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23. Februar 2012



Radsportler Alfred Lotz hat fünfmal die Erde umrundet

Von Oswald Leibold

Schlüchtern
Alter schützt vor Ausdauersport nicht. Bestes Beispiel dafür ist der 75-jährige Alfred Lotz, der aktuelle Vereinsmeister im Radtourenfahren (RTF) der Abteilung Radsport des TV Schlüchtern.

100 Punkte hat Lotz in Verlauf der Saison 2011 von Mitte März bis Mitte Oktober bei Fahrten im Rhein-Main-Gebiet und im Raum Fulda/Bad Hersfeld mit seinem Rennrad gesammelt. 3762 Kilometer legte er dabei zurück. Mit dieser stolzen Leistung distanzierte er seinen Vereinskollegen Günther Stoltze, der ebenfalls auf 100 Punkte kam, um exakt 16 Kilometer und wurde von Abteilungsleiter Wolfgang Lotz zum Vereinsmeister gekürt. Auch in der vereinsinternen „ewigen Bestenliste“ im Radtourenfahren liegt Lotz an der Spitze: 1928 Punkte sind dort vermerkt, und auch hier klebt ihm Günther Stoltze mit nur zwei Zählern weniger dicht am Hinterrad. Radfahrende Jungspunde im Verein, die von Alters wegen Söhne von Alfred Lotz sein könnten, folgen weit abgeschlagen.

Der Radsport besitzt für Alfred Lotz den Stellenwert einer Lebensphilosophie. Zahllose Radsportreportagen sind auf DVD gebannt. In einer Glasvitrine türmen sich fast schon Pokale, Medaillen und Auszeichnungen. Anhand unzähliger Zeitungsberichte aus den Kinzigtal Nachrichten vermag er lückenlos seine Radsportlaufbahn nachzuvollziehen.
Das Lotzsche Radsportjahr ist akribisch geplant und strukturiert. Im Monat März entflieht der Senior dem deutschen Winter gen Mallorca. Seit nun 14 Jahren hat er dort in Alcudia sein Trainingslager zur Saisonvorbereitung aufgeschlagen und rund 15 000 Kilometer der „Putzfraueninsel“ erkundet. „Mehrfach habe ich dort mit der Radsportlegende Gustav „Täve“ Schur Trainingstouren gefahren“, berichtet Lotz. Gerne erinnert er sich auch an die Teilnahme am Pro-Tour-Rennen „HEW-Cyclassics“ 2005 in Hamburg. Die 100 Kilometer absolvierte der damalige „Fast-Siebziger“ in der blendenden Zeit von 2:59 Stunden.

9140 Kilometer in einem Jahr - im Alter von 75

Radtourenfahren
Saison: Mitte März bis Mitte Oktober; Veranstaltungen bundes- und hessenweit an Wochenenden und an Feiertagen. Termine stehen im Breitensportkalender.
Permanente Radtouren: Unter der Woche fahrbare Punktewertung: 41-70 km: 1 Punkt 71-110 km: 2 Punkte 111-150 km: 3 Punkte
ab 151 km: 4 Punkte
Touren in der Nähe:
„Saisonstart in Hessen“ Anfang März; Nikolaus-Crosstourenfahrt Anfang Dezember, beide in Schlüchtern.
Doch ausdauerndes Radfahren über Distanzen von 100 Kilometern und mehr ist nicht das einzige Steckenpferd von Lotz, sondern auch das Einzelzeitfahren. So hat er im thüringischen Kaltennordheim bereits viermal das Anfang Oktober stattfindende Bergzeitfahren seiner Altersklasse gewonnen. Beim jährlich am 1. Mai startenden Flachzeitfahren reichte es an gleicher Stelle zu einem Sieg, einem zweiten Platz und zwei dritten Rängen.

Wer wie Alfred Lotz Radsport liebt, der setzt sich nicht nur mit verständnislos hupenden Autofahrern im Verkehr sondern auch mit Zahlen auseinander. Und davon hat er einige auf Lager: Seit 28 Jahren geht er für die Abteilung Radsport des TV Schlüchtern bei Radtourenfahrten auf Punktejagd, hat dabei – seine Trainingskilometer mit eingeschlossen – 212 000 Kilometer im Rennradsattel zurückgelegt und somit mehr als fünfmal den Erdball umrundet.

Selbst im Jahr seines 75. Geburtstages hat es Lotz noch auf stolze 9140 Kilometer auf dem Rad gebracht. Längst hat er mit 1928 RTF-Punkten jene Marke von 1500 Punkten geknackt, die die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Radfahrer, „Gold mit Eichenkranz“, rechtfertigt.

Ans Aufhören denkt Alfred Lotz noch lange nicht. Bei miesem Wetter wirbeln die Pedalen des Heimtrainers in der Garage. Über Knieschmerzen klagt Lotz nur dann, wenn er tagelang die Radsportbeine ruhen ließ. Mit seinem 16-jährigen Enkel unternimmt er auch schon mal die eine oder andere Trainingstour. „Am Berg fährt er mir davon, aber in der Ebene kann ich noch gut mithalten“, lacht der leidenschaftliche Radsportler.






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