Prozess um getötetes Maintaler Ehepaar: Nebenklage will mehr Zeugen

06. November 2017
Maintal

Der Fall eines in Maintal getöteten und unter einem Misthaufen verscharrten Ehepaares wird vor Gericht neu aufgerollt. Es könnte wieder ein langer Prozess werden.

Der Revisionsprozess um ein in Maintal getötetes Ehepaar könnte sich wieder zu einem Mammutverfahren ausweiten. Geplant ist bislang in der Neuauflage des Prozesses, mit neun Terminen bis Mitte Dezember zum Ende zu kommen. Die Nebenklage – die Familie des getöteten Paares – verlangte am Montag allerdings, über ein Dutzend weitere Zeugen zu vernehmen. Die 2. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Susanne Wetzel muss darüber entscheiden.

Zum erneuten Prozess kam es, weil der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe die Freisprüche gegen die Angeklagten – einen Mann und seinen Sohn – im Februar aufgehoben hatte. Im ersten Prozess hatten die heute 63 und 33 Jahre alten Männer zugegeben, ihre Vermieter im Juni 2014 im Streit um Geld getötet zu haben. Sie beriefen sich auf Notwehr. Das Landgericht hatte Vater und Sohn deshalb im August 2015 freigesprochen. Der BGH hob das Urteil jedoch wegen Lücken, Ungenauigkeiten und missverständlichen Formulierungen auf.

Zum Prozessauftakt am Montag wurde unter anderem die Entscheidung des BGH vorgetragen. Danach verlas ein Verteidiger eine Einlassung des jüngeren Angeklagten. Er hatte in der Haft 400 Seiten über den Fall verfasst.

Getötetes Ehepaar in Maintal: Richter sprechen Vater und Sohn frei

Im Zweifel für den Angeklagten. Mit dieser Begründung sind zwei Männer in Hanau freigesprochen worden. Sie hatten ihre Vermieter getötet, beriefen sich aber letztlich erfolgreich auf Notwehr.

Vorgeworfen wird den Angeklagten, am Mittag des 6. Juni 2014 auf einem früheren Reiterhof in Maintal – der „Main River Ranch“ – das Ehepaar getötet zu haben. Die beiden Angeklagten sollen Untermieter eines Wohngebäudes auf dem von dem später getöteten Ehepaar gepachteten Areal gewesen und wegen rückständiger Mietzahlungen aufgesucht worden sein.

Im Verlauf einer Auseinandersetzung soll der 33-Jährige dem Mann ein Messer entrissen haben und ihn getötet haben – mit mindestens 17 Stichen in Bauch und Rücken. Dann sei der Vater hinzugekommen. Um die Überführung seines Sohnes durch die Ehefrau des Getöteten, die Augenzeugin des Kampfes geworden war, zu verhindern, soll der Angeklagte die mit einem Beil bewaffnete Frau mit einer Pistole erschossen haben. Um Spuren zu verwischen, sollen die Angeklagten das getötete Ehepaar laut Staatsanwaltschaft unter einem Misthaufen auf dem Gelände vergraben haben.

Bei dem Prozess muss nun unter anderem die Frage geklärt werden, ob es sich bei den Schüssen um erweiterte Notwehr handelte oder ob – wie es die Staatsanwaltschaft sieht – eine Zeugin beseitigt werden sollte. Fraglich ist auch, wem das Messer gehörte, mit dem der Mann den 33-Jährigen attackiert haben soll.

Angeklagte schweigen zunächst im Prozess um getötete Vermieter

Monatelang hielt das Verbrechen die Ermittler in Atem. Ein Mann und sein Sohn sollen in Maintal ihre Vermieter umgebracht haben. Laut Anklage versteckten sie die Leichen unter einem Misthaufen und führten so selbst Spürhunde in die Irre. Nun stehen sie vor Gericht.