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11. Januar 2012



Budenzauber steht einmal mehr vor dem Aus

Von Christian Appel

Schlüchtern
Enttäuschung, Unmut, Schuldzuweisungen. Schlüchterns wichtigste Sporthalle ist zur Schönwetterhalle verkommen. Die eingeschränkte Nutzbarkeit betrifft Schulen und Sportvereine gleichermaßen.

Das Dach der Schlüchterner Großsporthalle „In den Sauren Wiesen“ ist löchrig. Während starker Regenfälle lief vergangene Woche Wasser auf das Feld (die KN berichteten). An mehreren Stellen sammelten sich Pfützen, an Sport war wegen Rutschgefahr nicht zu denken, Veranstaltungen fielen aus. An diesem Zustand wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Mittlerweile ist der Boden wieder trocken, das Dach aber weiter undicht.

„Es läuft auf eine Grundsanierung hinaus“, meint der Pressesprecher des Main-Kinzig-Kreises, John K. Mewes. Der Kreis zeichnet als Träger für den Zustand der in den 1970er Jahren erbauten Halle verantwortlich. „Die Dachsanierung war sowieso im kommenden Sommer geplant. Das Wetter hat den Plan durchkreuzt“, so Mewes. Im zuständigen Kreisamt für Schulwesen, Bau- und Liegenschaftsverwaltung werde derzeit geprüft, inwiefern die Sanierung samt Ausschreibungsverfahren vorgezogen werden könne. Ebenso sei für die Übergangszeit eine „kurzfristige Lösung“, etwa in Form eines Notdachs, im Gespräch.

Dach kostet 600.000 Euro

Wie auch immer, Aktivitäten in der Halle sind vorerst nicht langfristig planbar. Unmittelbar davon betroffen sind die Handballspiele der HSG Kinzigtal und die Hallenfußballkreismeisterschaften. Der erste von fünf Spieltagen ist bereits sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Bereits im Vorjahr wurde der Budenzauber abgesagt, als die Halle wegen enormer Schneelasten auf dem Dach wochenlang gesperrt war. Die nun für Samstag, 14. Januar, vorgesehene zweite Vorrundengruppe hat Kreisfußballwart Rainer Grammann gestern ebenfalls abgesetzt. „Wir könnten zwar spielen, aber das ist mir zu unsicher“, sagt Grammann, der eine Verlegung in eine andere Halle ausschließt. Denkbar wäre eine Austragung in Steinau, Salmünster, Freiensteinau oder Grebenhain, da dort ausreichend große Spielfelder existieren. „Das geht kurzfristig aber nicht, da die Hallen belegt sind. Und Grebenhain ist zu weit weg; da beschweren sich die Vereine, und es kommen keine Zuschauer“, glaubt Grammann.

Im Kreisfußballausschuss wird nun die Möglichkeit durchgespielt, die beiden Termine an den Vorrundenspieltag des 21. und 28. Januar in Schlüchtern morgens vor den dann angesetzten Gruppen Nummer drei und vier nachzuholen. Dass es dazu kommt, erscheint allerdings mehr als fraglich. Die Errichtung eines Notdaches mittels einer zeltähnlichen Konstruktion käme extrem teuer. Experten beziffern eine solche Maßnahme für eine Fläche mit 1400 Quadratmetern wie die des Großsporthallendaches auf einen gut und gerne sechsstelligen Betrag.  Bei einem veranschlagten Gesamtvolumen von 600 000 Euro zur Sanierung des Daches im Sommer kann es als unwahrscheinlich angesehen werden, dass der Main-Kinzig-Kreis einen solchen Aufwand betreiben wird, um die Monate bis dahin zu überbrücken.

Die HSG Kinzigtal hat jedenfalls bereits reagiert. Die nächsten Spiele, die in Schlüchtern hätten stattfinden sollen, sind nach Salmünster verlegt, da der zweite Heimspielort, die Steinauer Halle „Am Steines“, von den Karnevalisten in Beschlag genommen wird. „Ganz blöd kann es sich auf den Trainingsbetrieb in Schlüchtern auswirken, da wir in den Wintermonaten, wenn alle anderen Vereine auch in die Halle gehen, eh schon sehr eingeschränkt sind“, gibt HSG-Vorstandsmitglied Angelika Euler zu bedenken.

