Uneinigkeit, Recht und Sturheit: Jeder Fünfte bis jeder Vierte liegt in Rechtsstreit

18. Dezember 2017
Fulda

Im Vergleich zu 2014 wird häufiger gestritten. Waren es damals im Schnitt noch 22,3 Streitfälle pro 100 Einwohner, steigt die Zahl 2016 auf 25,1 an. Der Kreis Fulda und der Main-Kinzig-Kreis landen dabei im Mittelfeld. Offenbar weniger streitlustig sind die Menschen im Vogelsberg.

Das hat Advocard in seinem Streitatlas 2017 erarbeitet. Durchschnittlich ist jeder vierte Fuldaer in einen Rechtsstreit verwickelt. Das teilte Advocard in einer Pressemitteilung mit. Advorcard hat die einzelnen Detailinformationen zum Streitverhalten des jeweiligen Landkreises ausgewertet. Neben Geschlecht und Alter wird auch die Höhe des Streitwertes ausgewertet.

Uneinigkeit, Recht und Sturheit: Jeder Fünfte bis jeder Vierte liegt in Rechtsstreit

Screenshots: Streitatlas

Bei jedem dritten Streit etwa geht es um Werte über 2000 Euro. Und die Deutschen werden immer streitlustiger: Laut Streitatlas 2017 dauern knapp 43,7 Prozent der Streitfälle länger als ein Jahr. Dabei sind mehr als zwei Drittel aller Streitenden in Fulda Männer (70,8 Prozent).

Uneinigkeit, Recht und Sturheit: Jeder Fünfte bis jeder Vierte liegt in Rechtsstreit

Ebenso spannend sind die unterschiedlichen Streitgründe in den einzelnen Regionen. National gesehen geht es meistens um private Angelegenheiten wie beispielsweise Reisekostenerstattungen. Aber auch Meinungsverschiedenheiten im Straßenverkehr und im Job beschäftigen die Deutschen.

Uneinigkeit, Recht und Sturheit: Jeder Fünfte bis jeder Vierte liegt in Rechtsstreit

Und was sind die konkreten Streitgründe? Besonders oft streiten sich die Menschen in Deutschland rund um das Thema Verkehrsunfälle, im Bereich Mieten und Wohnen beispielsweise über die Betriebskosten, familiäre Themen und mit ihrem Arbeitgeber über das Thema Lohn.

Die Bevölkerung in Fulda streitet besonders über Privates (35,2 Prozent aller Streitigkeiten), gefolgt von Verkehrsstreitigkeiten (34,4 Prozent) und Streitigkeiten rund um die Arbeit (13,5 Prozent).

Uneinigkeit, Recht und Sturheit: Jeder Fünfte bis jeder Vierte liegt in Rechtsstreit

„In Deutschland kann man heutzutage immer schneller in einen Streit verwickelt werden“, beschreibt Peter Stahl, Vorstandssprecher bei Advocard, dem Rechtsschutzversicherer der Generali in Deutschland, die Streitlage der Nation.

„Die Frage, wer Recht hat, wird immer öfter juristisch geklärt. Es wird immer mehr gestritten, zunehmend auch wegen eher geringer Streitwerte. Dies liegt sicherlich auch an der steigenden Anzahl von Gesetzen und Verrechtlichung der Gesellschaft.“ Zudem streitet Deutschland verbissener: „Bis ein Streit endlich beigelegt werden kann, dauert es immer länger“, so Stahl.

Auch die Menschen im Main-Kinzig-Kreis beteiligten sich überdurchschnittlich oft an juristischen Auseinandersetzungen. Allerdings geht es dabei in der Regel um einen eher niedrigen Streitwert. Im Jahr 2016 waren laut Zahlenwerk durchschnittlich 26,7 von 100 Personen im Main-Kinzig-Kreis in einen Streit verwickelt. Im Vergleich zu 2014 ist dieser Wert um 3,8 gestiegen.

Bundesweit waren es im Jahr 2016 25,1 Personen. Deutlich weniger streitlustig sind indes die Bewohner des Vogelsbergkreises. Dort gab es im Jahr 2016 nur 18,9 Streitfälle pro 100 Einwohner zu verzeichnen. Allerdings sind auch dies 2,4 Streitfälle mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Wer die Ergebnisse aus allen Kreisen bundesweit nachlesen möchte, der findet im Internet eine schön aufbereitete interaktive Karte. Dort finden dann Streitlustige heraus, wo es sich besonders lohnt hinzuziehen. / lai, dk