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29. August 2012



Michaela Floeth gibt ihren Paralympics-Abschied

Von Angelika Kleemann

Schlitz
Die Form stimmt, die im Oktober operierte Schulter hält, die Vorfreude ist groß: Gute Vorzeichen also, dass Michaela Floeth bei den heute beginnenden Paralympics erfolgreich abschneidet.

Denn die Spiele in London sind für die 43-jährige unterschenkelamputierte Athletin aus Schlitz etwas ganz Besonders: Es sind ihre vierten und letzten Spiele. Die will sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Uli Niepoth, der als Chef-Krankengymnast der 150-köpfigen deutschen Delegation sicherlich eine Menge Arbeit haben wird, „intensiv durchleben und wahrnehmen“.

Olympisches Gold in Sydney und Bronze in Peking hat Michaela Floeth schon in ihrer Sammlung, Silber fehlt noch. „Das wäre schön“, lacht sie. Und Gold? „Noch besser, aber man muss realistisch sein.“ Im Gepäck sind neben einer Komplettausstattung an Trainings-, Freizeit- und Präsentationsklamotten  –  „Wir sind besser denn je ausgestattet worden, und die Sachen sind richtig schön“ – auch zwei vierblättrige Kleeblätter, in Folie eingeschweißt, damit sie nicht zerbrechen. „Eins habe ich hier in Schlitz auf der Trainingsanlage gefunden, das andere beim Trainingslager im Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Das sind doch gute Zeichen?“, freut sich die sympathische Athletin über ihren großen Fund.

Dass ihr in London ein großer Wurf, beziehungsweise Stoß gelingen wird, davon ist Uli Niepoth überzeugt – zumal „Micha“ in Kienbaum erstmals nach der Operation wieder die 12-Meter-Marke knackte (12,05 m) und auch ihre Werte im Bankdrücken fast genauso stark waren wie vor der OP. „Ich traue ihr mehr zu als sie sich selbst. Micha ist ein Wettkampftyp mit Biss und Disziplin. Die Schulter ist top, Wehwehchen, die aufgrund der Anspannung  und des intensiven Trainings  kommen, kriegen wir in Griff“, ist „Physio  Uli“ zuversichtlich.

Vor dem Fernseher haben sich die beiden während der Olympischen Spiele auf die Paralympics eingestimmt. „Die vielen Zuschauer und die Stimmung, das war der Hammer. Bei den Kampfrichtern hat es ja nicht immer geklappt, aber die haben für uns geübt“, witzelt Floeth mit Blick auf den Mess-Skandal beim Hammerwurf  der Frauen oder das Auswertungsdebakel beim abschließenden 800-Meter-Rennen der Siebenkämpferinnen.

Gemeinsam werden Floeth und Niepoth die Eröffnungsfeier heute erleben und genießen, ansonsten sieht sich das Ehepaar eher selten. „Vielleicht beim Frühstück und natürlich bei Michas Wettkampf“, mutmaßt Uli Niepoth.  Denn für ihn bedeuten die Paralympics  Einsatz rund um die Uhr. Drei Physiotherapeuten sind für die deutschen Athleten zuständig, der Schlitzer hat den Hut auf, wurde zum Block-Physiotherapeuten ernannt und ist noch für die Koordination zuständig. „Da die Wettkämpfe bis spät in den Abend gehen und die Athleten dann noch eine Nachbehandlung brauchen, werden wir wohl selten vor Mitternacht ins Bett kommen“, mutmaßt Niepoth, der dann seinen Schlaf braucht.

Da hat es Michaela Floeth doch besser. Gleich am Montag ist die 43-Jährige im Kugelstoßen dran, um 11.45 Uhr wird es ernst. Der Wettkampf, auf den sie sich vier Jahre vorbereitet hat, dauert eine Stunde. Ihre Konkurrentinnen kennt sie nicht, deren Leistungen ebenfalls nicht, will sie auch nicht. „Ich konzentriere mich auf meinen Wettkampf und möchte Saisonbestleistung stoßen“, nennt sie ihr Ziel. An Unterstützung mangelt es ihr beim Wettkampf nicht, denn auch ihre Eltern sind vor Ort.

Danach hat Michaela Floeth noch sechs Tage Zeit, das olympische Flair vollends auszukosten. „Natürlich werde ich die dann die Leichtathleten anfeuern, aber auch die Ruderwettbewerbe und Rollstuhl-Basketball besuchen – und natürlich London“, zählt sie ihr Programm auf. Aber besonders freut sie sich auf das Miteinander im Olympischen Dorf. „Das ist wie eine kleine Stadt. Menschen verschiedener Kulturen leben friedlich miteinander, tanzen in der Mensa, sind ausgelassen. Das gibt es nur bei Olympia.“




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