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23. April 2011



Tischtennis: Zwei Asse im Interview

Florian Leidheiser

Fulda
Torsten Mähner (17) und Michael Schneider (28). Zwei Generationen, zwei, die den Tischtennissport in der Region maßgeblich geprägt haben und prägen. Der eine holte erst vor einer Woche Silber und Bronze bei der Deutschen Meisterschaft der Jugend, der andere wurde 2010 Südwestdeutscher Vizemeister bei den Aktiven.

Mähner und Schneider errangen auf Landes- und Bundesebene beachtliche Erfolge – von den vielen Titeln im Kreis und Bezirk ganz abgesehen. Im Interview mit unserer Zeitung sprechen die Tischtennisasse über den Nachwuchs, 9:9 im fünften Satz und eine oft belächelte Sportart.

Wie oft kommt es vor, dass Ihr belächelt werdet, wenn Ihr erzählt, dass Ihr Tischtennis spielt?
Mähner: In der Schule kommt das schon vor. Da heißt es „Tischtennis ist kein richtiger Sport, da muss man sich eh nicht bewegen“. Die meisten wissen einfach nicht, was wirklich dahinter steckt.
Schneider: Ich sage dann immer, dass es der schnellste Ballsport der Welt ist, dann staunen die meisten.

Eure Namen stehen für Tischtennis-Spitzensport aus der Region. Wie schafft man es so weit nach vorn?
Mähner: Es geht nur durch regelmäßiges Training. Mit 9, 10 Jahren habe ich dreimal pro Woche trainiert, mit 14, 15 dann vier- bis fünfmal. Wichtig ist, dass man immer Spaß bei der Sache hat und gerne zum Training geht.
Schneider: Genauso wichtig ist das Umfeld. Wir stammen ja beide aus Tischtennis-Familien. Wenn du nicht die volle Unterstützung von den Eltern hast, wird es sehr schwierig. Da geht es ja schon beim Fahren los.

Was macht Eure Leistungsfähigkeit aus? Wie viel ist Talent, wie viel Arbeit?
Mähner: Schwierig zu sagen. Ich denke schon, dass ich ein gewisses Talent in die Wiege gelegt bekommen habe, aber man muss auch was daraus machen. Da steckt sehr viel Arbeit drin.
Schneider: Ich glaube, dass es viel mehr Spieler auch hier in der Region gibt, die das Talent haben, gut zu spielen. Vielleicht könnte es sogar fünf, sechs Mähners geben. Aber die werden vielleicht gar nicht erst entdeckt oder machen was anderes. Sebastian Kehl war auch ein sehr guter Tischtennisspieler und hat sich dann eben für den Fußball entschieden.

Dennoch: Wenn die Talente da sind, warum schaffen es so wenige Spieler aus der Region, zumindest landesweit für Aufsehen zu sorgen? Haben wir doch zu wenig gute Spieler oder stimmen die Voraussetzungen nicht mehr?
Mähner: Ich denke nicht, dass die Voraussetzungen schlechter sind. Ich habe früher zweimal im Verein trainiert und einmal im Kreisleistungszentrum. Das kann man heute immer noch machen. Und es gibt auch einige gute junge Spieler, zum Beispiel Fan Bo Meng oder Max Egner. Es kann nicht jedes Jahr einen neuen Topspieler geben.
Schneider: Du musst vor allem tischtennisverrückt sein oder tischtennisverrückte Eltern haben. Egal ob Timo Boll, Patrick Franziska oder Jörg Roßkopf: Es gibt kaum jemanden, der richtig gut wird, dessen Vater oder ein anderes Familienmitglied nicht schon gespielt hat. Nur einfach mal so werden die Talente nicht gefunden. Hier gibt es ja auch so viele Angebote, fast jedes Dorf hat einen Fußballverein.

Was können die Tischtennis-Abteilungen tun?
Schneider: Eine Möglichkeit ist, dass sich kleine Vereine zusammenschließen und Trainingsgruppen bilden. Das ist zwar müßig, aber du wirst nicht besser, wenn du immer nur mit den selben Leuten trainierst. Wenn aber 5, 6, 7, 8 gute Spieler regelmäßig miteinander trainieren, ziehen die sich gegenseitig hoch.

Torsten, du hast das Spielen in Eichenzell gelernt. Dort wird gute Jugendarbeit geleistet. Was ist das Besondere dort?
Mähner: Ich denke, dass das Konzept dort stimmt. Das Training ist gestaffelt, für Anfänger und Fortgeschrittene. Man kann auch am Erwachsenentraining teilnehmen, und die Jugendlichen werden bei den Erwachsenen eingebaut.

Stand mal die Alternative Profi-Spieler im Raum?
Mähner: Bei mir war das kein Thema. In der Nationalmannschaft hast du alle sechs Wochen einen Lehrgang in Düsseldorf. Da steht die Schule im Hintergrund, das wollte ich nicht. Wenn du von Tischtennis leben willst, musst du Bundesliga spielen. Aber dafür muss man sehr viel opfern. Das Risiko war mir zu groß und es sollte auch weiter Spaß machen.

