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23. März 2010



Mini-WM-Baby als Mexikos Maskottchen

NEUHOF Die Augen waren nur auf den Pokal gerichtet, die Gesichter schweißnass und gerötet. Müde, abgekämpft, aber glücklich standen die kleinen Chilenen brav in der Reihe und warteten in der Kreissporthalle Neuhof auf die Siegerehrung.

„Wer kriegt den Pokal?“, fragte ein Spieler ungeduldig. Die Antwort von Trainer Martin Aschenbrücker fiel scherzhaft aus: „Den schneiden wir in Scheiben und jeder kriegt etwas.“ Dann endlich waren sie doch an der Reihe – und streckten den größten Pokal der Mini-WM in die Höhe wie es sonst nur Weltstars tun. Nur wenige Minuten zuvor hatten sie im Finale Neuseeland in einem Sieben-Meter-Krimi besiegt. Dejan Milenkovski traf als Letzter, dann machte Maximilian Weisbecker mit seiner Parade den Sieg perfekt. „Ich habe einfach auf den Ball geguckt, bin stehengeblieben und habe erst reagiert, als der Ball kam“, erzählte der Torwart freudestrahlend.

Den Neuseeländern war die Freude da längst vergangen. Mit starken Leistungen hatten sie sich bis ins Finale vorgekämpft und waren nach der Niederlage vom Punkt aus tief enttäuscht. Teils mit Tränen in den Augen bedankten sie sich gleich nach dem Endspiel bei ihren zahlreichen, kreativen und lautstarken Anhängern: „Ein Hoch auf Euch, unsere starken Fans!“ stand auf dem weißen Leinenspruchband geschrieben. Die Fankurve zollte Respekt mit Applaus, Tröten und Fahnenschwenken.

Mit Fieber im Finale

Dass die Neuseeländer überhaupt so weit gekommen waren, lag auch an dem Tor von Philip Illichmann, dem 1:0 gegen Japan. Trotz einer schweren Erkältung war der Junge angetreten. „Er hatte Sorge, dass er die Finalrunde verpasst und wollte unbedingt spielen“, berichtete Mutter Annette, die auch Philips Tante Michaela und Oma Elfriede im Schlepptau hatte. „Morgen hat er bestimmt Fieber, aber das ist heute egal.“ Vielleicht kuriert ihn ja die Freude über einen hervorragenden zweiten Rang...

Im „kleinen Finale“, dem Spiel um Platz drei, hatte Frankreich ebenfalls nach Siebenmeterschießen die Nase vorn. Die „Blauen“ hatten sich allerdings mehr erhofft. Immerhin hatten die Fans extra einen Bus gechartert, mit dem sie nach Neuhof gereist waren. Das Rückfenster war zugehängt mit einem Banner: „Don-Bosco-Schule Künzell – Wir sind Frankreich“. Auch Hausmeister Dieter Löber, bei den Spieltagen in der Künzeller Kreissporthalle unermüdlich im Einsatz, wollte sich die Finalspiele nicht entgehen lassen – und spürte während der Anreise den Optimismus: „Die Stimmung war gut. Da wurde schon der Schlachtruf angestimmt ,Allez les bleus‘.“

Brasilianer auf Platz fünf

Als Mexikos Trainer Mario Hutfleß den Bus auf den Parkplatz rollen sah, kommentierte er trocken: „Wir brauchen keinen Bus, wir werden auch so Weltmeister.“ Lange Zeit schien er mit dieser selbstbewussten Aussage Recht zu behalten. Denn in der Vorrunde präsentierte sich Mexiko mit drei Siegen souverän wie keine andere Mannschaft. Am Ende kam es anders. Da konnte auch der kleine Justus nichts dran ändern. Erst seit fünf Wochen auf der Welt – geboren also nach Beginn der Mini-WM –, harrte der Baby-Bruder von Mexikos Torwart Albrecht Müller geduldig auf den Armen von Mutter Christiane Müller-Wolf aus. „Schon in der Zwischenrunde war Justus dabei. Jetzt sind wir unglücklich ausgeschieden, aber die anderen waren besser“, fand Müller-Wolf. Die anderen, das war Chile...

Einer, bei dem die erste Trauer sich schnell wieder gelegt hatte, war Gianluca Möser. Seine Brasilianer mussten schon vor dem Halbfinale die Segel streichen, sicherten sich aber gegen Japan den fünften Platz – auch wegen eines Siebenmeters von Gianluca. Ob der Treffer auch für die Torschützenliste zähle, wollte er hinterher wissen. Nein, das nicht. Aber die zehn Tore aus dem Spiel heraus reichen Gianluca Möser auch so für die inoffizielle Torjägerkanone.

Von unserem Volontär
Folko Damm






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