„McLaren-Beißer“ Esel Vitus sucht neues Zuhause

03. August 2017
Schlitz

Die Lebensgemeinschaft Sassen sucht für den Zwergeselhengst Vitus einen neuen Halter. Das zwölf Jahre alte Tier wurde vor einem Jahr deutschlandweit berühmt, nachdem es in einen 300.000 Euro teuren orangefarbenen McLaren 650S Spider gebissen hatte.

Von Philipp Müller

Mit einem lauten „Iah“ springt Vitus am Zaun auf und ab. So begrüßt der Esel stets seine Besucher. Er war vor zehn Jahren aus dem Weserbergland auf das Hofgut der Lebensgemeinschaft Sassen bei Schlitz gekommen. Jetzt hat sich die Geschäftsleitung des Hofguts entschieden, ihn abzugeben. Wieso, dazu möchte man sich nicht äußern.

Emmerich von Beöczy ist Landwirt in der Lebensgemeinschaft. Er kümmert sich um den Esel und beschreibt ihn als „kontaktfreudig“ und „wild spielend“. Er kommt gut mit ihm zurecht. Allerdings gibt es auch ein Problem: Aufgrund seiner Neugier knabbert Vitus an allem, was in seiner Umgebung neu ist. So hat er auch schon unvorsichtige Besucher gekniffen und in ihre Jacken gebissen. Auch vor anderen Tieren macht der Esel keinen Halt. Versuche, ihn mit Schafen oder Rindern zusammenzuhalten, waren deshalb gescheitert.

Nun lebt Vitus allein in einer Box und auf einer Weide. „Das ist artgerecht, denn Eselhengste sind in freier Wildbahn Einzelgänger“, erklärt der Sassener Landwirt. Tagsüber wird er auf eine Koppel in der Ortsmitte gebracht und freut sich, abends in seinen Stall zurückzukehren. Auf der Weide besuchen ihn am Wochenende zahlreiche Menschen aus der Umgebung. Von vielen bekommt er Möhren oder Äpfel. Bekannte erkennt er sichtbar wieder und macht zur Begrüßung einen einzigartigen Iah-Laut, der durch das ganze Dorf zu hören ist. „Damit ist er zu einer Art Wahrzeichen für den Ort geworden“, meint von Beöczy.

Nach der Schätzung des Landwirts ist die Mehrheit der Bewohner von Esel Vitus begeistert, auch wenn einige Respekt vor ihm hätten. Der Esel sei in seiner Zeit auf der Weide noch nie ausgebrochen. Er laufe lediglich mal davon, wenn das Tor offengelassen oder wenn bei der Überführung zwischen Stall und Weide nicht aufgepasst wird. „Dann greift er aber niemanden an, sondern kommt immer wieder zurück“, berichtet der neben der Weide wohnende Betreuer und meint: „Vielleicht knabbert er dabei an einigen Blumen.“

„McLaren-Beißer“ Esel Vitus sucht neues Zuhause

In der Haltung ist der Esel vergleichsweise einfach. Er wird hauptsächlich mit Heu oder Gras gefüttert. Als besondere Leckerei bekommt er junge Zweige. Sein Betreuer meint: „Himbeerzweige liebt er besonders.“ Da er keinen Regen mag, braucht er neben der Weide einen Stall, der mit Stroh eingestreut und ausgemistet werden muss. In seiner Zeit auf dem Hof wurde er auch schon als Deckhengst angefragt, sein Nachkomme lebt auf Schloss Eisenbach bei Lauterbach.

Von Beöczy bedauert es, Vitus jetzt abgeben zu müssen. Er würde ihn lieber behalten: „Er ist nicht bösartig, sondern einfach nur neugierig.“ Dazu sei er ein Teil der Gemeinschaft und genieße die sozialen Kontakte. Der Betreuer will Vitus auf alle Fälle nicht an irgendjemanden abgeben: „Es muss schon passen.“ Einem Interessenten hat er schon absagt, weil er den Esel zusammen mit Schafen halten wollte. Die Vermittlung wäre bei einem Wallach einfacher, da dieser ein weniger stürmisches Temperament habe. Eine Kastration hätte aber nur in den ersten zehn Monaten einen Einfluss darauf.

Der Vorfall, der Vitus berühmt machte, geschah im September 2016, als ein orangefarbener Sportwagen vor der Koppel parkte. Mit mehreren Bissen in das Heck des Autos verursachte der Hengst etwa 40.000 Euro Schaden an der Carbon-Karosserie und Speziallackierung. Er habe das Auto für eine übergroße Karotte gehalten, so die Erklärung der Polizei damals.

Betreuer von Beöczy ist sich jedoch sicher: „Die Farbe war nicht der Grund für den Biss.“ Vitus knabbere einfach alles an und sei besonders an Plastik interessiert. Der McLaren sei auch nicht das erste beschädigte Auto gewesen. Zuvor habe er bereits einen alten Mercedes demoliert. Für die Schäden sei eine Versicherung eingesprungen. Zum Umgang mit Eseln gibt von Beöczy den Tipp, sich fremden Tieren nicht einfach zu nähern und das Auto etwas von der Weide entfernt zu parken. Bei Interesse zur Übernahme des Esels ist die Landwirtschaft in Sassen erreichbar unter Telefon: (06642) 80 21 46.