1. Fuldaer Bewegungscheck
FULDA Überall gibt es Hilfen, um Kinder ihren Neigungen entsprechend zu fördern. Bei der Suche nach dem geeigneten Musikinstrument, bei der Schulwahl, für verhaltensauffällige Kinder oder Legastheniker. Wie aber finden Kinder die für sie geeignete Sportart?
Der Fuldaer Bewegungs-Check, eine Initiative von Stadt und Landkreis Fulda sowie dem Staatlichen Schulamt in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth, nimmt sich dieses Problems an.
Dabei geht es nicht um Vermessungen und biologische Tests an Kindergartenkindern mit dem Ziel, Hochleistungssportler an Kaderschmieden zu produzieren. Das Projekt verläuft vielmehr dreigleisig und richtet sich gleichermaßen an Bewegungsmuffel mit figürlichen Problemen und sportlich interessierte sowie talentierte Schülerinnen und Schüler. Im Interview gibt Professor Dr. Andreas Hohmann Auskunft über das Projekt, an dem rund 300 Zweitklässler der Florenberg-, Bardo-, Don-Bosco-, Johannes-Hack und Ahornschule vom 7. bis 10. Juni teilnehmen.
Herr Hohmann, was erhoffen Sie sich von dem Fuldaer Bewegungs-Check?
ZUR PERSON
Professor Dr. Andreas Hohmann hat seinen Lehrstuhl für Trainingswissenschaften an der Uni Bayreuth. Der 52-jährige Fuldaer ist Vorsitzender der Wasserfreunde Fulda und Wasserballtrainer. Hohmann spielte selbst für Fulda und andere Vereine in der Bundesliga, trainierte Bundesligisten, war Assistenztrainer der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft und ist seit 1995 Mitglied im Ausschuss Wissenschaft und Ausbildung des Deutschen Schwimm-Verbandes. Hohmann ist verheiratet und zweifacher Vater. Tochter Laura war eine erfolgreiche Schwimmerin, Sohn Marvin ist Jugend-Nationalspieler im Wasserball. / an
Warum werden die Tests mit Zweitklässlern gemacht?
Das ist das geeignete Alter, um noch im leistungsorientierten Sport Fuß zu fassen. Bestes Beispiel ist Schwimmen. Wer erst vier Jahre später zu seiner Sportart findet, hat es im Training schwer, Anschluss zu bekommen und gibt meist frustriert auf.
Wie muss man sich den Test vorstellen? Hochwissenschaftlich?
Nein, auf keinen Fall. Als Testverfahren dient der allgemeine Deutsche Motorik-Test 6-18, der aus acht Bewegungsaufgaben besteht.
Und die wären?
20-Meter-Sprint, Standweitsprung, Sit-ups, Liegestütz, seitliches Hin- und Herspringen, Balancieren rückwärts, Rumpfbeuge, 6-Minuten-Lauf. Ferner werden Körpergröße und Körpergewicht bestimmt und daraus der Body-Maß-Index (BMI) ermittelt.
Das hört sich nicht ganz so schwierig an. Warum werden die Tests nicht selbstständig an Schulen durchgeführt, beispielsweise im Rahmen eines Projekttages für Zweitklässler?
Da müssen Sie die Schulen schon selbst fragen.
Mit wie vielen Mitarbeitern Ihres Sportwissenschaftlichen Instituts sind sie im Juni vor Ort?
Neben mir kommen zwei Wissenschaftliche Leiter und sechs Studenten. Ferner benötigen wir noch sechs Helfer.
Wie hoch sind die Kosten, und wer übernimmt sie?
Das hält sich in Maßen. Der Bewegungs-Check inklusive Auswertung und Beratung der Eltern und Kinder ist mit 5000 Euro veranschlagt. Finanziert wird dies durch die Sparkasse Fulda und andere Sponsoren.
Was passiert mit den Tests?
Wir werten sie in den Sommerferien aus. Dann erhalten Eltern und Kinder eine Rückmeldung.
Steht dann darin, für welche Sportart das Kind geeignet ist?
Nein, noch nicht so speziell. Vielmehr fassen wir es weiter und erstellen ein persönliches Stärken-Schwächen-Profil. Unsere Aufgabe ist es dann, Eltern und Kinder bei Informationsveranstaltungen zu beraten.
Sie führen den Test nicht zum ersten Mal durch. Wie sind die Erfahrungswerte?
Wir unterteilen in Bewegungs-, Sport- und Talentförderung. Erfahrungsgemäß bekommen 10 Prozent der Teilnehmer die Empfehlung für eine gesundheitsorientierte Bewegungsmaßnahme und Ernährungsberatung. Bei dieser Veranstaltung stellen wir fitnessorientierte Bewegungsangebote in der Region Fulda vor sowie Bausteine einer kindgerechten gesunden Ernährung. 60 bis 70 Prozent der Kinder erhalten eine Empfehlung für breitensportliche und leistungsorientierte Sportgruppen in der Region. Der Rest soll dem „Talentpool“ zugeführt werden.
Dann wäre ja jeder vierte Zweitklässler ein Talent?
Schon möglich. Sportmotorisch besonders begabte Schülerinnen und Schüler werden in das „Talentpool Region Fulda“ aufgenommen und zu dem sportgruppenspezifischen „Talent-Check“ im September eingeladen.
Was wird da getestet?
Bei diesem „Talent-Check“ soll gezielt sportmotorisches Begabungspotenzial für Sportarten, die in der Region einen hohen Stellenwert haben und eine besondere Förderung genießen, getestet werden. Ich denke beispielsweise an Tischtennis, Fußball und andere Ballsportarten, Schwimmen, Leichtathletik oder Ausdauersportarten wie Skilanglauf.
Das hört sich viel versprechend an. Leider kommen nur fünf Schulen in den Genuss des Bewegungs-Checks. Ist das ein einmaliges Projekt?
Auf keinen Fall. Das ist längerfristig angelegt. Allerdings soll die Verantwortung auf lokale Ebene, sprich Stadt, Landkreis, Staatliches Schulamt und die Vereine übertragen werden. Bei der Auswertung können wir Hilfestellung geben.
Wenn interessierte Sportlehrer nicht so lange warten möchten, bis der Bewegungs-Check zum Selbstläufer wird, wohin können sie sich wenden?
Wir führen die Tests vom 7. bis 10. Juni vormittags in der Künzeller Kreissporthalle durch. Da ist jeder willkommen und kann sich ein Bild von den Tests machen.
Von unserem Redaktionsmitglied
Angelika Kleemann

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