Hessenliga: Fades Derby ohne Tore
Von Harry Wagner
Hünfeld
Father Jerry Louis aus Madras in Indien hat heute zum ersten Mal ein Fußballspiel gesehen. Ein besseres als das Hessenliga-Derby in der Rhönkampfbahn wäre ihm dabei zu gönnen gewesen. Vor allem musste er auf ein elementares Erlebnis verzichten: auf Tore.
Der Kirchendiener, der vor einem Jahr die vakante Stelle in der Hünfelder St. Ulrich-Gemeinde besetzt hatte, gilt als exzellenter Koch. Die Würze, die die Gerichte seiner indischen Heimat auszeichnen, hätten dem Duell zwischen dem Hünfelder SV und Buchonia Flieden gut getan. Am Ende von 90 hektischen, spielerisch nur selten überzeugenden Minuten blieb es allerdings bei einem faden 0:0.
Mit diesem Ergebnis können die Fliedener vermutlich etwas mehr anfangen als die Hünfelder. „Jeder gewonnene Punkt ist gut für die Moral“, befand Trainer Jochen Maikranz. Unterdessen bemängelte sein Gegenüber Oliver Bunzenthal, „dass wir heute das Spiel nie so richtig in den Griff bekommen haben. Vor allem die erste Hälfte haben wir verschlafen.“
Und obwohl die Partie kaum etwas für Fußball-Ästheten zu bieten hatte, war der Sieg für beide Teams möglich. „Am Schluss lag dann doch ein Tor in der Luft“, betonte Bunzenthal.
Die dickste Chance hatte allerdings Flieden – in der 88. Minute. HSV-Abwehrspieler Simon Grosch setzte Lukas Heil mit einem Katastrophenpass in Szene. Doch der Fliedener Youngster hatte nicht die Nerven und schloss sein Solo in Richtung Ruck nur mit einem harmlosen Schieber ab. Coach Maikranz wollte ihm dafür keinen Vorwurf machen: „Man muss dann halt auch mal verstehen, dass ein 19-Jähriger in solch einem Spiel diesen Ball nicht unterbringt.“
Kurz zuvor hatte Niclas Rehm nach einer präzisen Reith-Flanke das 1:0 für Hünfeld auf dem Kopf (86.), das zuvor schon Julian Möller gegen Maurus Klüber verhindert hatte (73.). Zum Schluss setzte dann Daniel Rother in der Nachspielzeit noch einen Freistoß auf die Latte des HSV-Tores, ehe kurz drauf Referee Mike Britting – vom Hessischen Fußball-Verband jüngst erst als „Schiedsrichter des Jahres“ ausgezeichnet – abpfiff.
Das alles sieht nach einem aufregenden Derby aus, was es aber über weite Strecken nicht war. Vor der Pause hatte nur Sascha Gies eine erfolgversprechende Aktion, setzte aber seinen Kopfball knapp neben das Tor (16.). Unterm Strich hatten die Buchonen ein leichtes Chancenplus, was Maikranz zu der Feststellung veranlasste, „dass wir heute hier den Sieg verdient gehabt hätten.“ Doch schon das Unentschieden – übrigens das erste der Saison – war teuer erkauft: Gies und Christian Birkenbach mussten früh runter. Den Stürmer plagten Adduktorenprobleme, während Fliedens Sechser sich das Knie verdrehte. Und weil an einen Einsatz von Fabian Schaub nicht zu denken war und zudem Sascha Rumpeltes fehlte, stand für 60 Minuten fast schon eine Verlegenheitself auf dem Platz.
Das Verletzungspech ereilte derweil auch die Hünfelder, wo zuerst Cino Schwab frühzeitig vom Feld ging und sich dann auch noch Kapitän Dominik Weber mitte der zweiten Hälfte mit Kniebeschwerden abmelden musste. Das stimmt Oliver Bunzenthal eher nachdenklich als die magere Zwischenbilanz aus der „Heimspielserie“ von nur zwei Punkten aus drei Partien am Stück vor eigenem Publikum: „Das kann doch angesichts dieser Gegner nicht wirklich überraschen.“
Hünfeld: Ruck – Schwab (55. Grosch), Gensler, Weber (66. Beck), Witzel – Trabert, Krieger (58. Klüber) – D. Müller, Reith, Rehm – Schirmer.
Flieden: Möller – Schad, Rother, Krause, Hohmann – Birkenbach (30. Heil), Drews – St. Dietz (66. Pfeiffer), J. Müller, Scheller – Gies (20. Zintel).
Schiedsrichter: Mike Britting (Hofgeismar).
Zuschauer: 800.
Gelb-Rote Karte: Lukas Heil (Flieden, 90., wiederholtes Foulspiel).

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