Für drei Personen kam jede Hilfe zu spät: Feuerwehr Lauterbach zu 130 Einsätzen alarmiert

06. Mai 2017
Maar

Zu 130 Einsätzen musste die Feuerwehr der Kreisstadt Lauterbach im Vorjahr ausrücken. Am Freitagabend ließen die Brandschützer im Dorfgemeinschaftshaus von Maar das vergangene Jahr Revue passieren.

Hans-Jürgen Schütz sowie weitere Funktionäre stellten ihre Jahresberichte vor, dabei wurde das ehrenamtliche Engagement in Form von 11.448 Stunden deutlich. „Das Feuerwehrwesen ist in Lauterbach intakt und leistungsfähig“, machte der Stadtbrandinspektor deutlich.

Wie Schütz informierte, wurden die 245 Feuerwehrleute bei 69 Bränden und 52 Hilfeleistungen angefordert. Hinzu kamen fünf Brandsicherheitsdienste und vier Brandschutzerziehungen. So rückten der Löschzug Mitte 121-mal, der Löschzug Nord viermal, der Löschzug Süd 13-mal, der Löschzug Ost 15-mal und der Löschzug West viermal aus.

Zu überörtlichen Einsätzen musste man siebenmal nach Grebenhain, Herbstein und Schlitz ausrücken. Sieben Menschen konnten im Vorjahr durch die Feuerwehr gerettet werden, für Drei kam jede Hilfe zu spät. Insgesamt befand man sich 2215 Stunden im Einsatz.

„Trotz guter Ausbildung und sehr gutem Einsatzgerät wurde bei verschiedenen Einsätzen Einiges von uns abverlangt“, sagte Schütz. Er hob besonders den Großbrand bei einem Verpackungshersteller in Herbstein hervor: „Ein Brand der in dieser Art einmalig im Vogelsbergkreis war“.

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Beim Brand einer Lagerhalle und eines Bürogebäudes in Herbstein ist in der Nacht zum Freitag einen geschätzter Schaden im zweistelligen Millionenbereich entstanden. Die Flammen griffen von gelagertem Kunststoff auf die Halle des Herstellers ALX im Vogelsbergkreis über, wie die Polizei mitteilte.

Der Stadtbrandinspektor schilderte die Aufgaben der Lauterbacher Kräfte vor Ort, insbesondere bei der Wasserversorgung. „Die Feuerwehr Herbstein war mit diesem Einsatz in dieser Größenordnung sichtlich überfordert, so einen Großbrand hatten sie noch nie“, sagte Schütz. Er betonte, dass dies kein Vorwurf an die Einsatzleitung in Herbstein ist: „Die Einsatzleitung hat trotz allem mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eine gute Arbeit gemacht“.

Kritisch sah Schütz jedoch die Zusammenarbeit der Führungskräfte, aus seiner Sicht hätte man gemeinsam den Ausgang des Brandes anders gestalten können. „Eine Nachbesprechung zu diesem Einsatz hat es nie gegeben, viel schlimmer noch, man redet diesen Einsatz schön“, sagte Schütz.

Er blickte auch auf die Brandstiftung in einem Lauterbacher Sportheim zurück, bei dem es Tote hätte geben können. Wie er schilderte, befanden sich in dem Gebäude geöffnete Gasflaschen. „Unser aller Glück war, dass sich der Rauch der Brandstiftung schneller als das Gas ausgebreitet hat“, so Schütz.

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Im Bereich der Technik und Ausstattung der Feuerwehr informierte Schütz über einige Neuerungen. So wurden in der Fahrzeughalle des Stützpunktes kabellose Router installiert, um Softwareupdates an den insgesamt 116 Funkgeräten durchzuführen.

Neu hergerichtet wurden unter anderem der Funkraum und die Umkleide der Hauptfeuerwache, in der auch neue Einsatzleittechnik installiert wurde. So werden bei einer Alarmierung die Einsatzdaten über ein Computerprogramm an einen Bildschirm in der Umkleide gesendet. Dort werden dann die benötigten Einsatzmittel, Rettungspunkte und Hydranten angezeigt.

„Wir brauchen alles an Technik, was uns die Arbeit erleichtert“, erklärte Schütz dazu. Wie er schilderte, werde das Personal weniger und die Aufgaben wachsen stetig. „Wir wollen diese Feuerwehr auch zukünftig ehrenamtlich betreiben, dies geht aber nur mit Einsatz von Technik, welche uns Arbeit abnimmt“, so der Stadtbrandinspektor.

