Vom Van zum Freizeitmobil: Mario Volklandt entwickelt Designstudie Hymercar mit

22. September 2015
Oberzell

Nicht nur aus Mottgers waren mit den Tabbert-Wohnwagen Produkte aus Sinntal auf dem Caravan Salon in Düsseldorf vertreten. Eine Studie zu dem variablen Hymercar auf Basis der Mercedes V-Klasse des Knaus-Tabbert-Mitbewerbers aus Bad Waldsee wurde in Oberzell mitentwickelt – von Mario Volklandt.

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Ungermann

25 Jahre lang war Mario Volklandt bei Tabbert in Mottgers – zuletzt als Produkt- und Markenmanager. Auch nach dem Ausscheiden dort ist der 46-Jährige der Caravaning-Branche treu geblieben. Als Freiberufler arbeitet er für den italienischen Zulieferer Tecnoform, der laut Volklandt alle großen Caravaning-Hersteller zu seinen Kunden zählt. Irgendwann musste es also dazu kommen, dass Volklandt mal für einen Mitbewerber seines einstigen Arbeitgebers tätig wird.

Modulboxen für variables Freizeitmobil

Hymer heißt der in diesem Falle. „Ich habe zwar zum Caravan Salon eine Studie für einen Knaus-Tabbert-Konkurrenten angefertigt, aber kein direktes Konkurrenzprodukt“, betont der Zeitlofser. Nur kurz nach dem Ausscheiden bei Knaus Tabbert in den direkten Wettkampf einzutreten, das hätte er nicht gewollt. Das Hymercar basiert auf der Mercedes V-Klasse, hat ein ausfahrbares Faltdach für die Schlafgelegenheit und an sich eine Ladefläche mit eingelassenen Schienen. „Der Unterschied zum Kastenwagen ist: Ich baue die Sitze rein und fahre mit einem normalen Auto. Ich kann den Van aber auch umrüsten, ein Campingmobil daraus machen, großes Sportequipment im Innenraum sicher und befestigt verstauen oder ein Büro im Fahrzeugfond einrichten“, erläutert Volklandt das Konzept, das relativ simpel klingt.

Der 46-Jährige, der bei Tabbert im Möbelbau seine Lehre zum Schreiner absolviert, sich später zum Techniker und Betriebswirt fortgebildet hat und auch Leiter für Entwicklung und Konstruktion in Mottgers war, hat in der Branche einen Namen. Die Hymer-Geschäftsführung sei mit dem Ansinnen, eine Designstudie für ein variables Freizeitmobil zu bauen, an Volklandt herangetreten. Seine Aufgabe war es nun, die Modulboxen für das Interieur zu konzipieren. „Wir haben uns dann die genauen Innenraummaße der V-Klasse geben lassen und überlegt, wie wir das umsetzen können“, erzählt der Zeitlofser, dessen Frau Jana in der einstigen Werkstatt der Schreinerei Fehl in Oberzell die Volklandt GmbH & Co. KG führt. Seit 2009 fertigt der Betrieb individuell geplante Fahrzeuge: Mannschaftswagen, hochwertig ausgestattete Wohnwagen, mobile Sanitätsstationen. Aber auch Türen für Bavaria Yachtbau werden hier hergestellt.

Studie sorgt für Aufsehen

„Ich kann theoretisch viel planen, aber ich muss auch etwas Greifbares machen, wenn ich etwas entwickeln will. Hier kann ich einfach etwas bauen“, nennt Volklandt einen Vorteil der Werkstatt, gut sieben Kilometer von seinem einstigen Arbeitsplatz in Mottgers entfernt. So geschah es dann mit den Modulen für das Hymercar. Küchenteil, Kühlboxen, Kleiderschränke, eine Hängeregistratur, Drucker oder einfach nur Stauboxen, in denen etwa die Wandersachen zu Hause aufbewahrt und bei Bedarf schnell in der V-Klasse untergebracht werden: All das sei denkbar. Ganz leicht sei die Entwicklung mit hochwertigen, aber nicht einfach zu verarbeiteten Materialien – Schiffsbelag, Lederapplikationen, Kunststoffen und Holz – kurz vor dem Caravan Salon nicht gewesen, räumt Volklandt ein. Dann sei der einstige „Möbelvater“ Wilhelm Fehl, der auch schon für Tabbert produzierte, gestorben und während des Prototypenbaus in der Werkstatt aufgebahrt gewesen. „Aus Respekt, wie es sich für einen Schreinermeister gehört“, sagt Volklandt. Trotzdem wurde die Studie rechtzeitig fertig und habe auf der Messe für Aufsehen gesorgt, erklärt der Vater eines Sohnes. Manager von Mercedes, die ihre Produkte in Halle 16 ausgestellt haben, seien bei Hymer in Halle 17 gewesen und hätten sich erstaunt gezeigt, was mit der V-Klasse möglich sei.

Das Kompliment macht den Zeitlofser schon etwas stolz, und er hat Visionen: „Ich glaube, wir können aus Sinntal die Branche noch richtig mit Innovationen befeuern“, sagt der passionierte Caravaning-Freund, der – obwohl nicht mehr im Unternehmen – die Knaus-Tabbert-Produkte nach wie lobt. Und kann er sich vorstellen, für seinen einstigen Arbeitgeber an Entwicklungen zu arbeiten? „Klar, vielleicht nicht sofort, aber über kurz oder lang schon. Tecnoform ist ja auch für Knaus und Tabbert tätig.“ Jetzt geht es für die italienische Firma in den kommenden Wochen allerdings erst einmal darum, ob das Hymercar zur Serie wird. Das ist ziemlich wahrscheinlich, produziert würden die Module dann aber wohl nicht in Oberzell, sondern in Italien.