War es für Euch die richtige Entscheidung, nicht auf ein Sportinternat zu gehen?
Mähner: Ich hatte mal eine Probewoche in Frankfurt. Da hast du neunmal Training pro Woche. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Ich hatte auch so viele Erfolge auf nationaler Ebene. Nach der Deutschen Meisterschaft am letzten Sonntag sind die Internatsspieler schon wieder zu einem Lehrgang nach Düsseldorf gereist. Ich brauche aber auch mal eine Pause, damit ich den Spaß nicht verliere. Boll oder Franziska waren auch nicht auf einem Internat. Für mich wäre es auch nicht das richtige gewesen. Ab und zu ein Lehrgang ja, aber ich wollte auch noch was anderes im Kopf haben.
Schneider: Ich hätte früher mal nach Kaiserslautern gehen können. Da wäre aber vieles andere auf der Strecke geblieben. Ich bereue es nicht.

Überrascht es Euch dann, dass Ihr häufig Spieler schlagt, die noch deutlich mehr trainieren?
Mähner: Es wundert mich schon, wenn ich jemanden schlage, obwohl der regelmäßig sieben-, achtmal pro Woche trainiert. Das zeigt mir aber, dass ich den richtigen Weg gegangen bin.
Schneider: Für mich war das immer eine Herausforderung, solche Spieler zu schlagen. Den Druck hat ja immer der andere. Mir sitzt da kein Trainer im Kreuz. Bei 9:9 war mir immer klar, wer gewinnt.

Apropos 9:9. Was denkt ihr bei dem Spielstand im fünften Satz?
Mähner: Ich versuche, das auszublenden, stelle mir vor, es steht 5:5. Ein richtiges Rezept habe ich nicht. Ich versuche, Stärke zu zeigen, um sich selbst die Nervosität nicht ansehen zu lassen.
Schneider: Wichtig ist doch, dass du am Anfang des fünften Satzes schon da bist, damit es erst gar nicht zum 9:9 kommt. Das ist dann oft wie beim Elfmeterschießen im Fußball, wo der Glücklichere gewinnt.

Ihr habt in eurer bisherigen Laufbahn häufiger gewonnen als verloren. Musstet Ihr lernen, mit Niederlagen umzugehen?
Schneider: Das muss man. Da müssen gerade Trainer eine Vorbildfunktion haben. Wenn du alles gewinnst, steigt dir das zu Kopf. Nach Niederlagen analysiert man: Woran hat es gahapert? Dadurch lässt sich das Spiel auch verbessern.
Mähner: Zunächst einmal bin ich nach jeder Niederlage enttäuscht. Man muss aber auch sehen, auf welchem Niveau man verloren hat und welche Ziele vorher schon erreicht wurden. Ich analysiere nicht direkt nach einem Spiel, sondern ein Tag später. Mit etwas Distanz fragt man: Was habe ich falsch gemacht, was kann ich besser machen?.

ZUR PERSON
Michael Schneider (28) unternahm bereits als Vierjähriger erste Tischtennis-Gehversuche. Sein erster Verein war FT Fulda, es folgten Stationen in Niesig, Horas, Maberzell, Flieden und Stadtallendorf. Derzeit spielt der Familienvater und Doppelspezialist wieder beim FV Horas.
Größte Erfolge:
Einzel: Südwestdeutscher Vizemeister 2010, Hessischer Ranglistensieger 2009, Südwestdeutscher Meister Doppel 2006, Hessischer Vizemeister Einzel und Hessenmeister Doppel 2006, Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften 2010.
Mannschaft: Zweimaliger Aufstieg in die Oberliga mit dem FV Horas (mit zwei komplett anderen Teams) 1999 und 2010. Regionalliga-Klassenerhalt mit dem TTV Stadtallendorf 2008, Vizemeister Zweite Bundesliga mit Maberzell 2004.
Stärken:
Spielübersicht, Rückhand, passives Spiel
Spielstil:
abwartendes Angriffsspiel

Torsten Mähner (17) lernte beim TLV Eichenzell das Tischtennisspielen und sammelte schnell Erfolge. 2007 wechselte er zum TTC Maberzell, spielte dort zunächst in der Hessenliga. 2009 stieg er mit dem TTC in die Zweite Bundesliga auf. In dieser Saison wurde Mähner, der auch Mannschaftsführer ist, mit Maberzell erneut Regionalligameister. Der Abiturient kam sogar schon in der Champions League zum Einsatz.
Größte Erfolge:
Einzel: 3. Platz Deutsche Jugendmeisterschaften Einzel, 2. Platz Doppel 2011, 4. Platz DTTB Top 48 2010 Jugend, 2. Platz Deutsche Schülermeisterschaften Doppel 2008, 1. Platz DTTB Top 16 Schüler 2007, 2. Platz DTTB Top 48 Schüler 2007, 3. Platz Deutsche Schülermeisterschaften Einzel 2007.
Mannschaft: Zweimal Regionalliga-Meister mit Maberzell und Aufstieg in die Zweite Bundesliga.
Stärken:
Vorhand-Topspin
Spielstil:
variables Angriffsspiel




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