Heiße Diskussion bei Podium der BI „Heilbad statt Windrad“

16. September 2015
SCHLITZ

Den erwartet schweren Stand hatte der Wartenberger Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann (SPD) während der Windkraftdiskussion, zu der die Salzschlirfer Bürgerinitiative „Heilbad statt Windrad“ geladen hatte. Während sich Dahlmann mit Fakten aus der Affäre zog, mussten sich Bernhard Klug und Mario Klotzsche ungenaue Aussagen und Demagogie vorwerfen lassen.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Mit 8000 Broschüren, die nach Aussagen von BI-Schriftführerin Ute Schmidt-Berger in Wartenberg, Großenlüder, Bad Salzschlirf und Schlitz flächendeckend verteilt wurden, hatten die Initiatoren auf die Veranstaltung und ihre Argumente gegen Windenergieanlagen (WEA) in den Kommunen aufmerksam gemacht.

Einziger Befürworter auf dem Podium war Wartenbergs Rathauschef Olaf Dahlmann. Der ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen – auch wenn seine Mitdiskutanten deutlich mehr Applaus aus dem Publikum erhielten. Er zog sich nicht einfach auf die klare Beschlusslage der Gemeindegremien zurück, sondern stellte sich persönlich voll hinter die Windkraft. Diese sei „ein gutes Instrument, auch wenn die Energiewende vielleicht zu schnell und mit handwerklichen Fehlern“ gekommen sei.

Kritik an Klugs Argumentation

Solche warf Dahlmann dem Landesvorsitzenden der Bundesinitiative Vernunftkraft, Bernhard Klug, vor. Dieser präsentierte die Info, dass in Dänemark derzeit keine WEA gebaut und bei Anlagen in der Nähe von Gebäuden ein Ausgleich für fallende Immobilienpreise gezahlt werde. Was „in der Nähe“ konkret bedeute, konnte Klug auf Nachfrage aus dem Publikum nicht erläutern. Später teilte Dahlmann das Ergebnis seiner Internetrecherche per Smartphone mit: Es geht um etwa 800 Meter.

Auch der Schlitzer Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer, der den Windpark Berngerode als ausreichend für das Schlitzerland erachtet, kritisierte die ausschließlich mit Negativbeispielen aufwartende Argumentation Klugs. Dieser erwecke den Anschein, dass Kommunen nicht durch Einnahmen aus der Windkraft – etwa in Form von Pachterlösen oder Gewerbesteuer – profitieren würden, und stellte Vogelsberger Bürgermeister, die sich für diese Energieform aussprachen, als naiv hin. Tatsächlich haben diese Gemeinden zum Teil seit Jahrzehnten andere Erfahrungen mit der Windenergie gesammelt.

„Pure Demagogie“

Mario Klotzsche, Mitarbeiter der FDP-Landtagsfraktion, stellte die fehlende Grundlastfähigkeit der Windenergie in den Mittelpunkt seines Vortrags und kritisierte, dass „eine feste Vergütung über 20 Jahre Anreize für Innovationen“ verhindere. Für Hans-Jürgen Schäfer war dies „pure Demagogie. Ohne die von der FDP vorangetriebene Liberalisierung des Strommarktes hätten wir einen Großteil der Probleme nicht.“

Während die Windkraftgegner sich vorwiegend auf allgemeine Argumente wie fehlende Speichermöglichkeiten oder horrende Kosten stützten, gingen auch die beiden Bürgermeister aus dem Kreis Fulda, Werner Dietrich (Großenlüder, UBL) und Matthias Kübel (Bad Salzschlirf, CDU), auf die Situation vor Ort und die Bedenken gegen die geplanten Vorranggebiete (diese sind in der nächsten Woche Thema in den Gremien) ein. „Wir haben eine Sondersituation und müssen mit vor Ort verankerten Argumenten vorgehen. Das sind unser Status als Kurort, die geografische Lage in einem Talkessel sowie der Natur und Artenschutz“, hob Kübel hervor.