Windkraft-Forum: Bürger befürchten das Ende der Kulturlandschaft

Diskussionen um Paragraph 35 des Baugesetzbuchs bei Windkraft-Forum in der Stadthalle

17. September 2013
Schlüchtern

Dass das Thema Windenergie viel Diskussionsstoff bereit hält, war sicherlich jedem Forum-Besucher schon vor dem Gang in die Schlüchterner Stadthalle klar. Dort wurden die wichtigsten Punkte, an die sich Stadt, Betreiber und Grundbesitzer halten müssen, ausgiebig erörtert.

"Wenn ich gegen Atomkraft bin, kann ich mich der Windkraft nicht verwehren", erklärte eine Bürgerin aus Hinkelhof. Jedoch stand sie mit ihrer Meinung an diesem Abend relativ alleine da. Der größte Teil der Zuhörer waren Gegner, des geplanten Windparks "Buchonia", der auf der Breiten First oberhalb von Ramholz entstehen soll.

Diplom-Ingenieur Frank Geisler und seine Kollegin Diplom-Geologin Carmen Thannberger-Wittenberg berichteten über ihre Arbeiten als Städte- und Landschaftsplaner für die Stadt Schlüchtern. Hierbei zeigten sie in chronologischer Folge auf, was unternommen wurde, um einen Teilflächen-Nutzungsplan auf den Weg zu bringen. Hiernach seien 13 Bereiche als mögliche Windkraftflächen auserkoren worden, unter anderem auch die Breite First und die bestehenden Anlagen zwischen Wallroth und Breitenbach sowie oberhalb von Elm auf dem Breite Feld, bei denen ein Repowering möglich wäre. "Das heißt natürlich nicht, dass da auch überall gebaut wird. Es handelt sich um Flächen, die den übergeordneten Planungsvorgaben entsprechen", erklärte Geisler. So müssten die Vorranggebiete eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 5,75 Metern pro Sekunde in einer Höhe von 140 Metern aufweisen. Dies sei bei den beschriebenen Flächen, für die vom TÜV-Süd ein Gutachten erstellt wurde, der Fall. Auch müsse der Siedlungsabstand von 1000 Metern und der Abstand zu Autobahnen (150 Meter) und zu Hochspannungsleitungen (100 Meter) eingehalten werden.

Die Tatsache, dass der Siedlungsabstand nur einen Kilometer betragen soll, erregte die Gemüter. "Das ist die Entfernung zur Fläche und nicht zur Windenergieanlage", beruhigte Geisler. Auch zur Lärmbelästigung konnte er besänftigende Worte finden: "Natürlich sind die technisch hochwertigen neuen Anlagen um einiges höher als die alten. Dennoch laufen sie nicht lauter."

Immer wieder angesprochen wurde der Paragraph 35 des Baugesetzbuchs. Viele der Bürger, die sich zu Wort meldeten, befürchten das Ende der Kulturlandschaft, wenn auf der Breiten First zehn 200 Meter hohe Windräder stehen würden. Sie forderten Stadt, Synergie als Betreiber und auch Grundbesitzer Gerhard Raupach zum Handeln auf. Fritzsch: "Uns sind die Hände gebunden, da wir weder Betreiber noch Grundbesitzer sind." Außerdem würden von den geplanten zehn Anlagen sieben in Sinntal stehen.

Wolfgang Ruch von Synenergie erklärte, dass seine Firma am Bauvorhaben festhalten werde.