SG Vollmerz holt drei Kicker von der Insel
Von Christian Appel
Derby/Vollmerz
Ein Hauch von Champions League weht durch die C-Liga Schlüchtern Ost. Thomas Varrel, ehemaliger U-16-Spieler des FC Chelsea, hat sich mit zweien seiner Freunde für die Dauer eines Deutschlandaufenthaltes der SG Vollmerz angeschlossen.
Die Delegation eines deutschen Clubs setzt sich in einen Flieger nach England. Auf der Insel angekommen unterzeichnen die Unterhändler mit einem Nachwuchstalent des FC Chelsea Wechseldokumente, derweil wird in der Heimat schon die Unterkunft für den Kicker organisiert. Die Geschichte handelt von einem Bundesligaclub? Mitnichten – den spektakulären Transfer hat ein Verein aus der C-Liga Schlüchtern Ost eingefädelt: die SG Degenfeld Vollmerz.
Thomas Varrel (23), der bis zur U 16 für Champions-League-Finalist FC Chelsea gespielt hat, weilt seit Mittwoch im Bergwinkel. Er hat in Begleitung der Zwillinge Andrew und Jason Findley (23) die Reise nach Hessen angetreten. Alle drei werden für Vollmerz die Fußballschuhe schnüren. „Thomas hat mit 16 Jahren wegen kaputter Knie aufgehört, intensiv Fußball zu spielen.
Jetzt ist er nur noch in der Unimannschaft aktiv“, weiß Sebastian Kolb, Jugendleiter der SG Vollmerz. Varrels Team habe die Uniligameisterschaft gewonnen, und Varrel werde jetzt in England offiziell als Profi eingestuft. „Thomas hat letztes Jahr sogar ein Angebot von einem englischen Zweitligaclub bekommen, obwohl er gar nicht so richtig spielen will“, ergänzt Kolb. Die Findley-Zwillinge seien zwar reine Freizeitfußballer, aber „richtig gute Kicker, bei denen es für die C-Liga allemal reicht“, meint Kolb.
Zum Bedauern der Degenfelder wird das Engagement der Briten allerdings nur von kurzer Dauer sein. Am 20. Mai geht der Flieger zurück Richtung Heimat, dann wird weiter gebüffelt. Die drei Fußball-Touristen studieren nämlich in Derby, 20 Kilometer vor den Toren von Nottingham, International Business. Dort haben sie sich mit ihrem Studienkollegen Lawrence Szimeth angefreundet. Dessen Elternhaus steht in Gundhelm, seine fußballerische Heimat liegt beim ESV Elm, ehe er nach zwei Jahren bei den Senioren zur SG Vollmerz wechselte. Im vergangenen Sommer nahm er Jason Findley mit auf Heimaturlaub.
„Jason hat es in Vollmerz gefallen. Er ist Großstädter, Dorfvereine kennt er nicht. Das war eine ganz neue Welt für ihn, so mit Schwenkbier trinken und Vollmerzer Lieder singen“, schildert Kolb, welches spezielle „Scouting“ die Degenfelder betreiben. Schnell war die Idee geboren, dem Gast und einigen Gleichgesinnten das SG-Trikot überzustreifen.
Aus der Schnapsidee machten die Vollmerzer ernst: Kolb und sein Bruder Johannes, beide Kicker der SG Vollmerz, machten sich im Dezember mit Spielerpass-Antragsformularen des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) im Gepäck auf zum Gegenbesuch nach Derby. „Die drei haben unterschrieben, und nach zwei Wochen waren die Pässe da. Da gab es keine Probleme beim HFV, weil die Findleys keinem Club angehören und Thomas so lange nicht im Verein gespielt hat“, berichtet Sebastian Kolb.
Nun steht dem Gastspiel der Briten in der C-Liga Schlüchtern Ost nichts mehr im Wege. Morgen werden sie mit der SG Vollmerz beim SV Schweben auflaufen, am 19. Mai geht es zum Auswärtsspiel bei der Reservespielgemeinschaft Hohenzell/Weiperz nach Hohenzell.
Die Degenfelder liegen mit 42 Punkten auf Platz drei der Tabelle. Schweben (43) rangiert ein Platz davor. Kolb sieht in dem Gastspiel der Engländer keine Gefahr von Wettbewerbsverzerrung: „Wir sind froh, in Vollmerz weg vom Bezahlfußball zu sein. Wir wollen nicht aufsteigen, sondern einfach nur Spaß am Fußball haben.“ Außerdem wolle Schweben II auch nicht in die B-Liga, und für Hohenzell/Weiperz gehe es um nichts. „Wir haben jetzt elf Mann im Team, die alle unter 26 Jahren sind. Wir wollen noch ein Jahr zusammenwachsen, dann können wir immer noch aufsteigen“, erläutert das Vorstandsmitglied.

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