Schulkinder sollen „Raufen nach Regeln“
Von Harry Wagner
Fulda
Ein Schulprojekt soll dabei helfen, den Nachwuchs fürs Ringen zu begeistern. Doch nicht nur das: Die Beteiligten wollen klar machen, dass dieser Sport gerade für Kinder im Grundschulalter viele Vorteile bietet.
Der Landessportbund Hessen und das Kultusministerium haben die Initiative „Raufen nach Regeln“ ins Leben gerufen. Und der RSC Fulda ist einer der Vereine, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, sie vor Ort praktisch umzusetzen.
Dabei überließ der rührige Club mit seinen 120 Mitgliedern um das Fuldaer Ringer-Urgestein Hasan Karslioglu nichts dem Zufall. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail wurden Infomappen und Flyer erstellt und damit 39 Schulen der Region kontaktiert, um das Projekt vorzustellen, das hauptsächlich Kinder zwischen 8 und 13 Jahren ansprechen soll – wobei Ringen auf spielerische Weise auch schon, so Karslioglu, im Alter ab drei Jahren erlernbar sei. Deshalb hat der RSC auch schon einige Kindergärten besucht.
Es gab auch Rücklauf: Zuletzt war der RSC mit seinen beiden lizenzierten Trainern Karsten Linn und Karslioglu – insgesamt stehen vier Übungsleiter zur Verfügung – für drei Tage in der Probst-Conrad-von-Mengersen-Schule Johannesberg zu Gast und lehrte die Kinder erste Gehversuche im Ringen. Doch vermisst Karslioglu die große Resonanz: „Die Schulen öffnen sich nicht so, wie es wünschenswert wäre.“ Das fange schon damit an, dass die Bereitschaft der Lehrer, diese Projektstunden auf den Nachmittag zu legen, nicht sehr ausgeprägt sei. „Vormittags ist es für uns als Verein allerdings auf Dauer nicht zu machen. Wir sind alle berufstätig.“
Offenbar gebe es auch Befürchtungen, dass die Kinder das Erlernte dazu nutzen könnten, um willkürliche Rangeleien auf dem Schulhof anzuzetteln. „Genau das würde aber nicht passieren“, versichert Karslioglu, „wir lehren sie, Regeln zu achten.“ Ringen sei ein Sport, der auch das Sozialverhalten übe.
Gesundheitsprävention ist das andere Thema in Zeiten, in denen immer mehr Kinder unter Übergewicht leiden. Doch selbst, wenn die Pfunde schon drückten, sei der Uralt-Sport aus der Antike ein ideales Betätigungsfeld. „Ringen kann man auch mit Übergewicht. Man ist eventuell unter seinesgleichen, das hilft, Komplexe abzubauen. Außerdem lernt man, mit seinem Gewicht umzugehen“, weiß Karslioglu, der die geringe öffentliche Akzeptanz seines Sports in Deutschland nicht verstehen will: „Genau drei deutsche Ringer werden nach London zu Olympia geschickt. Das ist ein Armutszeugnis.“

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