Julian Hillenbrand will mit einer Hand in die Formel 1
Als unsere Zeitung 2008 bei dem Karttalent Julian Hillenbrand nachfragte, wie viele Pokale er denn schon sein Eigen nennen konnte, berichtete dieser stolz von 13 Stück. Jetzt stehen 44 im angebauten Regal zu Hause in Dipperz – doch ihr Besitzer hat noch lange nicht genug.
„Formel-1-Fahrer, oder zur Not auch DTM-Fahrer möchte ich mal werden“, formuliert der junge Rennfahrer seine Ziele. Mit acht Jahren nahm ihn ein Bekannter mit zum ADAC-Übungsplatz nach Dietershausen zu einem Probetraining im Kart. Für Julian keine Selbstverständlichkeit, denn er hat eine angeborene Behinderung: Seine linke Hand wurde im Mutterleib nicht richtig ausgebildet. Ein Handicap, das für den 13-Jährigen mitnichten eines ist. „Ich kann eigentlich alles, außer vielleicht Handstand oder Liegestütze“, erzählt Julian, der das Kart mit seiner rechten Hand lenkt und den linken Arm unterstützend einsetzt. Bei seinen ersten Runden funktionierte dies so hervorragend und machte dem Talent so viel Spaß, dass er kurz nach dem Probetraining bereits seine ersten Rennen im Slalom fuhr – mit Erfolg. Mehrere zweite Plätze belegen, dass der junge Rennfahrer seinen Kontrahenten ohne Handicap in Sachen Schnelligkeit und Geschicklichkeit in nichts nachsteht. Ganz getreu seinem Motto: „Ich will zeigen, was im Motorsport mit einer Hand möglich ist.“
„Seit diesem Jahr fährt Julian neben dem Slalom 2000 auch in der Rundstrecken-Serie ADAC-Dunlop-Kart-Youngster-Cup mit“, erzählt Vater Thorsten, der seinen Sohn als dessen Schrauber zu allen Rennen begleitet. Eine zeitaufwändige Angelegenheit: „Man muss zu hundert Prozent dahinterstehen. Bei 13 Rennwochenenden und zusätzlich noch Trainingslagern kann das schon mal an die Substanz gehen“, gibt er zu, fügt aber an, „dass man diese Zeit natürlich gern investiert“. Vor allem, wenn der Sohn es häufig mit Siegen und Podestplätzen belohnt. Bereits im dritten Rennen des Youngster-Cup fuhr der Siebtklässler einen unglaublichen Start-Ziel-Sieg ein. Ein Erfolg, den Vorbild Sebastian Vettel dieses Jahr sicherlich auch gerne eingefahren hätte. In der hessischen Slalom-Kartmeisterschaft belegt Hillenbrand im Gesamtklassement einen sehr guten dritten Platz, den er sich bereits vor dem Saisonfinale Anfang Oktober fest sichern konnte.
Autogrammkarten im Internet erhältlich
Dass solche Erfolge nicht ganz von selbst kommen, weiß Julian. Zweimal die Woche trainiert das Nachwuchstalent deshalb – für jeweils zwei Stunden –, um die optimalen Einstellungen am Kart zu finden. Unterstützt wird er dabei von seinen Sponsoren Duravit, Küche Perfekt Bug und dem Truck-Europameister Markus Oestreich, für dessen No-Limit-Racing-Team Hillenbrand auch fährt. Der attestierte seinem jungen Fahrer, dass dieser auch „mit zwei Händen seine Sache nicht besser machen könnte“. Bedenken, dass Julian etwas in dem bis zu 70 Stundenkilometer schnellen Kart passieren könnte, gibt es nicht.
Neben dem Kartfahren spielt Julian in der C-Jugend der SG Dipperz Fußball. Auch hierfür trainiert der Eintracht-Frankfurt-Fan zweimal die Woche und bestreitet natürlich auch Punktspiele. Trotz der vielen sportlichen Aktivitäten steht die Schule an erster Stelle. „Die schulischen Leistungen dürfen unter dem zeitaufwändigen Sport einfach nicht leiden“, sagt Mutter Nicole Hillenbrand und ergänzt: „Wir setzen Julian deshalb auch im Sport nie unter Druck. Ihm muss das einfach alles Spaß machen.“ Doch Julian ist auf der privaten Realschule des Bildungsunternehmens Dr. Jordan ein Leistungsträger. „Meine Lieblingsfächer sind Sport, Englisch und Spanisch“, erzählt er und verweist darauf, dass auch Sprachen im Motorsport nicht ganz unwichtig sind.
Überhaupt ist Julian bestens auf eine erfolgreiche Karriere im Motorsport vorbereitet. Zusammen mit Vater Thorsten hat er eine eigene Internetseite aufgebaut. Hier informiert er in Wort und Bild über sich und natürlich alle Rennergebnisse. Auch Autogrammkarten kann man von dem Nachwuchstalent schon bestellen. Eine Gelegenheit, die man nutzen sollte. Wer weiß schon, in welchem Formel-1-Auto Julian vielleicht einmal Platz nehmen darf.
Dieses Wochenende will Julian angreifen, wenn in Wolfhagen die Hessenmeisterschaft im Kart-Slalom ausgetragen wird, in der er an dritter Stelle liegt. Nächstes Jahr soll ihn dann ein World-Formula-Kart noch schneller machen – damit der Traum vom großen Sport keiner bleibt.
www.julian-hillenbrand.de
Von unserer Mitarbeiterin
Vanessa Polster

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