Elmer Steueranwalt Berger fühlt sich vom Staat verfolgt und sitzt in Schweiz fest

14. Februar 2015
Elm/Zuoz (Schweiz)

Von Elm in die Schweiz: Dr. Hanno Berger lebt seit fast anderthalb Jahren im schönen Engadiner Skidorf Zuoz. Zurzeit mag das für Wintersportfans ein Traum sein. Doch Berger hält sich nicht nur deshalb dort auf, weil er die Berge so sehr liebt. Denn zu Hause in Hessen müsste sich der Steueranwalt wohl vor Gericht verantworten – wegen völlig haltloser Vorwürfe, wie er betont.

„Das ist eine furchtbare Hetze, eine unglaubliche Kampagne, die da gegen mich läuft. Ich werde zu Unrecht verfolgt", klagt der 63-jährige Steueranwalt, der zugleich Geschäftsführer der Holzfirma Berger Bioenergie aus Elm ist, in einem Telefonat mit unserer Zeitung. In Zuoz mit seinem historischen Ortskern und den herrlichen Patrizierhäusern lebt Berger momentan mit seiner Frau. Seine Tochter und sein Enkelsohn wohnen „ums Eck", wie er erzählt. Trotz der guten Bergluft vermisst der gebürtiger Elmer seine Heimat.

Das Magazin „Stern" veröffentlichte bereits im Oktober eine große Geschichte über Hanno Berger. Darin erhoben die Stern-Redakteure schwere Vorwürfe gegen ihn und die als „legale Tricks" titulierten Möglichkeiten der Steuer sparenden Cum-/Ex-Geschäfte. In diesem Zusammenhang wurde auf eine Untersuchung der Schweizer Steuerfahnder hingewiesen. „Die sind hinter die Fichte geführt worden", unterstellte der Elmer im Gespräch mit dem Stern. Sein Vorwurf an die deutsche Justiz: Den Schweizern seien entlastende Dokumente vorenthalten worden. So musste der 63-Jährige erdulden, dass die Steuerfahnder in seiner Bleibe in Zuoz für eine Kölner Staatsanwältin Beweise sicherstellten.

Doch nicht nur sein Ferienhaus war Ziel der Fahnder. Laut Stern fand eine großangelegte Razzia in sieben Kantonen statt. Zeitgleich seien 20 Büros und Wohnungen von Bankiers, Anwälten und Fondsbetreibern durchsucht worden.

Anlass war ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Finanzbetrug in schier astronomischen Dimensionen: Mehr als 30 Beschuldigte sollen zusammen etwa 500 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschummelt haben, so der Vorwurf der Kölner Staatsanwältin. Und ganz oben auf dieser Liste, so schreibt es der Stern, befinde sich der Name von Berger. Gegen ihn ermittelt auch die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt „wegen des Verdachts der besonders schweren mittäterschaftlichen Steuerhinterziehung".

Der 63-Jährige, der einst als Regierungsdirektor der hessische Finanzverwaltung tätig war, ist knapp 20 Jahre lang als „Steueroptimierer der Superreichen" im Einsatz gewesen. Dass er für Konzerne wie Karstadt und Adidas oder Mitglieder der Quandt-Familie (BMW) die Finanzen „optimiert" habe, bestreitet Berger nicht. Warum auch? „Ich habe meinen Mandanten nur die besten Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie Steuern sparen können. Das war schließlich mein Job", erklärt er. Die Stern-Redakteure werfen Berger indes „fehlende Moral" vor und skizzieren ein „Sittengemälde über das Finanzgebaren von Vermögenden", das unmoralisch sei.

Diesen idealistischen Rufen nach „Moral" und „Gerechtigkeit" stellt Berger seine Verpflichtung gegenüber seinen Mandanten gegenüber: „Wenn der Gesetzgeber Möglichkeiten zur Steueroptimierung bietet, dann bin ich doch moralisch gehalten, meinen Mandanten legale Wege aufzuzeigen. Das ist doch meine Pflicht."

Der 63-Jährige vertrat bereits vor gut einem Jahr auf seiner Internetseite die Ansicht, „dass staatlicherseits das Gesetz als positives Recht missachtet und Schikane sowie Verfolgungsmaßnahmen gegen mich eingeleitet werden". Die wahren Schuldigen an dieser Misere benennt er im Gespräch mit unserer Zeitung prompt: „Eichel, Steinbrück und Schäuble." Die ehemaligen und der derzeitige Finanzminister. Wie Berger sagt, sei das entstandene „Millionenloch" durch die damals noch nicht illegalen Cum-Ex-Geschäfte auf ein Versäumnis des Gesetzgebers zurückzuführen: „Man versucht jetzt, politisches Versagen mit dem Strafrecht zu kompensieren. Ich bin zutiefst von dem verfassungsmäßig verbrieften und mehrfach von obersten deutschen Gerichten bestätigten Recht des Bürgers überzeugt, Steuern auf einer legalen Basis zu optimieren", so Berger auf der Internetseite seiner ehemaligen Frankfurter Kanzlei.

Nichts anderes habe er gemacht, versichert er. Der Fiskus sei inzwischen jedoch „ein Staat im Staate" und setze sich seine Regeln selbst. Anders ließen sich die rechtsstaatswidrige Attacke der hessischen Finanzverwaltung, des hessischen Finanzgerichtes unter Inanspruchnahme der hessischen Generalstaatsanwaltschaft gegen mich kaum erklären", so Berger.

Eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 6. März 2013 nährt bei ihm die Hoffnung, „dass die Finanzverwaltung und die Staatsanwaltschaft das losgetretene Ermittlungsverfahren in aller Kürze einstellen müssen". Berger ist sich deshalb sicher, dass er schon bald wieder in seine Heimat reisen kann und seine Verfolgung durch die Justiz bald ein Ende findet.