Wechselt Kurdirektor Stefan Ziegler nach Bad Orb?

19. Mai 2017
Bad Soden-Salmünster

„Ich werde definitiv kein Kurdirektor in Bad Orb.“ Mit diesem klaren Dementi reagiert Stefan Ziegler, Kurdirektor von Bad Soden-Salmünster, gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung auf eine entsprechende Pressemitteilung der CDU der Kurstadt.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Am Morgen um 8.10 Uhr trudelte in den E-Mail-Postfächern der regionalen Medien eine kleine Bombe ein. Johannes Wiegelmann, Stadtverbandsvorsitzender der CDU Bad Soden-Salmünster, fragt in der Presseerklärung seiner Partei ohne Umschweife: „Warum hat sich Stefan Ziegler um das Amt des Kurdirektors in Bad Orb beworben? Die CDU Bad Soden-Salmünster fordert von ihm – vor dem Hintergrund der Wettbewerbssituation zwischen den beiden Kurstädten – Aufklärung. Die aktuell schwierige Situation des Kurbetriebs erfordert bedingungslose Loyalität und bedingungslosen Einsatz des Geschäftsführers und erlaubt keine Interessenskonflikte.“

Eine Bestätigung für die Behauptung der CDU ist zunächst nicht zu erhalten. Johannes Weigelmann erklärt, die Information sei „hieb- und stichfest“. Unter anderem sei Ziegler dabei gesehen worden, wie er ins Rathaus Bad Orb gegangen sei. Auch gebe es übereinstimmende Meldungen aus verschiedenen Quellen, so Wiegelmann. Diese will er allerdings nicht offenlegen.

Der Angesprochene selbst will sich auf die Frage, ob er sich in Bad Orb um die Nachfolge von Dr. Jörg Steinhardt beworben habe, nicht äußern: „Dazu gebe ich keine Stellungnahme ab“, erklärt er. Erst am frühen Abend gelingt es, eine unabhängige dritte Quelle zu finden, welche gegenüber den KN die Bewerbung Zieglers im Nachbarort bestätigt. Dort läuft der Vertrag des amtierenden Kurdirektors am 30. November aus. 21 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet waren auf die Stellenausschreibung eingegangen. Mit fünf Bewerbern wurden Gespräche geführt, erklärte Bürgermeister Roland Weiß am Donnerstag. Am Dienstag, 23. Mai, will der Aufsichtsrat der Bad Orb GmbH eine Entscheidung treffen, so Weiß.

Im Gespräch mit den KN erklärt Ziegler, er hege keinen Wechselwunsch und bleibe Kurdirektor in Bad Soden-Salmünster. Er will seine ganze Schaffenskraft in den Kurbetrieb und die Spessart-Therme stecken. „Ich werde definitiv kein Kurdirektor in Bad Orb“, betont er. Er stehe zu seinem Heimatort, der ihm schon früher in seiner ehrenamtlichen, aber jetzt auch in seiner hauptamtlichen Zeit sehr am Herzen liege. Bürgermeister Lothar Büttner war gestern Nachmittag für eine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung nicht mehr zu erreichen.

SPD-Fraktionschef Dr. Frank Kleespies sagte in einer ersten Reaktion, falls die Information stimme, „dann hat sich Herr Ziegler eben mal woanders beworben. Das ist nichts Schlimmes. Das habe ich auch schon mal gemacht und bin dann geblieben“. Es sei okay, mal seinen eigenen Marktwert zu testen. „Es bedeutet ja nicht, dass man nicht bleiben will“, warb Kleespies um Verständnis.

Stefan Ziegler hatte seinen Posten in Bad Soden-Salmünster zum 1. Juli 2015, also vor knapp zwei Jahren angetreten. Er folgte seinerzeit auf Marketingchef Dietmar Broj, der in den Ruhestand ging. Der Entscheidung für Ziegler waren politische Auseinandersetzungen um den gebürtigen Kurstädter und früheren stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion und Vorsitzenden des Haupt- und Finanzausschusses vorangegangen.

SPD-Fraktionschef Dr. Frank Kleespies freute sich damals „sehr“ auf die künftige Zusammenarbeit mit Ziegler. Ähnlich äußerte sich GWL-Chef Hans-Georg Schießer. Die CDU hingegen formulierte Bedenken. Der damalige Fraktionschef Andreas Sobrino befürchtete „einen gewissen Interessenkonflikt“, wenn ein Kandidat für den Kreistag und Vorstandsmitglied der örtlichen SPD eine solche Stellung antrete. Man müsse sich nicht wundern, wenn der Verdacht der Vetternwirtschaft aufkomme, so Sobrino.