Wella fährt die Produktion zurück: Arbeitsplätze bleiben erhalten

27. September 2016
Hünfeld

13 Jahre lang gehörte Wella zu Procter & Gamble. Diese Ära geht jetzt zu Ende: Zum 1. Oktober wechselt der Haarkosmetikkonzern mitsamt seinem Hünfelder Standort zum Kosmetikunternehmen Coty aus New York. In Hünfeld ändert sich einiges: So wird die Produktion zunächst erheblich zurückgefahren. Arbeitsplätze sollen aber nicht in Gefahr sein.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Es ist so weit: Nachdem bereits im Februar dieses Jahres die Europäische Kommission die kartellrechtliche Freigabe der milliardenschweren Übernahme erklärt hatte, wechselt Wella zum 1. Oktober endgültig zu Coty. Der Konzern mit Sitz in New York, dem unter anderem Parfummarken wie Davidoff, Calvin Klein und Joop gehören, steht auf dem Beauty-Markt derzeit weltweit auf Platz 3. Das Ziel ist klar: „Coty will die Nummer 1, L‘Oréal, angreifen“, erklärt Rolf Werner, Personalleiter in Hünfeld.

„Alle sehen dem Besitzerwechsel mit Freude entgegen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Norbert Herr. Die Stimmung in Hünfeld sei einigermaßen entspannt. Das dürfte insbesondere mit der Tatsache zusammenhängen, dass sämtliche Arbeitsverträge der 450 Mitarbeiter unverändert mit gleichem Gehalt und gleichen Rahmenbedingungen weiterlaufen. Zudem ist laut Herr vertraglich festgehalten, dass es zu keinem Personalabbau im Zuge des Produktionsrückgangs kommen wird, der jetzt ebenfalls ansteht.

Dieser ist darauf zurückzuführen, dass nicht alle Marken an Coty veräußert wurden. Einige verbleiben bei Procter & Gamble und werden künftig nicht mehr in Hünfeld, sondern bei Lohnabfüllern europaweit hergestellt. Der Einbruch bei diesem Volumenrückgang setzt Arbeitskraft frei. „Daher werden wir mehr Mitarbeiter für die Fertigungslinien abstellen, um diese weiter zu verfeinern und verbessern“, erklärt Norbert Herr. Zudem soll verstärkt „in die Fähigkeiten der Beschäftigten“ investiert werden, etwa durch Schulungen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Mitarbeiter übermorgen wieder brauchen“, so der Betriebsratsvorsitzende. Und Personalleiter Werner fügt an: „Wir wollen darum kämpfen, dass wir das eine oder andere Produkt für Hünfeld bekommen.“

Ein sehr gutes Zeichen sei es, glauben Herr und Werner, dass gleich Anfang Oktober ein Besuch des Coty-Managements in Hünfeld ansteht. Die neue Leitung hüllt sich gegenüber der Öffentlichkeit bisher allerdings in Schweigen. Aus Mainz heißt es auf Anfrage lediglich, dass der Zusammenschluss zwischen Coty und der Beauty-Sparte von P&G inklusive Wella im Laufe dieses Oktobers abgeschlossen werden kann. Zur zukünftigen Organisation will das Unternehmen keine Aussagen machen.

Der Fahrplan für den Übergang ist aber dennoch klar. Der Hünfelder Wella-Standort hat bereits Einladungen verschickt. Am kommenden Mittwoch, 28. September, wollen die Mitarbeiter eine „P&G-Abschiedszeremonie“ abhalten mit Reden und „Häppchen für alle“. Offizielle „Neueröffnung“ mit Gästen aus Politik und Wirtschaft ist für den 4. Oktober geplant, bevor einen Tag später die „Coty-Einweihung“ mit einem „Grillen für alle“ begangen werden soll.

Der Prozess des Übergangs zu Coty hat bereits gestern begonnen: Um die an Coty zu transferierenden Marken von P&G trennen zu können, wurde zunächst eine neue Gesellschaft gegründet, die HFC Prestige Manufactory Germany GmbH. Diese wird bis zum 26. September mit allen Rechten und Pflichten aktiviert. Am Tag danach nimmt der Hünfelder Standort unter dem neuen Namen HFC die Produktion auf – und wird, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen geprüft sind – am 1. Oktober an Coty übergehen. Durch den Zukauf erwarten Experten eine Verdopplung des Jahresumsatzes von Coty auf zehn Milliarden Dollar.