Schlitzer Theaternächte: "Viel Lärm um nichts" lockte viele Gäste in den Hof der Vorderburg

Das Spektakel lockte viele Gäste in den Hof der Vorderburg / Herrliches Ambiente

05. September 2013
Schlitz

Die Theatergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Schlitz bescherte uns am vergangenen Wochenende "Viel Lärm um nichts". Allein am Freitag lockte das Spektakel über 400 Gäste in den Hof der Vorderburg. Das mit dem Lärm sollten wir nicht so wörtlich nehmen, denn es ging anfangs (und Gott sei Dank auch im Finale) recht harmonisch zu.

In der Mitte jedoch prallten die Charaktere und ihre Leidenschaften à la Shakespeare zum Zerreißen aufeinander. Dafür sorgte die gemeine Intrige der Donna Juana. Thorsten Quanz spielte ihren ritterlichen Bruder, den Fürsten von Aragonien überzeugend in herrschaftlicher Pose. Auch er trieb ein heimliches Spiel, indem er, als Claudio maskiert, für diesen um die Hand der schönen Hero warb. Und gerade das bevorstehende Glück der beiden Verliebten rief Donna Juana auf den Plan. Susanne Scheuls-Richter verlieh ihr überzeugend die notwendige düstere Farbe.

Keine leichte Aufgabe, die einzige schwarze Seele des Stücks zu verkörpern! Nicht zu übergehen an ihrer Seite ihr dienstbarer Geist Borachio, gespielt von Andreas Feick, der sich als hinterhältiger, wenn auch zum Schluss reumütiger Diener voll ins Zeug legte.

Monika Lohse wurde als Zofe der Hero ahnungslos ins Komplott einbezogen und vervollständigte in den Gruppenszenen das weibliche Kolorit.

Das gefühlvolle Liebespaar Claudio und Hero – sie ganz Grazie und Unschuld, der En-gel des Stücks, hingebungsvoll dargeboten von Christina Gerbig-Feick. Und er, Johannes Wildner, mit allen Höhen und Tiefen der leidenschaftlichen Liebe.

Wie leicht ließ er sich als Claudio austricksen, umso herzlicher gestaltete sich aber die Wiedervereinigung der Beiden. Hans-Jürgen Beck, sprich: Heros Vater Leonato trat würdevoll, aber herausgefordert auch flammend in Erscheinung; er verlieh den abgeforderten Seelenlagen väterlichen Ausdruck. Ute Spöhrer-Möller, seine lebhafte Schwester Antonia, zog alle Register von schlau einfädelnd (im Park) bis sogar handgreiflich, wenn es um die Ehre ihrer Nichte Hero ging. In Wahrheit wirbelte jedoch das zweite Liebespaar den meisten Staub auf. Mit spitzen Reden und Gegenreden lieferten sich Ute Gutermuth-Jörns und André Niemann wahre Wortgefechte.

Hut ab vor dem bewältigten Text und dem Esprit der Darbietung! Neben Claudio und Hero führten sie sich als Beatrice und Benedikt betont unromantisch auf.

Aber: Wie vereint man Zwei, die sich angeblich nicht ausstehen können? Man bringt ihnen bei, dass sich der oder sie unsterblich in ihn oder sie verliebt hätte! In den temperamentvollen Auftritten zeigte sich des Dichters Spaß an Wortwitz und deftigem Humor. Wir wünschen ihnen ruhigere Ehejahre, damit sich der Segen des Bruders Franziskus (Hans-Wilfried Schott) bewähren kann.

Was wäre aber das ganze Theaterspiel ohne die höchst amüsanten beiden Wachtmeister Holzapfel und Schlehwein?

Mit Melone und Zigarre ließ Dr. Jochen Boettcher keine Pointe aus, um seiner Rolle gerecht zu werden. Norbert Geßner half ihm beflissen und buchstäblich großspurig, nämlich in Schuhgröße 46. Kathleen Witte und Reiner Riek ergänzten als untertänig agierende Wachen das Gespann.

Welche Ironie, dass eben diese schlichten Gemüter die raffiniert eingefädelte Intrige Juanas aufdeckten! Wie leicht hätte sonst aus der Komödie eine Tragödie werden können. Die gelungene Gesamtkonzeption lag in den Händen der Regisseurinnen Käthe Wildner und Ute Spöhrer-Möller.

Noch zwei Glanzpunkte der Abende: Zum einen die beiden Parkfiguren aus reinem Marmor, eine wirkliche Leistung von Maike Habermehl und Jonas Jörns.

Und nicht zuletzt der Ausdrucktanz von Katrin Hirmer als poetisches, traumhaftes Zwischenspiel von großer Wirkung. Was wäre aber alles insgesamt ohne die einmalige Kulisse der gräflichen Burg, ohne die professionelle Beleuchtung und ohne die gelungene Tontechnik. Alles in allem: Viel Lärm um nichts? Oder eher: Eine Menge Engagement für alles. bm