Mini-WM: Kein Tag für schwache Nerven
NEUHOF Brasilien, Mexiko, die Slowakei und Japan sind die ersten vier Teilnehmer an der Endrunde der RhönSprudel-Mini-WM. Allerdings hätten auch die vier anderen Teams weiterkommen können – es war kein Spieltag für schwache Nerven. (FOTOSTRECKE)
Bestes Beispiel war Mexikos Trainer Mario Hutfleß, der im letzten Spiel der Gruppe A an der Linie tausend Tode starb und wie das berühmte Rumpelstilzchen die Linie rauf und runter tanzte. Der Grund war klar: Beim Stand von 1:1 hätte ein Gegentor im Spiel gegen Brasilien bedeutet, dass seine Mexikaner mit der Elfenbeinküste punkt- und torgleich gewesen wären. Da auch der direkte Vergleich unentschieden geendet hatte, wäre ein Siebenmeterschießen um den Einzug in die Endrunde nötig gewesen. Als der fehlende Punkt unter Dach und Fach war, ging Hutfleß entnervt vor die Halle, um sich eine Zigarette anzustecken. „Das geht schwer an die Nerven. Am liebsten würdest du mitspielen und den Kids helfen. Das letzte Spiel ging voll an die Substanz“, gab Hutfleß nachher zu. Bevor er sich aber wieder auf seine Burghauner Alte-Herren-Mannschaft konzentrieren kann, muss Mexikos Nationaltrainer zur Endrunde am 23. März (ab 13.30 Uhr, wieder in Neuhof) nochmals ran. „Da ist alles möglich“, glaubt er.
Schon vor dem letzten Gruppenspiel stand Brasilien in der Endrunde. „So klar wie es sich anhört, war es aber gar nicht. Schon die erste Runde war schwer. Und diesmal war das Niveau noch besser. Wer die Mini-WM gewinnen wird, das vermag niemand zu sagen“, so der Trainer der „Selecao“, Maik Funke. Er will den Erfolg auch nicht an seinem Top-Torjäger Gianluca Möser festmachen. „Er hat gut Tore gemacht, aber ich finde, dass wir bislang als Team stark waren.“
Trauer dagegen bei der Elfenbeinküste und dem Team aus Kamerun. Gerade die Elfenbeinküste (Grundschule Haimbach) war dicht dran am Weiterkommen, scheiterte aber letztlich auch daran, dass Mexikos Torwart Albrecht Müller im direkten Duell kurz vor Schluss so prächtig parierte. Hier das 1:0 – und die Haimbacher wären am Ende weitergekommen.
Dramatik pur auch in Gruppe B: Schon der Auftakt ließ die Spannung erahnen. Japan (Grundschule Eichenzell) hatte gegen die Slowakei (Fliedetalschule Flieden) lange 1:0 geführt. Erst 90 Sekunden vor Ende glichen die Fliedener aus, ehe Magnus Albinger sieben Sekunden vor Schluss sogar das 2:1 machte. Es war der Grundstein für den Gruppensieg.
Algerien ohne Niederlage raus
Auf den Kopf gestellt wurde die Halle aber im allerletzten Spiel des Tages zwischen Japan und Algerien. Japan genügte ein Punkt, Algerien musste gewinnen. Und als Celine Gerhard die Japaner nach vorne brachte, schien schon alles gelaufen. Algerien (Conrad-von-Mengersen-Schule Johannesberg) glich aber schnell aus, und in den letzten drei Minuten hätte ein weiteres Tor das Weiterkommen bedeutet. Am Ende schied Algerien, ohne eine Niederlage kassiert zu haben, unglücklich aus, und die Japaner waren weiter. Algerien vermisste vor allem den kranken Vorrunden-Torjäger Tom Naar. Aber auch bei Japan fehlte mit Mirko Möller ein ganz wichtiger Spieler.
„Das war ein richtiger Kraftakt“, so Japans Spielervater Stefan Brehl, dessen Frau Anke das Nervenspiel nur mit „Heiland meines Lebens“ kommentierte. Auch die Eltern waren am Ende fix und fertig. Stefan Brehl weiter: „Aufgrund der Gruppe hatte ich schon gehofft, dass wir es vielleicht schaffen könnten.“
Auf einer Euphoriewelle schwimmen weiter die Slowaken mit Coach Elmar Heil. „Gerade Brasilien spielt einen klasse Fußball. Aber letztlich ist es auch ganz egal, wie das Ganze ausgeht. Das Turnier ist eine einmalige Sache, die die Kinder nie mehr vergessen werden. Es macht einfach nur super viel Spaß“, so Trainer Heil.
Von unserem Mitarbeiter
Ralph Kraus

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