Bei den Löschzügen Süd, Nord, Ost und West berichtete er ebenfalls von Investitionen, größtenteils in Eigenleistung. An neuem Gerät zählte Schütz einen Abrollbehälter mit Notstromaggregat im Wert von 60.000 Euro und einen Abrollbehälter zum Wassertransport im Wert von 15.000 Euro auf. Künftig will man noch einen Abrollbehälter mit rund 2.000 Metern Schlauchmaterial in Dienst stellen.

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Für den in Erstellung befindlichen Alarmplan des Landkreises für Sonderfahrzeuge kündigte Schütz an: „Für unsere Stadt können wir unsere Gerätschaften ehrenamtlich wieder einsatzbereit machen, jedoch nicht für Fremdgemeinden“. Im Bereich des Digitalfunks will man in diesem Jahr umstellen, jedoch ohne Eile. „Es gab noch keine Dienstanweisung vom Landkreis für die Benutzung des Digitalfunks“, so der Stadtbrandinspektor.

Ein großes Augenmerk richtete er in seinem Bericht der Öffentlichkeitsarbeit, die federführend von Andreas Wahl und Thorsten Becht in 188 Arbeitsstunden betrieben wurde. Die Internetseite der Wehr wurde im Vorjahr über 1,3 Millionen Mal aufgerufen, bei Facebook zählt man über 1.200 interessierte Benutzer. Für den 18. Juni plant man einen Tag der offenen Tür.

An Übungen und Trainings zählte der Stadtbrandinspektor 79 Ausbildungsveranstaltungen auf, darunter zwei mit der Bundeswehr. Die Federführung in diesem Bereich hat Vizestadtbrandinspektor Jürgen Eifert. Er berichtete von 37 Lehrgängen auf Kreis- und Landesebene sowie 112 Endanwenderschulungen im Digitalfunk. Am Stützpunkt in Lauterbach wurden zwei Lehrgänge angeboten, zum einen der erste Teil der Truppmannausbildung zum anderen einen Truppführerlehrgang. Im Vorjahr wurde mit der Stadt Schlitz und der Gemeinde Wartenberg ein Konzept zur Ausbildung des zweiten Teils der Truppmannausbildung erstellt und umgesetzt.

Stadtjugendfeuerwehrwart Jörg Blankenburg blickte für den Feuerwehrnachwuchs auf das Vorjahr zurück. Der besteht aus 11 Mädchen und 55 Jungen in der Jugendfeuerwehr sowie 17 Mädchen und 25 Jungen in der Kinderfeuerwehr. „Wir verzeichneten im Vorjahr eine Mitgliedersteigerung von zehn Jugendlichen“, so Blankenburg. Im Stadtgebiet zählt man derzeit vier Jugendfeuerwehren und fünf Kinderfeuerwehren, die im Jahr 2016 insgesamt 5.437 ehrenamtliche Stunden leisteten. Diese gliederten sich in 3.179 Stunden allgemeine Jugendarbeit und 2.258 Stunden feuerwehrtechnische Ausbildung.

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Zu den Aktionen der Jugendfeuerwehren zählten unter anderem das Einsammeln von Weihnachtsbäumen, Wettkämpfe, der Erwerb der Leistungsspange sowie Jugendflamme und verschiedene Übungen. Zu den Höherpunkten zählte ein fünftägiges Zeltlager in Dalherda in der Rhön. Bei den Kinderfeuerwehren zählten ein Pflaster-Diplom und ein Besuch in der Notaufnahme des Eichhofkrankenhauses zu den Höhepunkten.

Für den verhinderten Leiter der Ehren- und Altersabteilung Reiner Wirth stellte Vizestadtbrandinspektor Eifert den Bericht vor. Zu den Unternehmungen der 20-köpfigen Abteilung zählten ein Rindskopfessen, einen Ausflug mit der Ehren- und Altersabteilung des Vogelsbergkreises in die Rhön sowie ein Sommerfest in Herbstein. Den Jahresbericht für den Stadtfeuerwehrverband stellte ebenfalls Eifert vor.

