Spannung beim Stab-Hochsprung in der Schule
FULDA „Ich hatte immer ein merkwürdiges Gefühl im Bauch“, erklärt Sophie Heil (16) aus Schweben nach ihren ersten „Flugversuchen“. Stabhochsprung steht seit neuestem auf dem Stundenplan der Klasse 10 d der Rabanus-Maurus-Schule.
Die Idee dazu hatten Studienrat Bastian Michel (30) und seine drei Jahre jüngere Kollegin, Referendarin Eva-Maria Hohmann.
Die heute 27-jährige Eichenzellerin ist in Sachen Leichtathletik in ihrem Element: 1997 belegte sie unter ihrem Mädchennamen Hofmann die Plätze eins und drei der deutschen Bestenliste im Weitsprung und 100-Meter-Lauf. 5,93 Meter weit sprang sie mit 15 Jahren nach jahrelangem Training – heute bringt sie Schülern bei, höher zu springen als sie groß sind.
„Im Vergleich zum klassischen Sportunterricht ist Stabhochsprung ein besonderes Wagnis“, betont Hohmann. „Ein Sprung – oder besser: das Fliegen – ist ein besonderes Bewegungserlebnis, das Mut und Überwindung erfordert.“ Doch sie und ihr Kollege Michel gehen auf jeden Schüler ein: „Jeder hat die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad zu wählen, den er sich zutraut oder der ihn herausfordert“, sagt Hohmann.
„Neue Erfahrungen“
„Es war eine schwierige Bewegungsfolge, aber es hat meine Bewegungskoordination verbessert“, sagt Katharina Zentgraf (16) aus Künzell-Bachrain. Auch der 16-jährige Marcel Schwab berichtet nach seinen Sprüngen von „neuen Erfahrungen“. Damit die nicht schmerzhaft enden, legen die jungen Lehrer viel Wert auf Sicherheit; nach einiger Zeit geben sich die Schüler gegenseitig Hilfestellung. Bevor es dann tatsächlich mit Anlauf über die Sprunglatte geht, werden alle Teile des Bewegungsablaufs – vor allem der ungewohnte Umgang mit dem Stab – in Trockenübungen durchgespielt. Die ganze Klasse sitzt auf den dick gepolsterten Matten und hört zu, wenn Hohmann und Michel kleinere Fehler beim „Vorturner“ korrigieren – schließlich will niemand unsanft landen.
Wenn die ersten Sprünge gelingen und bald schon an der Haltung gefeilt wird, werden laut Hohmann „Selbstständigkeit, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie Verantwortungsbewusstsein“ gefördert. Und es motiviert für das nächste Mal.
Für die 10 d ist nun nach sechs Doppelstunden Schluss mit dem Experiment Stabhochsprung. Michel und Hohmann haben ihre zwölf Stäbe ein- und im Sportunterricht anderer Klassen wieder ausgepackt.
Wie ist das Fliegen über die Sprunglatte denn nun? „Anders halt“, sagt der Fuldaer Michael Bastian (17). Aber das Gefühl im Bauch muss man wohl selbst erleben.
tjo

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