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2. Februar 2012



Fußball: Ex-Sodener Joachim Härtel bei Chemie Leipzig

Von Ralph Kraus

Leipzig
In eine völlig neue Fußballwelt ist Joachim Härtel eingetaucht: Statt Tristesse an der Bornwiese erlebt der ehemalige Torhüter der SG Bad Soden nun Euphorie pur. Bei seinem neuen Club Chemie Leipzig wird Fußball noch gelebt.

Der 26-Jährige aus Oberkalbach hat sich einen echten Traditionsverein ausgesucht. Die BSG-Chemie war 1951 und 1964 DDR-Meister und gilt als Arbeiterverein. Die Liebe der Fans und der Hang zur Tradition sind immer geblieben. Offiziell hieß der Club später dann zwar Sachsen Leipzig, aber im Herzen trugen die Anhänger immer den Namen Chemie. Zum letzten Mal hat der Verein 1993 ans Tor zum großen Fußball geklopft. Allerdings verweigerte der Verband aus finanziellen Gründen die Lizenz und damit die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Zweiten Bundesliga. Nach zwei Insolvenzen ging Sachsen Leipzig vor gut einem Jahr endgültig kaputt, der Verein wurde am 30. Juni 2011 aus dem Vereinsregister gelöscht.

Weil die Macher aber clever reagierten und von Blau-Weiß Leipzig die Spielrechte übernahmen, musste die neue, alte BSG Chemie nicht von ganz unten wieder anfangen, sondern startete gleich in der Landesliga Sachsen. Das entspricht der sechsten Liga, also den hiesigen Verbandsligen.

Und dennoch ist fast alles anders. „Ende November beim Spiel gegen Leipzig-Leutzsch kamen 2700 Zuschauer“, lacht Härtel, der mit seinem Team nun im altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark spielen wird. „Das ist ein altes, reines Fußballstadion und hat – glaube ich – so um die 16 000 Zuschauer Fassungsvermögen.“

Wie verrückt die Leipziger Fans sind, davon konnte sich Härtel bereits selbst ein Bild machen. Bei seinem ersten Einsatz vergangenes Wochenende gegen den Regionalligisten Zipsendorfer FC Meuselwitz (1:3) kamen zu einem Testspiel fast 300 Leute und damit fast dreimal so viele, wie sich im Durchschnitt Heimspiele der SG Bad Soden anschauen. „Die Zuschauerzahl an sich war schon gut. Aber was die Fans hier während des Spiels abziehen, ist der Hammer. Da gibt es durchweg Fangesänge. So kenne ich das überhaupt nicht“, schwärmt der Oberkalbacher Keeper.

Der Wechsel zum Rekordhalter des DDR-Fußballs (1956 sahen 100 000 Zuschauer im alten Zentralstadion das Spiel gegen Rotation) kam durch einen Bekannten zustande. „Zunächst hatte ich mich bei einem anderen Verein fitgehalten und mittrainiert. Dann habe ich mich ein bisschen informiert und bin so auf die BSG Chemie gekommen“, erläutert Härtel.
Wie lange der Student bei den Grün-Weißen spielen wird, ist noch offen. „Ich mache gerade meinen Master. Deshalb war ich letztes Jahr lange in Lyon in Frankreich und bin nun für ein Jahr in Leipzig. Das geht bis August. Was danach kommt, weiß ich noch nicht“, so Härtel, der sich mit zwei Konkurrenten um den Platz zwischen den Pfosten streiten wird.

Der erste Eindruck vom Fußball in Leipzig ist sehr gut: „Wir trainieren schon seit dem 16. Januar und sind heute bei der 16. Einheit angekommen“, sagte Härtel gestern. „Wenn ich die Intensität und das Niveau vergleiche, dann muss ich sagen, dass aus unserer Verbandsliga viele Spieler Probleme hätten, bei Chemie mitzuhalten. In der Verbandsliga Nord würde Chemie sicher zu den absoluten Topteams gehören.“ So aber gibt es noch viel Arbeit für Chemie. Denn in der Landesliga Sachsen ist der Verein zur Winterpause lediglich auf Rang neun zu Hause.






Leser-Kommentare ( 7 )
  • masovingo3 (3) | 3. February 2012;03.02.2012;1328284989 --> 03 Februar 2012
    "gelebter" Fußball oder "gelebte" Tristesse ?

    Nach den Rücktritten von Präsident und Nachwuchs-leiterbefindet sich die BSG in einer Führungs-krise.Der Vorgängerverein (Sachsen Leipzig) musste zweimal Insolvenz anmelden und wurde aus dem Vereinsregister gestrichen. Das ist Tristesse !Dass BSG „Fans“ bereits wiederholt an Ausschreitungen beteiligt waren, wird ebenfalls ausgeklammert; das passt ja schließlich nicht in die“ rosa-rote“ Leipziger Fußball-Welt des Autors . Wenn „gelebter“ Fußball so aussieht, dann „Gute Nacht“.

  • masovingo3 (3) | 3. February 2012;03.02.2012;1328260334 --> 03 Februar 2012
    Tristesse

    Der Stadion hat ein Fassungsvermögen von 18.000 Zuschauern; Herr Kraus verschweigt den Lesern allerdings, dass das Stadion in einem baufälligen und maroden Zustand ist und wegen Sicherheitsauflagen die Kapazität zur Zeit auf 4.999 Zuschauer beschränkt ist. Die 2.600 Zuschauer im Lokalderby gegen Leutsch waren ein absoluter „Ausreißer“. Durchschnittlich verlieren sich 1.300 Zuschauer in einem baufälligen Stadion, das ursprünglich für 18.000 Zuschauer ausgelegt war. Das ist Tristesse !

  • unbekannt (1) | 2. February 2012;02.02.2012;1328215609 --> 02 Februar 2012
    Fehler

    Ihr verwechselt da was. Dieser Verein hat mit der alten "BSG Chemie Leipzig" absolut nichts zu tun. Das ist ein Verein, der lediglich durch einen "Namensraub" sich als Nachfolger des DDR Meisters von 1951 und 1964 darstellt. Der eigentliche Nachfolger nach der BSG und dem FC Sachsen ist die Sportgemeinschaft Leipzig Leutzsch und die spielen im Leutzscher Holz, im Alfred-Kunze-Sportpark, der den Namen unseres Meistertrainers trägt.Danke für euer Verständnis.