Wasserball: Torwart Novac Jelic baut an seinem neuen Leben
Von Angelika Kleemann
Fulda
Novac Jelic ist Profi durch und durch. Verlieren – nicht mit ihm. „Das Wort habe ich aus meinem Sprachgebrauch gestrichen“, sagt der 26-jährige Wasserballtorwart.
So soll es bleiben. Auch am Samstagabend, wenn die Wasserfreunde Fulda im Sportbad Ziehers (19 Uhr) zum Spitzenspiel der Zweiten Liga Süd den Bundesligaabsteiger Leimen/Mannheim erwarten. Novac Jelic – auf ihm lasten große Hoffnungen der Wasserfreunde. In diesem Jahr soll es endlich mit dem Bundesligaaufstieg klappen. Und was der Ex-Nationalspieler aus Montenegro und Olympiateinehmer am vergangenen Wochenende beim klaren 23:12-Auswärtserfolg in Ludwigsburg gezeigt hat, war schon erste Sahne. Allerdings für Jelic nur bedingt. „Das waren nur 60 Prozent meines Leistungsvermögens“, sagt Jelic.
Doch ist er zuversichtlich, in zwei Monaten bei 100 Prozent zu sein. In Montenegro ist Wasserball Nationalsport. Jelic war Profi, trainierte täglich zweimal drei Stunden. „Montenegro ist zwar ein kleiner Staat mit nur 625.000 Einwohnern, doch die sechs Mannschaften der Ersten Liga spielen auf einem sehr hohen Niveau. Da kommt in Deutschland höchstens Spandau Berlin mit“, erzählt Jelic. Mit seinem damaligen Verein V.A. Cattaro gewann er vor zwei Jahren die Champions League und kam in der Welt schon ordentlich rum. Eine Beinverletzung zwang den Torwart zu einer einjährigen Pause. Jetzt befindet er sich in der Aufbauphase. Und da sein Stammverein die Mannschaft umstrukturierte und neu aufbaute, suchte Jelic eine neue Herausforderung. „Ein Bekannter von mir spielt in der Bundesliga und hat den Kontakt zu den Wasserfreunden hergestellt“, erzählt Jelic. Seinen neuen Verein bezeichnet er als „Glücksgriff. Das sind alles klasse Typen, hilfsbereit und sehr nett. Keiner hat Starallüren, und die Mannschaft ist noch steigerungsfähig.“
Seit dem 2. Januar lebt und trainiert Novac Jelic in Fulda. Sein Vertrag bei den Wasserfreunden ist erst einmal auf ein halbes Jahr befristet. Doch sieht der Wasserballer seine Zukunft und die seiner kleinen Familie – via Skype kommuniziert er täglich mit seiner Frau und seinem sieben Monate alten Sohn – in Deutschland. Vielleicht auch in Fulda? „Ich bin für alles offen“, sagt Jelic, für den ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnt: Abschied vom Profitum. Einen Beruf hat der 26-Jährige zwar nie ausgeübt, sich allerdings in der Schule Kenntnisse in der Betriebswirtschaft und im Management angeeignet. Als Sportmanager oder Trainer zu arbeiten, kann er sich deshalb gut vorstellen. Derzeit trainiert Jelic dreimal in der Woche den jüngsten Nachwuchs der Wasserfreunde.
Ungewohnt für ihn ist sein neuer Tagesablauf schon. Denn nur am Dienstag stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. „Ich habe viel Freizeit, das ist wie Ferien“, erzählt er lachend und freut sich schon, wenn am 22. Februar endlich die Schule losgeht. „Dann habe ich jeden Morgen vier Stunden Deutschkurs.“ In einem halben Jahr will er das mit der deutschen Sprache auf der Reihe haben. Auch hier zeigt sich der Profi in ihm, denn Jelic ist extrem ehrgeizig und trainingsfleißig. Defizite sieht er derzeit noch in seiner Fitness. „Während meiner Verletzung habe ich 20 Kilo zugenommen. Einiges ist zwar schon weg, aber zehn Kilo weniger müssen es noch werden“, sagt er allen Ernstes. Da fragt man sich zwar wo, aber Jelic erklärt: „Als Torwart brauchst Du Sprungkraft und musst schnell sein, das ein oder andere Kilo mehr behindert enorm.“ Denn Jelic will wieder an die Form seiner Glanzzeiten anknüpfen. „Dann hätte ich in Ludwigsburg drei bis vier Tore mehr gehalten“, mutmaßt er.
Begeistert von seinem Neuzugang ist auch Fuldas Trainergespann Andreas Hohmann/Volker Schunke. „Novac ist trainingsfleißig, passt gut in die Mannschaft und ist die wertvolle Verstärkung, die wir erhofft haben.“ Die Wasserfreunde träumen schon von einer längerfristigen Bindung. „Den ketten wir an“, witzelt Hohmann.

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