Vogelsbergrallye Tag 1: Enger Kampf um die Spitze

08. April 2017
Schlitz

Start frei im Vogelsberg: Hessens größte Rallye-Veranstaltung hat am Freitagabend begonnen. Unzählige Zuschauer sahen sich die Fahrkünste der besten Rallye-Piloten Deutschlands an. Noch bis Samstagabend sind die Fahrzeuge im Vogelsberg unterwegs. Nach vier von Zwölf Prüfungen führt Vorjahressieger Christian Riedemann hauchdünn.

Von unserem Redaktionsmitglied Markus Kubiak

Den Anfang machte der Deutsche Meister: Fabian Kreim (Beifahrer Frank Christian) im knapp 300-Ps-starken Werks-Škoda-Fabia ging pünktlich um viertel nach Sechs auf die erste Wertungsprüfung. Ihm folgte sein ärgster Verfolger: Christian Riedemann im ebenfalls werksunterstützten Peugeot 208. Vom ersten Meter an lieferten sich die beiden Topfahrer ein Kopf-an-Kopf-Duell.

Nach dem ersten Durchgang auf der Prüfung Kreutzersgrund mit viel Schotter und dem Rundkurs in Willofs, einer reinen Asphaltstrecke, trennten die Toppiloten erneut nur Zeitspähne. In Willofs feuerten wie jedes Jahr tausende Zuschauer die Rennfahrer an. Gerade einmal dreieinhalb Sekunden trennten die Top-Vier nach den ersten knapp 15 Kilometern – quasi nichts. Es führte Vorjahressieger Christian Riedemann vor Sandro Wallenwein (Škoda Fabia). Dominik Dinkel (ebenfalls Škoda) und Fabian Kreim folgten auf den Plätzen drei und vier.

Mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde aus dem Spitzen-Quartett ein Trio. Dominik Dinkel kam beim zweiten Durchgang in Willofs von der Strecke ab, drehte sich und landete in einem Weidezaun. Der Franke fing sich einen Plattfuß ein, verlor knapp eine halbe Minute. Bitter: Bis dahin führte Dinkel die Gesamtwertung nach einem starken zweiten Kreutzersgrund-Durchgang sogar an.

Christian Riedemann und Fabian Kreim schenkten sich in der Willofser Nacht nichts. Sage und schreibe 0,3 Sekunden war Kreim am Ende der knapp siebeneinhalb Kilometer des Rundkurses schneller als sein Peugeot-Kontrahent. Geschätzt 3500 Zuschauer ließen sich den Kampf der beiden nicht entgehen.

Die spannendste Vogelsbergrallye aller Zeiten: Alles, was Sie wissen müssen

Deutschlands Rallye-Elite gastiert am Wochenende im Vogelsberg - und verspricht nie dagewesene Duelle. Denn so eng war der Kampf an der Spitze der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) seit unzähligen Jahren nicht mehr. Vorjahressieger Christian Riedemann spricht im exklusiven FZ-Interview von einem Vier- oder Fünfkampf um den Sieg.

Knappe vier Sekunden dahinter kam Sandro Wallenwein in Willofs ins Ziel. Der Routinier und Vogelsberg-Sieger von 2013 legt bisher eine starke Rallye hin. Es ist sein zweiter DRM-Lauf nach knapp zwei Jahren Abstinenz – und wenn der 42-Jährige jemals Rallye-Rost angesetzt haben sollte, war dieser nach den ersten Kurven abgeschüttelt. Insgesamt nur 5,6 Sekunden fehlen Wallenwein nach vier von zwölf Prüfungen auf den Gesamtführenden Christian Riedemann. Er liegt damit vier Zehntelsekunden hinter Fabian Kreim auf Rang drei.

Autocrosser René Mandel folgt mit knappen zehn Sekunden Rückstand auf Position 4, Dominik Dinkel mit besagter halben Minute auf 5. Knapp 40 Sekunden Rückstand haben Chris Brugger mit Lokalmatadorin Katrin Becker auf dem Beifahrersitz – Platz 6.

Weiterhin ist alles offen. Denn am Freitag wurde erst rund ein Drittel der etwa 100-Wertungskilometer der Vogelsbergrallye absolviert. Vor allem die Prüfungen Feldatal und Stadt Ulrichstein versprechen Spannung: Sie werden am Samstag bereits gegen 8 Uhr am Morgen gefahren. Wer dort nicht sofort hellwach ist, verliert den Anschluss – und damit den möglichen Vogelsberg-Sieg. Wie hatte es Fabian Kreim am Freitag im FZ-Interview prophezeit: „Am Ende gewinnt, wer die wenigsten Fehler macht.“

Insgesamt gehen Freitag und Samstag 82 Autos an den Start. Eigentlich hätten es zwei mehr sein sollen. Doch bereits bevor die Flagge fiel, mussten die Teams ihre Sachen packen. Der Skoda Fabia von Rüdiger und Janika Heinzerling verunglückte Donnerstagabend beim Shakedown. Der Citroen von Coralie Schneider und Dr. Bodo Kohring war bereits während der Anreise in einen Unfall verwickelt.

Unfall bei Vogelsberg-Shakedown: Škoda rutscht Böschung hinunter - Zuschauer pöbeln gegen Sanitäter

Wilder Auftakt der Vogelsbergrallye: Beim Shakedown zur Deutschen Rallye-Meisterschaft (DRM) am Donnerstagabend in Willofs bei Schlitz verunfallte ein Škoda Fabia. Der Tschechien-Renner des Duos Rüdiger und Janika Heinzerling rutschte eine metertiefe Böschung herunter. Nach dem Unfall pöbelten Zuschauer gegen Rettungssanitäter und Feuerwehr.