass er zwar gerne Generalsekretär seiner Partei sei und das aus Sicht von Kanzlerin Merkel „wohl auch ganz gut“ meistere, er aber noch mehr Spaß daran habe, sich für seine Heimat als Direktkandidat einzusetzen. Diese Arbeit sei nachhaltiger als so manche Streitereien auf Bundesebene, die kurz darauf wieder vergessen seien.

Majunke, selbst als Dachdecker tätig, stellte bei der Frage nach dem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel im Handwerk fest, dass dabei auch der „hochgeschraubte Akademisierungsgrad“ ein Problem sei. Er sei dafür, dass nicht nur der Meister als Qualifikationsmerkmal gelten solle, sondern noch mehr, wie gut jemand eigentlich seine Arbeit macht. „In Bayern werden Studienabbrecher dazu ermutigt, im Handwerk zu arbeiten. So etwas wünsche ich mir auch bundesweit“, sagte er.

Müller, Tauber und Zach sprachen sich allerdings dafür aus, den Meistertitel noch mehr aufzuwerten: „Wir wollen die Meisterpflicht selbst da wieder einführen, wo er abgeschafft wurde“, sagte Tauber, was Harder-Kühnel für die Nachfrage nutzte, warum er denn überhaupt erst abgeschafft worden sei: „Habt ihr da in der Regierung geschlafen?“, wollte sie von ihrem ehemaligen Mitschüler Tauber wissen.

Was die Direktkandidaten zum regionalen Engagement, der neuen Bahntrasse und der Asylpolitik sagen sowie das Ergebnis der nicht repräsentativen Probeabstimmung zur Bundestagswahl lesen Sie in der Dienstagausgabe der Kinzigtal Nachrichten sowie im E-Paper.