Sodens Trainer Mohr stellt die Systemfrage
Von Sascha Behnsen
Bad Soden
Die SG Bad Soden offenbart in der aktuellen Vorbereitungsphase die gleichen Schwächen in der Hintermannschaft wie in der vergangenen Saison, als man als Tabellenletzter aus der Verbandsliga Nord abstieg. Trainer Michael Mohr (39) äußert sich zum Stand der Dinge.
Sie waren am Sonntag nach der 4:8-Niederlage in Offenthal nicht zu erreichen. Was war los?
Ich war enttäuscht über das, was passiert ist, und musste Abstand gewinnen. Ich habe das Handy erst gar nicht mehr angemacht.
Drei Gegentore bei Kreisoberligist Kressenbach/Ulmbach, drei bei Gruppenligist Sprendlingen, sogar acht bei Kreisoberligist Offenthal: Die SG Bad Soden hat offenbar ein gravierendes Abwehrproblem.
Das soll auf keinen Fall eine Ausrede sein, aber man muss wissen, dass wir nur mit elf Mann nach Offenthal gefahren sind, wir, wie schon am Tag zuvor in Sprendlingen, auf Kunstrasen gespielt haben, dass viele Spieler aufgrund der hohen Trainingsintensität und der vielen Spiele in kurzem Zeitraum muskuläre Probleme haben, einige wirklich auf dem Zahnfleisch gehen. Aber, noch einmal, das darf keine Ausrede sein.
Man darf bei einem Kreisoberligisten keine acht Gegentore bekommen. Da muss man, auch wenn die Mannschaft in weiten Teilen sehr jung und unerfahren ist, cleverer spielen, den Ball mal in den eigenen Reihen halten oder mit wenigen Kontakten spielen und nicht auch noch 20 Meter mit dem Ball laufen, wenn man eh keine Kraft mehr hat.
Der Sportliche Leiter Martin Bangert hat gesagt, man müsse gegebenenfalls auch das System überdenken. Stellt sich Ihnen die Systemfrage auch?
Ich mache mir da viele Gedanken. Wir haben es jetzt mal mit Anton Römmich in der Viererkette in der Innenverteidigung versucht, das hat aber auch nicht richtig funktioniert. Auch ich frage mich: Macht die Viererkette Sinn, wenn sie einfach nicht funktioniert? Ist es für diese Mannschaft vielleicht doch besser, mit einem Libero zu spielen, zumal das wieder ganz andere Optionen für Mittelfeld und Angriff eröffnet?
Tatsache ist: Wir lassen momentan aus sehr wenigen Torchancen des Gegners sehr viele Gegentreffer zu. Das muss sich ändern, denn unser Saisonziel wollen wir nicht aus den Augen verlieren – und das heißt: Wir wollen wieder aufsteigen.
Es scheint so, als habe Ihre Mannschaft ein Überangebot an Mittelfeldspielern und Offensivkräften, während es an Abwehrspielern mangelt.
In der Tat sind Mittelfeld und Angriff sehr gut besetzt, wobei auch hier festgehalten werden muss: Wir spielen uns zwar sehr viele Torchancen heraus, machen aber zu wenig daraus. Weiterer Schwachpunkt ist ganz klar das Abwehrverhalten, vor allem die Innenverteidigung, auch durch den Weggang von Lukas Marx haben wir hier Probleme bekommen. Hier ruhen Hoffnungen auch auf Neuzugang Taulant Balaj, der bislang noch nicht zum Einsatz kommen konnte. Außerdem haben wir derzeit noch einen Tschechen im Probetraining, der Innenverteidiger ist.
Am Mittwoch steht das Pokalhalbfinale bei Titelverteidiger TSV Oberzell, dem mutmaßlich stärksten Schlüchterner Kreisoberligisten, an. Ist wieder mit einer gemischten Sodener Mannschaft aus Junioren, Zweit- und Erstmannschaftsspielern zu rechnen, oder wird man das Beste, was derzeit verfügbar ist, in Oberzell aufbieten?
Erst einmal werde ich noch die beiden Spiele vom Wochenende analysieren und dann sehen: Was ist machbar, was kann oder muss geändert werden? Dudevic ist leider im Urlaub, das ist nunmal so bei uns, dass viele im Urlaub waren, sind oder noch in den Urlaub fahren. Klar ist: Wir wollen ins Finale, wissen aber, dass das keine leichte Aufgabe wird. Auch wegen der Konstellation, dass Oberzells Trainer Mike Gaul ein Ex-Sodener ist, dann hat Oberzell ein Heimspiel, die SG Bad Soden kommt, und der will man es natürlich zeigen. Ich erwarte, dass meine Spieler an die Schmerzgrenze gehen und eine Trotzreaktion zeigen.

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