Grammann: Eine Frechheit

Auch die Schüler der Stadtschule und der Kinzigschule, deren Sportunterricht „In den Sauren Wiesen“ stattfindet, müssen derzeit flexibel sein. „Wir treffen situative Entscheidungen. Zur Not gehen Schüler und Lehrer zum sporttheoretischen Unterricht in die Klassenräume“, erklärt Hilmar Fleck, Schulleiter der Stadtschule Schlüchtern.
Geteilte Meinungen herrschen darüber, wie die ganze Malaise hätte vermieden werden können. „Das Dach war schon vor fünf Jahren marode. Jeder wusste, dass da eine Zeitbombe tickt“, macht Kreisfußballwart Grammann, selbst jahrzehntelang als Sportlehrer in der Halle aktiv, seinem Unmut Luft und fügt an: „Es ist eine Frechheit, dass der Kreis die Sache einfach aussitzt.“

Auch Schulleiter Fleck bestätigt, seit längerem bei der jährlichen Begehung der Halle die Kreisverantwortlichen auf die Problematik aufmerksam gemacht zu haben. Dass bisher nichts geschah, erklärt sich Schulleiter Fleck mit der Finanzsituation in Kreis und Land: „Genauso schnell, wie seinerzeit zahlreiche Hallen gebaut wurden, kumuliert sich jetzt halt der Sanierungsbedarf. Über Prioritäten steht es mir aber nicht zu, zu urteilen.“

Auf eben solche Prioritäten verweist der Main-Kinzig-Kreis. „Zwischen Sinntal und Maintal haben wir 102 Schulen und über 80 Sporthallen. Da läuft jede Menge auf. Und nur weil mal ein Loch im Dach ist, muss ja nicht gleich saniert werden. Wir müssen Prioritäten setzen, und da steht Schlüchtern eben im Sommer oben auf der Liste“, sagt Pressesprecher Mewes.

Kreisfußballwart Grammann geht aber noch einen Schritt weiter: „Wenn so etwas im Raum Gelnhausen oder Hanau passieren würde, dann würde sich das dort niemand gefallen lassen. Beim Kreis ist man wohl der Ansicht, dass man es mit uns hier oben so machen kann.“ Mewes nennt einen solchen Vorwurf „völlig absurd und unbegründet“.

Eine ganz andere Stoßrichtung nimmt der Vorsitzende des Sportkreises Schlüchtern, Helmut Meister. Er erinnert an den zweimal gescheiterten Bau einer neuen, großen Sporthalle in Schlüchtern, mit dem die aktuelle Diskussion wohl überflüssig geworden wäre. 2001 scheiterte ein Bürgerentscheid für einen Neubau; 2009 lehnte es die Mehrheit der Schlüchterner Stadtverordneten ab, zu Mitteln des Kreises und des damaligen Konjunkturpaketes ein Drittel aus dem Stadtsäckel beizusteuern. „Diese Chancen sind nun vertan“, so Meister.






Leser-Kommentare ( 2 )
  • Fussballprofi (11) | 13. January 2012;13.01.2012;1326449889 --> 13 Januar 2012
    Dachschaden

    Man kann einfach nur noch den Kopf schütteln über diesen seit langen bekannten Dachschaden.
    Ich frage mich wenn WIR 130 Milliarden für die Euro rettung haben , dann sind 600000 € doch nur ein Sandkorn für unser Land oder ?????

  • pendler (43) | 13. January 2012;13.01.2012;1326437785 --> 13 Januar 2012
    ja, ja, das Wetter...

    Zitat:„Die Dachsanierung war sowieso im kommenden Sommer geplant. Das Wetter hat den Plan durchkreuzt“, so Mewes." Tja, wer konnte DAS auch ahnen: es regnet und schneit womöglich und dies noch vor dem Sommer 2012. Das Wetter spielt völlig verrückt: der Klimawandel ist bewiesen!...Aber jetzt bitte einmal ernsthaft, wo lebt Herr Mewes, um solch eine Aussage zu machen? Das Hallendach ist seit Jahren ähnlich marode, wie das Politikergerede von Herrn Mewes.