Kehl zu Besuch in der Heimat
Von Sabrina Mehler
Fulda
Braun gebrannt und gut gelaunt: Just aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt, hat BVB-Spieler Sebastian Kehl (32) am Samstagvormittag vor mehr als 100 Zuhörern im Gesundheitszentrum Münsterfeld in Fulda nonchalant aus dem Nähkästchen geplaudert – über seine Motivation, Trainer Klopp und das verpatzte EM-Halbfinale.
Der gebürtige Lahrbacher gab sich bei der Talkrunde, die unter dem Motto „Motivieren – überzeugen – durchstarten“ stand und vom Gesundheitszentrum organisiert worden war, entspannt und locker – und freute sich über viele junge Fans im Dortmund-Trikot. Gemeinsam mit dem Fuldaer Triathleten Sascha Gramm (33) stellte er sich den Fragen der Physiotherapeuten Lutz Meissner, Andreas Helmkamp und Timo Lindemann sowie Dr. Wolfgang Zeckey, Leiter des Gesundheitszentrums.
„Auch ein Sportler, der regelmäßig trainiert, hat mal schlaffe Phasen“, befand Andreas Helmkamp und wollte wissen, wie Kehl es gelinge, die Spannungskurve und seine Motivation aufrecht zu erhalten. „Wir hatten ein super erfolgreiches Jahr, allein das ist schon eine Motivation“, antwortete der Double-Sieger und ergänzte unter Applaus seiner Fans: „Der Anreiz, das ein oder andere Mal Bayern München zu schlagen, besteht schließlich immer.“ Und beim Derby gegen Schalke sei richtig „Feuer unterm Dach“. Noch heute bekomme er beim Einlaufen ins Stadion eine Gänsehaut: „Der Fußball regiert Dortmund, das ist ein riesiger Ansporn“, erklärte der Fußballer.
Zudem sei Trainer Jürgen Klopp ein großartiger Motivator: „Seine Leidenschaft überträgt sich auf die Spieler.“ Gleichwohl konstatierte Kehl: „Jeder Spieler muss seine Selbstmotivation finden.“ Das sei in der vergangenen Saison gelungen: „Wir wollten Rekorde knacken, und jeder hat einzeln dazu beigetragen.“
Angesprochen auf seine zahlreichen Verletzungspausen in der Vergangenheit, verwies Kehl auf seinen Ehrgeiz: „Viele haben mit mir nicht mehr gerechnet, das hat mich unheimlich gestichelt. Deshalb wollte ich in dieser Saison den Spielen meinen Stempel aufdrücken und als Kapitän die Meisterschale in die Höhe halten.“
Auch die Europameisterschaft war Thema bei der Talkrunde: Ob ein paar Dortmunder mehr dem Spiel der Deutschen gegen Italien nicht hätten helfen können, fragte ein Zuhörer augenzwinkernd. „Die hätten vielleicht ganz gut getan“, antwortete Kehl lächelnd, erklärte aber: „Es ist ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Misserfolg.“ Und die Italiener hätten eben nicht allzu schlecht gespielt. Die Squadra Azzurra werde Europameister, tippte er zudem. „Die Spanier haben gegen Portugal deutliche Schwächen gezeigt.“
Abschließend verteilte der 32-Jährige fleißig Autogramme, ließ sich mit seinen Fans fotografieren und schrieb sogar in Poesiealben. „Ich bin Dortmund-Fan“, erklärte der neunjährige Simon Krusch aus Marbach hinterher begeistert. „Deshalb ist es für mich ganz toll, dass Sebastian Kehl nach Fulda kommt.“ Das passiere schließlich nicht jeden Tag.
Auch BVB-Fan Heiko Schneider aus Landenhausen, der mit seinen Söhnen Emilio und Patrice gekommen war, zeigte sich angetan vom Auftreten des Lahrbachers: „Das hier ist doch etwas ganz anderes, als wenn man ihn nur im Stadion sieht.“ Glücklich, ein Autogramm ergattert zu haben, waren auch zwei der weiblichen Fans von Sebastian Kehl: Theresa Reichenauer (21) aus Flieden und Marina Fieres (28) aus Schlüchtern, letzere nach eigener Aussage „ein riesiger Fan“ des 32-Jährigen. „Das ist schon sehr toll, dass er sich Zeit für seine Fans in de alten Heimat nimmt“, betonte sie freudestrahlend.

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