Das CDU-Wahlprogramm in 30 Minuten: Angela Merkel spricht in Gelnhausen vor 3000 Menschen

15. August 2017
Gelnhausen

Bis zur Bundestagswahl sind es ab dem heutigen Dienstag noch 40 Tage. Die heiße Phase läutete die Bundekanzlerin auf dem Gelnhausener Obermarkt ein und gab ihrem Generalsekretär Dr. Peter Tauber zugleich Schützenhilfe in seinem Wahlkreis. Doch auf ungeteilte Gegenliebe stieß der Auftritt der Spitzen-Christdemokraten nicht.

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Ungermann

Beinahe pünktlich kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Obermarkt in Gelnhausen. 3000 Menschen haben sich nach CDU-Angaben dort versammelt. Die Wahlkampf-Band „Victory 17“ hatte bis dahin versucht die Stimmung auf dem Platz anzuheizen. Trotz allen Jubels für die Kanzlerin: Party-Stimmung – wie wohl gewünscht – geht anders. Immerhin sind etliche Transparente zu sehen mit Aufschriften wie „Angela Merkel“ „Herzlich Willkommen in Gelnhausen, Frau Bundeskanzlerin“ oder mit dem Titel des Wahlprogramms „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“.

Letzteres scheinen Gegendemonstranten mit der CDU nicht in Einklang bringen zu wollen. Vor allem blaue Plakate fordern „solide Finanzen“, „Realisten wählen AfD“ und ähnliches, dazwischen auf Pappdeckel geschrieben: „Merkel muss weg“ oder „Grenzen zu statt CDU/CSU“. Schon als Angela Merkel den Obermarkt betritt und sich in das goldene Buch der Stadt einträgt, gellen Pfiffe aus der Ecke am Brunnen auf dem Obermarkt, wo sich das AfD-Grüppchen – mittendrin Kreissprecher Wolfram Maaß und die hessische Spitzenkandidatin und Mitglied im Kreisausschuss, Mariana Harder-Kühnel – auf ein paar Quadratmetern zusammengedrängt hat.

„Je lauter manche pfeifen, desto mehr weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat“, sagt Tauber anschließend. Dann tritt zunächst Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ans Rednerpult und betont, die Hessen-CDU wolle einen wichtigen Beitrag für den Wahlsieg in Berlin leisten. Schließlich habe die Union das Land in den vergangenen zwölf Jahren hervorragend vorangebracht. In einer Zeit, in der in Europa und der Welt vieles durcheinander geraten sei, sei Deutschland stark geblieben, betont der Landesvater.

Aus der AfD-Ecke ertönt inzwischen „Lüge“-, „Pfui“- und „Hau ab“-Geschrei. Unbeirrt davon arbeitet Merkel das Wahlprogramm in einer halben Stunde – um 19 Uhr muss sie bereits wieder in Siegen sein – Punkt für Punkt ab. Sie erklärt, dass die deutschen Autobauer Fehler im Dieselskandal gemacht hätten, die aufgearbeitet werden müssten. Gutgläubige Autofahrer dürften nicht mit Fahrverboten bestraft werden. Sie sichert zu, die CDU wolle sich um Arbeitsplätze und Arbeitnehmer sowie eine starke Wirtschaft sorgen, damit die Marktwirtschaft und das Land weiter sozial bleiben könnten. Das Versprechen, die Familien zu unterstützen lässt sie ebenso wenig aus wie eine Verteidigung verschiedener Lebenspartnerschaftsmodelle oder die Zusicherung in Forschung und Bildung investieren zu wollen.

Für den ländlichen Raum würden sich die Christdemokraten ebenso einsetzen wie für die Zentren, denn eine gute Landwirtschaft und gute Lebensmittel seien von großer Bedeutung. Und immer wieder ermuntert sie ihre Zuhörer: „Reden Sie, diskutieren Sie.“

Mit der Kanzlerin diskutieren will die AfD wohl immer noch nicht. Die Schmährufe verhallen nicht. Die zahlreichen Windkraftkritiker immerhin werden leiser, als Merkel sich an sie wendet. „Wir müssen die Energiegewinnung auf eine zukunftsfähige Grundlage stellen, und dazu gehören die erneuerbaren Energien“, betont Merkel. Menschen sowie deren Interessen und zukunftsfähige Energiepolitik müssten vernünftig zusammengebracht werden. Die Argumentation dürfte die Windkraftkritiker aber wenig überzeugt haben. Merkel plädierte außerdem für eine starke Innere Sicherheit, für die die Politik alles menschenmögliche tun müsse. Die CDU schaffe dafür die notwendigen Grundlagen – in CDU-regierten Ländern seien diese jetzt schon besser als anderswo. Aber das wird erneut mit „Lügen-Rufen“ beschieden wie auch die Aussage, bei der Abschiebepolitik sei noch nachzubessern.

Und während die CDU-Anhänger die Nationalhymne singen und Merkel mit Applaus verabschieden, gellen aus der Ecke am Obermarkt die Pfiffe und Schmährufe weiter.