Maberzell erwartet Boll und Co.
Von Angelika Kleemann
Maberzell
Im Halbfinalhinspiel um die Deutsche Tischtennis-Meisterschaft erwartet der TTC RhönSprudel am Samstagabend (19 Uhr) in der Wilmingtonhalle den Deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf.
Dafür hat sich Jan-Ove Waldner etwas Besonderes vorgenommen: Der 46-Jährige will den Weltranglisten-Sechsten Timo Boll schlagen. Ist das ein Witz, ein PR-Gag, oder leidet der alternde Schwede an chronischer Selbstüberschätzung? Vereinschef Stefan Frauenholz ist zumindest über Waldners vollmundige Kampfansage belustigt. „Waldi hat mir gesagt, er will Boll schlagen. Er hätte das ja schon einmal geschafft. Nämlich im Viertelfinale der Olympischen Spiele 2004 in Athen. Damals reiste extra Schwedens König Carl Gustav an“, erzählt Frauenholz. Zum schwedischen Helden wurde Waldner 1992, als er in Barcelona die erste Goldmedaille bei Olympischen Sommerspielen für Schweden holte.
Doch die Hochzeiten sind für den besten Tischtennisspieler aller Zeiten längst vorbei. Sechs Siegen in der abgelaufenen Bundesligasaison stehen 14 Niederlagen gegenüber, das Ende seiner beispiellosen Karriere scheint ganz nahe zu sein. Und der Auftritt zum Saisonabschluss vor fünf Tagen gegen Ochsenhausens Andrej Gacina – Waldner knickte beim Schlussball des ersten Satzes im Fuß um und verlor glatt in drei Sätzen – gab wenig Grund zur Freude. Allerdings ist der alte Schwede immer für eine Überraschung gut, sieht Parallelen zu Athen. „Damals hatte er ein Jahr Probleme mit dem Fuß. Keiner glaubte, dass er zurückkommen könnte“, erzählt Frauenholz. Und Waldner strafte alle Kritiker Lügen, gewann gegen Boll. „Ich habe mir für 50 Euro einen neuen Fuß gekauft, jetzt will ich wieder gegen Boll gewinnen“, lautet Waldners mehr oder weniger ernst zu nehmende Kampfansage.
„Natürlich ist Düsseldorf der Top-Favorit. Unser Minimalziel ist es, nicht zu Null zu verlieren“, sieht es Frauenholz realistisch. Der Druck ist für die Rheinländer ungleich größer, von denen die erneute Titelverteidigung erwartet wird. „Wir nehmen das Spiel sehr ernst, werden den Gegner auf keinen Fall unterschätzen“, erklärt Manager Andreas Preuß. Düsseldorf reist bereits heute an und absolviert noch eine Trainingseinheit. „Fulda hat eine top Nummer eins, einen guten Zweier und einen Waldner, der in manchen Momenten eine super Kugel spielen kann“, zollt Preuß dem Gegner den nötigen Respekt. Mit einem knappen Erfolg seiner Mannschaft wäre er zufrieden.

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