Windkraftpläne von Burgherr stoßen auf große Skepsis

12. Juli 2015
Schlüchtern

Um die jährlichen Unterhaltungskosten für Burg Brandenstein wenigstens zu einem Teil decken zu können, erwägt Burgherr Constantin von Brandenstein-Zeppelin, den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen in seinen Wäldern zu erlauben. Der Ortsbeirat sowie einige Bürger äußerten sich skeptisch gegenüber den Plänen des 61-Jährigen.

Als Standort kommt eine etwa 15 Hektar große Fläche nördlich der Burg im Zentrum des Kohlwaldes in Frage. Diese ist unter alteingesessenen Elmer Bürgern auch als Funkerküppel bekannt. Das Areal gehört teilweise von Brandenstein und der Stadt Schlüchtern und bietet Platz für maximal drei Windräder.

Dem Standort sei vom Land Hessen grundsätzlich ein guter Windertrag bescheinigt worden, so von Brandenstein. Der Burgherr betont, dass „derzeit noch nichts entschieden und nichts unterschrieben“ sei. Der Burg-Eigentümer denkt auch an „einen Ausgleich für die Dorfgemeinschaft von Elm“. Konkret schwebt ihm eine Stiftung vor, die aus einem Teil der Windkrafterlöse gespeist wird und gemeinnützige Zwecke in dem Schlüchterner Stadtteil unterstützt.

Am Freitagabend stellte der Burgherr das angestrebte Verfahren dem Ortsbeirat vor. Geplant seien derzeit drei Anlagen mit einer Nabenhöhe von 137 Metern, einem Rotordurchmesser von 126 Metern und einer Leistung von jeweils drei Megawatt. Pro Anlage würden etwa 6000 bis 8000 Quadratmeter Kranfläche benötigt.

Um die Pläne überhaupt realisieren zu können, seien jedoch mindestens drei Gutachten in verschiedenen Bereichen vonnöten, welche alle positiv ausfallen müssten, um den Bau zu genehmigen. „Ich schätze die Realisierungswahrscheinlichkeit aktuell auf unter 50 Prozent“, sagte der 61-Jährige.

Die nötigen Rodungen sieht der Burg-Besitzer gelassen: „Was gerodet wird, muss auch mindestens wieder aufgeforstet werden.“ Zudem sei gewährleistet, dass bei Entfernung der Windräder nach Ablauf des Vertrages sämtliche Spuren beseitigt würden. Der Ortsbeirat entgegnete, dass dies Zeit bräuchte und die ursprüngliche Landschaft unwiderbringlich vernichtet sei.

„Das wäre ein gewaltiger Einschnitt in den Busen der Natur. Meine Begeisterung hält sich sehr in Grenzen“, äußerte sich Ortsvorsteherin Inge Vey. Neben der optischen Verunstaltung befürchtet der Ortsbeirat Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt: Die Kranflächen um die Anlagen dürften nicht wieder zuwachsen, damit man jederzeit Reparaturen durchführen könne. Die Rotoren würden die Flugbahn der Zugvögel beeinflussen.

Das Hauptproblem sieht die Ortsvorsteherin bei der Lärmbelastung. „Wenn beim Erstellen der Gutachten die Grenzwerte überschritten werden, ist das das Todesurteil für dieses Projekt“, entgegnete der Burg-Besitzer. „Der Ortsbeirat ist nicht entscheidungsbefugt, wir werden uns diese Sache aber durch den Kopf gehen lassen“, resümierte Vey und bat den Burg-Eigentümer, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken.

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