Er zählte einige Förderungen im Bereich des Brandschutzes und der Jugendarbeit auf, unter anderem sorgte man für die Verpflegung bei Digitalfunkschulungen. Insgesamt dreizehn Ehrungen nahm man für verdiente Mitglieder vor. Eine Satzungsänderung des Stadtfeuerwehrverbandes zum Erhalt der Gemeinnützigkeit wurde einstimmig beschlossen. Zu Kassenprüfern des Verbandes wurden Rolf Köhler und Hans-Jürgen Knapp gewählt.

Landrat Manfred Görig bezeichnete die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Lauterbach in seinem Grußwort als Stütze der Region im Brand- und Katastrophenschutz sowie in der Hilfeleistung. Er sprach großen Dank für das ehrenamtliche Engagement aus, insbesondere im Bereich der Ausbildung. „Die Feuerwehr Lauterbach ist rund um die Uhr für die Bürger da“, so Görig. Er resümierte die Verbesserungen im Bereich des Rettungsdienstes sowie in der zentralen Leitstelle. So hob er unter anderem die neuen Rettungswachen in Herbstein und Kirtorf hervor, für die Rettungswache in Lauterbach kündigte er einen weiteren Einsatzwagen in Form eines Mehrzweckfahrzeugs an.

Im Hinblick auf die Diskussion zur Neuordnung der Standorte von Notarzteinsatzfahrzeugen bemühte sich der Landrat um Aufklärung. „Es geht um die Optimierung“, so Görig. Wie er sagte, muss nach dem Landesrettungsdienstplan der Notarzt innerhalb von fünfzehn Minuten am Einsatzort sein. Dies sei nur durch die Verschiebung der jetzigen Standorte und die Einbeziehung von Notärzten aus Nachbarlandkreisen möglich. „Wir wollen für alle im Vogelsbergkreis die gleiche Chance, innerhalb von 15 Minuten notärztlich versorgt zu werden“, so Görig.

Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller sprach in seiner Rede von einer Führungsrolle der Lauterbacher Feuerwehr im Bereich des Brandschutz im Vogelsbergkreis. Dahingehend hob er die strategische Ausrichtung mit fünf Löschzügen unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Schutz hervor. „Die Feuerwehr wurde so zukunftsfähig gemacht“, sagte Vollmöller. Im Hinblick auf die damit verbundene Tagesalarmbereitschaft sprach der Bürgermeister von einem persönlichen Engagement jedes einzelnen Brandschützers. Dank und Anerkennung sprach Vollmöller für die Eigenleistungen zur Entlastung des städtischen Etats und das Bestreben in der Ausbildung der Feuerwehrleute aus.

„Die Bürgerinnen und Bürger können sich jederzeit auf unsere Feuerwehr verlassen“, so Lauterbachs Rathauschef. Wie er sagte, ist die Freiwilligkeit der Preis der Freiheit in einer Demokratie. Aus seiner Sicht ist die Feuerwehr mehr als nur Brandschützer, beispielsweise als Träger von Kultur oder Sozialarbeit. Der Jugendfeuerwehr sprach er dazu eine adäquate allgemeine Jugendarbeit aus, der Ehren- und Altersabteilung eine erfahrene Verbundenheit zu den jüngeren Generationen. „Erfahrung kann man nicht von heute auf morgen erlernen, das ist ein langer Prozess“, so Vollmöller.

Sieben Beförderungen wurde auf der Versammlung vorgenommen. Hendrik Rausch und Horst Hartmann wurden zu Hauptfeuerwehrmännern befördert. Die Beförderung zu Hauptlöschmeistern erhielten Heiko Hamel und Matthias Habermehl. Florian Höhl, Sascha Wirth und Felix Schütz wurden zu Löschmeistern befördert. Eine Ehrung für 20-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr erhielt Marcel Rockel.

Mit der silbernen Ehrennadel des Stadtfeuerwehrverbandes wurde Bürgermeister Vollmöller für langjähriges Engagement für die Feuerwehr ausgezeichnet, der zudem einen speziellen Abreißkalender als persönliches Geschenk der Feuerwehrleute überreicht bekam. In dem Kalender sind 26 Gutscheine für jeweils einen Kringel Fleischwurst enthalten. Sichtlich erfreute dankte der Bürgermeister: „Ich habe viele und ganz besonders schöne gemeinsame Erlebnisse bei der Feuerwehr erlebt“. / pw