Bürgerschaftspreis: Karl-Heinz Jenisch zwischen Gemeindewerkstatt und Krankentransporten

13. Mai 2017
Schlitz

Was Karl-Heinz Jenisch mit Indien verbindet? Eigentlich nichts. Außer: Eine indische Weisheit, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint: „Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück.“ Mitlächeln, ist in der Tat die einzige Wahl, die man hat, wenn man ihm begegnet.

Von unserem Redaktionsmitglied Julia Santivañez

Und um Kinderlachen, Freude und sorglose Momente geht es auch bei seinem Ehrenamt in der Gemeindewerkstatt in Schlitz. „Ich bin schon ein alter Mann.“ Ein kurzer Satz, nichts weiter. Einer, der nicht sofort für Lachfalten sorgt. Normalerweise, außer: Er stammt von Karl-Heinz Jenisch und wird recht häufig wiederholt.

Doch ändert auch das Wiederholen nichts daran, dass man ihm die Botschaft des Satzes einfach nicht abnehmen kann. Zu unbeschwert ist seine Art, zu bubenhaft sein Lachen, zu fidel sein Gang. In dem 66-Jährigen bereits nach der herzlichen Begrüßung eine Frohnatur zu erkennen, ob das wohl zu voreilig ist?

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Bürgerschaftspreis 2017: Das sind die 20 Kandidaten

Im März hatten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufgerufen, uns Menschen zu nennen, die Ihnen schier unverzichtbar erscheinen. „Wenn wir DICH nicht hätten...“, wie oft sagt man das laut oder auch nur in Gedanken, wenn man die Arbeit sieht, die so manche Helfer ehrenamtlich und gern leisten.

„Ganz ehrlich. Eigentlich ist heute nicht so mein Tag“, erwähnt der gebürtige Rimbacher eher beiläufig. Ohne Frage: Wenn der Hund eingeschläfert werden muss und der Keller des Elternhauses voll Wasser steht, klingt das nicht nach einem guten Tag. Aber Verlässlichkeit sei ihm sehr wichtig, sagt Jenisch.

So überrascht es nicht, dass der Vater zweier erwachsener Kinder und zweifache Opa auch an solch einem Tag pünktlich am Treffpunkt erscheint – der Gemeindewerkstatt der Evangelischen Kirchengemeinde Schlitz. „Es geht ja um das, was mir so nah am Herzen liegt.“ Und das sind Kinder. Genauer darum, „Kindern hiermit ein Strahlen ins Gesicht zu zaubern. Es gibt nichts Erfüllenderes“.

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Bürgerschaftspreis: Arnold Will - ein Ortsvorsteher gibt alles für sein Dorf

Arnold Will ist das Gesicht von Silges. Als Ortsvorsteher des kleinen Nüsttaler Ortsteils ist er so engagiert, dass er schon etliche Male in der Zeitung und manchmal sogar im Fernsehen zu sehen war. Das freut ihn, er zeigt sich aber bescheiden.

„Hiermit“: Hinter diesem Wort steckt viel – viel Schweiß, viel Spaß, viele Sägespäne und mit Kleber verschmierte Kinderfinger. „Vom Kanu, mit dem wir den Pfordter See überquert haben, bis hin zum Solarauto aus Holz, wir machen tolle Sachen,“ sprudelt es regelrecht aus ihm heraus. „Wissen Sie, ich bin ja schon ein alter Mann, aber wir Jungs und Mädels werkeln hier auf Augenhöhe.“

Werkeln, Besonderes erschaffen und „Gegenstände völlig zweckentfremden, das ist ganz meins.“ Kreativ sein, also das, was er den Kindern näher bringen will, ebenfalls. Um diese These zu belegen, muss man nicht lange nach Beispielen suchen: Jenisch gilt als „Vater der Schlitzer Kerze“. Die Idee, den Hinterturm zur Adventszeit rot einzuhüllen, stammte von ihm. „Nicht reden, machen“, ist seine Devise. So erschuf er ein Wahrzeichen, das man seitdem auch weit außerhalb der Stadtmauer mit der Vogelsberggemeinde verbindet.

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Bürgerschaftspreis: Christine Blumöhr - immer da für die „Enkelschar“

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer Wuselig geht es in der Küche der 53-Jährigen zu. Mit fünf Kindern der beiden befreundeten syrischen Flüchtlingsfamilien backt Christine Blumöhr Muffins. Eigentlich lässt sie eher backen, denn jedes der Kinder will seinen Teil beitragen, mit Feuereifer sind alle bei der Sache.

„Mutig sein, nicht zu viel Angst haben“, das sind seine Schlagworte, das ist seine Botschaft. Eine, die er anderen mitgeben möchte. Und: eine, die zieht – anzieht. Seit fünf Jahren kommen jeden Samstag bis zu 25 Kinder zu ihm in die ehemalige Druckerei Gundrum. „Wissen Sie, wie man eine Rakete aus Cola-Flaschen baut?“

Sein strahlendes Gesicht, während er auf die Antwort wartet, verrät viel. Und sein Enthusiasmus, als er es endlich erklären darf, noch mehr. Eine Cola-Flasche, ein Autoventil, einen Gardena-Anschluss, mehr nicht. Er demonstriert und betont: „Alles ohne Handy.“ Eine bunte Mischung verschiedener Teile, verrückt und unterhaltsam ist so ein Raketenbau. Eben so, wie Jenisch selbst.

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Gesucht: Kandidaten für den Bürgerschaftspreis 2017

„Wenn wir DICH nicht hätten...“: Wie oft haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, das schon mal gedacht - über jemanden, der Ihnen und anderen den Alltag oft leichter macht? Für solche Menschen lobt unsere Zeitung zum dritten Mal den Bürgerschaftspreis aus. Insgesamt werden 4200 Euro vergeben.

Seine soziale Ader lebt er auch im „Wir in Schlitz“-Nachbarschaftsverein aus, wenn er bedürftige Personen mal zum Arzt, mal zum Einkauf fährt. Nächstenliebe ist ihm wichtig. „Seit Jahren vermiete ich eine Wohnung an Menschen, die den Anschluss an die Gesellschaft verloren haben. Oft reicht ein wenig Starthilfe, um das Lebensrad wieder anzukurbeln“, erklärt er am Beispiel eines obdachlosen Paares, dem er die Wohnung zur Verfügung stellte. Beide konnten daraufhin wieder einen Job finden.

Warum er all das tut, ist eine Frage, die er sich nicht stellt. Dennoch darauf angesprochen, antwortet er: „Ich bin dankbar für alles Gute in meinem Leben. Ich möchte das teilen.“ Seine Glücksformel: Freude und eine tolle Frau. „Ich habe beides.“ Die Verabschiedung bestätigt: Karl-Heinz Jenisch ist ein Mensch, der andere Menschen liebt. „Ich würde Sie gerne zu Pfingsten zum Gartenfest meiner Familie einladen, aber da ist Trachtenfest – und ich bin ehrenamtlich eingespannt.“

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Bürgerschaftspreis: Winfried Schön hütet die Geschichte seines Heimatdorfs

Bei sämtlichen Veranstaltungen in Mackenzell ist Winfried Schön (75) dabei: mit seiner Frau Laurentia - „seiner rechten Hand“, wie er die 71-Jährige nennt - und immer ausgerüstet mit einer Kamera. Der dreifache Familienvater und fünffache Opa besitzt mehr als 80.000 Fotos und 1500 Stunden Videomaterial.