„Doc" verlässt das Domgymnasium
FULDA Nach 33-jähriger Tätigkeit wurde Dr. Karl-Heinz Mehner alias „Doc" am Domgymnasium verabschiedet.
„Hast Du schon den Neuen gesehen?“ Es spricht sich rum wie ein Lauffeuer am Domgymnasium. Sport und Chemie soll er geben, jung und dynamisch soll er sein und von der Optik her ein Hingucker. Nach ausgiebigen Recherchen über sein Privatleben – stammt aus dem Kreis Marburg, hat dort Abi gemacht, studiert und in Chemie promoviert, wurde mit dem ASC Darmstadt deutscher Mannschaftsmeister in der Leichtathletik – steigt er besonders in der Achtung der sportbegeisterten Schülerinnen und Schüler. Zwei Zahlen verdeutlichen dies: 10,9 Sekunden über die 100 Meter und 7,48 Meter im Weitsprung – der Mann ist ein Leichtathletik-Genie mit so unglaublich strahlend blauen Augen. Das ist jetzt 33 Jahre her. Und seit vergangenem Freitag ist er Geschichte, ist die Fuldaer Rabanus-Maurus-Schule um eine schillernde Lehrerpersönlichkeit ärmer: Oberstudienrat Dr. Karl-Heinz Mehner, von Schülergenerationen liebevoll und anerkennend „Doc“ genannt, wurde in den Ruhestand verabschiedet. „Ich persönlich schätze ihn – wie es sicher viele von Ihnen auch tun – wegen seiner verlässlichen, loyalen und belastbaren Art. Nur so gelingt Zusammenarbeit – nicht nur im Sport“, charakterisiert ihn Schulleiter Matthias Höhl in seiner Laudatio und fügt an: „Karl-Heinz Mehner ist sehr sensibel für das, was in Schülern vorgeht, auch wenn man das manchmal erst auf den zweiten Blick merkt!“
33 Jahre im Amt
In Erinnerung bleiben 33 Schülergenerationen sicherlich seine kernigen Sprüche. Aber auch, dass man sich quälen muss, um was zu erreichen, dass man durchhalten muss und das Ziel nicht aus den Augen verliefen darf. Sport ist und war seine Passion. Mehner selbst brachte es auf elf Hessentitel in der Leichtathletik und war dreimal deutscher Hochschulvizemeister. Als Funktionär leitete er von 1973 bis 1975 den Leichtathletik-Kreis Marburg. 18 Jahre lang fungierte er als Koordinator am Schulsportzentrum Fulda, brachte die Leichtathletik-Schulmannschaft des Domgymnasiums dreimal ins Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ nach Berlin, initiierte 2001 den ersten Fuldaer Stadt-Staffel-Lauf der Schulen, hatte maßgeblichen Anteil daran, dass das Domgymnasium das Prädikat „Partnerschule des Leistungssports“ erhielt und bereitete noch kurz vor seiner Pensionierung die Einrichtung der neuen Sportklasse für das kommende Schuljahr vor.
Dankesworte für den Sportlehrer
Was erfahren wir noch über „Doc“? Dass er beispielsweise Fan des 1. FC Kaiserslautern ist, dass er die komplette Fußball-Weltmeisterschaftsmannschaft von 1954 aufsagen kann – eine Kostprobe gab der 63-Jährige bei seiner Verabschiedung –, dass er von seinen Kolleginnen und Kollegen als „Urgestein“ mit „Urgewalt“ bezeichnet wird. Dankesworte sprachen Schulamtsdirektor Dr. Michael Imhof, Christian Redweik für die Sportfachschaft und den Personalrat, Renate Eller für die Chemiefachschaft, Pfarrer Heinz-Georg Henning als Vorsitzender des Schulelternbeirats und Schulsprecherin Julia Ruwe. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Big Band unter Leitung von Robert Klier und der Schulchor unter Sebastian Schwarz. Da sitzt er nun in der Aula seiner Schule, in der ersten Reihe wohlgemerkt, neben ihm Frau Ruth und Tochter Kathrin, Sohn Andreas, fehlt aus Studiengründen. Verabschiedungen seien ihm ein Greul, weckten in ihm „Vorbehalte und Unbehagen“. Feiern lasse er sich nicht gern. „Ich habe das getan, was ich tun musste“, sagt er kurz und knapp und bedankt sich dann doch. Bei denen, die „mich und meine lockeren Sprüche ertragen haben“, um – quasi zum Abschied – noch eine Kostprobe zu geben. „Ich habe versucht, aus Dünnbeinen und halben Hähnchen passable Athleten zu machen.“ Minutenlanger Beifall zeigt, dass er bei den Schülerinnen und Schülern mit seiner etwas unkonventionellen Art gut angekommen ist. Auch wenn der Leistungssport seinen Tribut gefordert hat, sein Körper einem Ersatzteillager gleicht, hat Karl-Heinz Mehner nichts bereut, würde es „immer wieder so machen“. Sprint und Weitsprung sind utopisch, Wandern, Schwimmen und Tennis stehen jetzt auf seinem Sportprogramm. Geblieben sind aber die strahlend blauen Augen.
Von Angelika Kleemann

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